Anwohner sammelt Unterschriften

Protest gegen Linksabbiegespur und monatelange Vollsperrung der B440

Es ist gefährlich, die B 440 im Bereich Moorkamp zu überqueren. Eine Ampel soll künftig dabei helfen.
+
Es ist gefährlich, die B 440 im Bereich Moorkamp zu überqueren. Eine Ampel soll künftig dabei helfen.

Rotenburg – Es regt sich Widerstand unter Anwohnern des Neubaugebietes am Stockforthsweg in Rotenburg. Claus Richter kurbelt in diesen Tagen und damit auf den letzten Drücker eine Unterschriften-Aktion gegen den Bau einer Linksabbiegespur auf der Bundesstraße 440 an der Einmündung in den Moorkamp an. „Als Betroffene ist es für uns unverständlich, dass eine Linksabbiegespur notwendig ist und eine bessere Problemlösung bringen soll“, sagt er. Der Baustart ist für kommende Woche vorgesehen.

Schon seit vielen Jahren sind in Rotenburg Rufe nach einer Querungshilfe auf der Bundesstraße 440 im Bereich des Moorkamps zu vernehmen. Jetzt soll in diesem Bereich eine Ampel gebaut werden. Doch damit nicht genug: Das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Verden macht die Installation der Ampel von einer zusätzlichen Linksabbiegespur zum Moorkamp abhängig. Das betont der Rotenburger Planungsamtsleiter Clemens Bumann.

Auslöser für den Unmut Richters und einiger seiner Nachbarn ist ferner ein Brief von der Stadt. Darin teilt sie mit, dass die B440 während des Umbaus für voraussichtlich vier Monate voll gesperrt werden müsse. Für die Bewohner des Neubaugebietes am Stockforthsweg ist eine spezielle Umleitung vorgesehen – die aber führt zum Teil über unbefestigte Feldwege, die für Gegenverkehr nur wenig Platz bieten. „Warum belässt man es nicht bei der Einrichtung einer Ampel?“, fragt sich der 89-jährige Claus Richter. Darin, dass diese gebaut werden muss, sind sich aber alle einig.

„Wir haben eine sichere Querung zugesagt“

„Wir haben es im Bereich Stockforthsweg mit mehr als 200 neuen Wohneinheiten und vielen Kindern zu tun, die zur Schule am Grafel und auch zu den Kitas gelangen müssen. Wir haben seinerzeit eine sichere Querung zugesagt“, erklärt Bumann. Aber: Es gibt viele Argumente, die die jetzige Planung unverständlich machten, so Richter. Angefangen beim zusätzlichen, finanziellen Aufwand über die beträchtliche Umweltbelastung durch die gefahrenen Umwege bis hin zu den zeitverzögerten Notdiensteinsätzen während der viermonatigen Bauzeit. „Wir beobachten, dass mehrmals täglich die Rettungsfahrzeuge in Richtung Visselhövede fahren.“ Es gehe viel Zeit verloren, bis ein Rettungsfahrzeug durch die Stadt die Stocksforthsweg-Siedlung erreicht. Richter: „Eine Verzögerung, die tödlich sein kann.“

Der Rotenburger Planungsamtsleiter merkt an, dass die Verzögerung bei der Hinfahrt überschaubar sei, für die Rückfahrt böte es sich aus seiner Sicht an, über Worth das Diakonieklinikum anzusteuern. Mit Blick auf die eingeplante Umgehung für die Bewohner aus dem Bereich Stockforthsweg kündigt er zugleich an, dass die Stadt an den erforderlichen Stellen die Wege freischneiden und gegebenenfalls auch ausbessern werde. Den Ärger, der sich da allerdings auftut, könne er nachvollziehen. Seiner Ansicht nach sei die Linksabbiegespur nicht zwingend erforderlich. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr argumentiere jedoch mit einer zusätzlich Verkehrsbelastung auf und rund um die Knickchaussee herum aufgrund weiterer Planungen in der letzten Zeit.

„Wir stecken in einem Korsett, gegen das man nichts machen kann.“ Bumann spricht von Rechtsvorschriften, auf die sich die Planer in Verden beriefen. „Das alles soll dem Verkehrsfluss dienen, aber ob das diesen Aufwand rechtfertigt, wage ich zu bezweifeln.“ Die Stadt muss die Kosten für die Linksabbiegespur übernehmen, weil sie als Auslöserin dieser Notwendigkeit gesehen wird. Es geht um 600.000 Euro. Die Ampel – Bumann schätzt dafür die Kosten auf etwa 60.000 bis 70.000 Euro – übernimmt das Landesamt.

Claus Richter sammelt Unterschriften.

Bereits am kommenden Montag soll es mit dem Umbau und daher auch mit der Vollsperrung beginnen. Bumann bringt allerdings seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich die Bauzeit auf vielleicht drei Monate reduzieren lässt. Auf die komplette Sperrung der Bundesstraße bestünden das Landesamt für Straßenbau und Verkehr sowie der Landkreis.

Während Bumann hofft, dass alles viel schneller geht, kann Claus Richter nicht nachvollziehen, dass man mit der Maßnahme im Herbst beginnt und damit bis in den Winter kommen wird. „Die in die bevorstehenden Wintermonate gelegte Bauzeit lässt noch ergänzende Verzögerungen erwarten“, sagt er.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Aus Sicht der Verkehrswacht Rotenburg sei zunächst auf jeden Fall die Einrichtung einer Ampel als Querungshilfe zu begrüßen, sagt deren Vorsitzender Uwe Bausdorf. Ob eine Linksabbiegespur sein muss, könne er nicht sagen. Zweifel hat er. Aber Bausdorf betont auch: „Wir sind für alles offen, was der Verkehrssicherheit dient.“ Bei einer Verkehrsschau vor einiger Zeit sei allerdings nur von einer Ampel die Rede gewesen. Bumann erklärt, das die Abbiegespur erst später ins Spiel gekommen sei – aufgrund weiterer Bauleitplanungen und mit Blick auf Neubaugebiete im Bereich Grafeler Damm.

Richter macht sich derweil auf den Weg und hofft auf viele Unterschriften. „Ich bleibe da am Ball, auch wenn die Zeit sehr knapp ist.“ Er sei sich der Tatsache bewusst, dass es schwer werden dürfte, innerhalb weniger Tage den Bau der Linksabbiegespur oder auch nur die für den Umbau vorgesehene Vollsperrung der Bundesstraße zu verhindern. Dennoch verteilt Claus Richter entsprechende Info-Schreiben in seiner Nachbarschaft, auf denen er die Situation kurz erklärt und zugleich um Unterstützung bittet: „Eine Maßnahme, die selbst bei Fachleuten umstritten ist. Helfen Sie mit, diesen Irrsinn zu verhindern, und beteiligen Sie sich an einer Unterschrift-Protestaktion. Eilt sehr!

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Karpfen werden umgesiedelt

Karpfen werden umgesiedelt

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Dampftag im Kreismuseum

Dampftag im Kreismuseum

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Meistgelesene Artikel

Westerwalseder sauer auf die Nachbarn

Westerwalseder sauer auf die Nachbarn

Westerwalseder sauer auf die Nachbarn
Mit dem 22-Tonnen-Maishäcksler auf dem Acker unterwegs

Mit dem 22-Tonnen-Maishäcksler auf dem Acker unterwegs

Mit dem 22-Tonnen-Maishäcksler auf dem Acker unterwegs
Gaspreis steigt im nächsten Jahr deutlich

Gaspreis steigt im nächsten Jahr deutlich

Gaspreis steigt im nächsten Jahr deutlich
„Mit Freunden“-Festival trotzt Unwägbarkeiten

„Mit Freunden“-Festival trotzt Unwägbarkeiten

„Mit Freunden“-Festival trotzt Unwägbarkeiten

Kommentare