Experten befassen sich mit der Verkehrsentwicklung

Rotenburg plant die Zukunft

Ein Wegweiser zum Diakonieklinikum und zu den Rotenburger Werken an der Harburger Straße. Diese Straße soll schon bald komplett umgebaut werden.
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Die Harburger Straße ist das nächste große Straßenumbauprojekt in Rotenburg. Wie es insgesamt weitergeht, wird der Verkehrsentwicklungsplan zeigen.

Staus auf den drei Bundesstraßen, die Rotenburg durchkreuzen, viele Ampeln mit wenig aufeinander abgestimmten Schaltungen, eine Reihe sanierungsbedürftiger Radwege und Probleme im Zusammenspiel von Rad- und Autoverkehr auf der Goethestraße sowie die in normalen Zeiten erheblichen Parkplatzprobleme am Bahnhof: Der Straßenverkehr bereitet der Kreisstadt Kopfzerbrechen. Mit punktuellen Verbesserungen ist es nicht getan.

  • Verkehrsentwicklungsplan in Arbeit.
  • Transparenz und Beteiligung von Bedeutung.
  • Bürgermeister hat Verkehrswende im Blick.

Rotenburg – Nachdem die Stadt zunächst den erforderlichen Prozess für das angestrebte Stadtentwicklungskonzept in Gang gesetzt hat mit dem Ziel, in das Städtebauförderprogramm aufgenommen zu werden, geht es mittlerweile mit dem zweiten Schritt in Richtung Zukunft weiter. Die Planersocietät in Bremen hat den Auftrag für einen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) erhalten. Dafür macht Rotenburg bis zu 80 000 Euro locker. Ergebnisse erwartet man im kommenden Jahr.

Es reiche nicht, immer nur an den Symptomen herumzudoktern, sondern das Thema Verkehrsentwicklung sei zwingend ganzheitlich zu betrachten, sagte Bürgermeister Andreas Weber (SPD) nach der Auftragsvergabe im vergangenen Herbst.

Andreas Weber hat die Verkehrswende im Blick

Ganz aktuell diskutiert die Rotenburger Politik über eine mögliche, zeitlich begrenzte Sperrung der Goethestraße für den Durchgangsverkehr. „Auch die Goethestraße wird im VEP betrachtet“, unterstreicht Weber. Darüber hinaus suche man Antworten zum Beispiel auf die Frage, wohin Rotenburg will in Sachen Verkehr. Weber erinnert an die Verkehrswende, an den Wunsch, den Radverkehr zu stärken, wodurch sich der sogenannte Quellverkehr verändern ließe. Ganz wichtig seiner Ansicht nach: „Der VEP geht Hand in Hand mit dem Stadtentwicklungskonzept.“

Darin spiele auch die Frage eine Rolle, wo sich neue Wohngebiete erschließen lassen – mit entsprechenden Folgen für die Verkehrsplanung. Auch Überlegungen für eine Umgehungsstraße fließen mit ein. „Aber das bedeutet nicht, dass es auch eine West-Umgehung sein muss.“ Das sei viel zu kurz gegriffen, sagt Weber. Ihm sei es wichtig, das Gesamtbild zu erfassen. Dabei haben die Fachleute ein verkehrsmittelübergreifendes Handlungskonzept mit der Benennung von konkreten Maßnahmen im Auge.

Konkret bedeutet das zum Beispiel, auch die Entwicklung der E-Mobilität zu berücksichtigen. Verkehrsfluss durch eine neu strukturierte und aufeinander abgestimmte Ampelschaltung sei ebenso von Bedeutung. Weber: „Wir werden die schon vorhandene Strategie anpassen – und zwar auf Basis der neuen Datenerhebungen.“

Jede Stadt hat unterschiedliche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen

Wie die Planer an diese Aufgabe herangehen, schildert Sebastian Schröder-Dickreuter. Er ist Team- und Standortleiter Bremen bei der Planersocietät. Jede Stadt, Kommune oder Region weise unterschiedliche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen auf, wenn es darum geht, einen VEP zu erarbeiten, sagt er.

Der Verkehrsplaner spricht von einer Bestandsaufnahme und -analyse sowie der Entwicklung eines Zielkonzeptes mit der zeitlichen Perspektive 2030. Zu den ersten Schritten gehöre außerdem die Formulierung eines Handlungskonzeptes. Der Experte: „Verkehrsentwicklungspläne sind das Hauptgeschäftsfeld unseres Büros.“ Nicht jeder VEP sei inhaltlich gleich aufgestellt, erklärt der Ingenieur. Eine grundsätzliche Herausforderung sei die verkehrsmittelübergreifende sowie integrative Herangehensweise, „die einen Schwerpunkt unseres Büros darstellt“, so Schröder-Dickreuter. Verkehrsmittelübergreifend bedeute, dass alle Verkehrsmittel zusammen betrachtet und in ihren gegenseitigen Wechselwirkungen berücksichtigt werden. „Integrativ heißt, dass wir auch die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen anderer Fachplanungen stets im Blickfeld haben und mitdenken, sodass hier beispielsweise keine parallelen Planungsstrukturen entstehen.“

Auto als wichtiges Verkehrsmittel

Wesentliche Charakteristika, die einen Einfluss auf das Verkehrsgeschehen sowie auf das Mobilitätsverhalten der Einwohner haben, seien in Rotenburg der Einzugsbereich im ländlichen Raum mit dem Auto als wichtiges Verkehrsmittel, die Lage zwischen den Großstädten Hamburg, Bremen und Hannover mit den entsprechenden Pendlerverkehren sowie das große Diakonieklinikum.

Schon im Vorfeld der Auftragsvergabe war klar, dass es ein transparenter Prozess werden soll, in den auch die Öffentlichkeit eingebunden wird. Schröder-Dickreuter: „Die begleitende Einbindung der Öffentlichkeit – also der Bevölkerung sowie relevanter Akteure aus Politik und Wirtschaft – ist sehr wichtig für die Transparenz des Projektes sowie für die spätere Akzeptanz des Ergebnisses.“

Immer noch großer Bedarf an Baugrundstücken

Sogenannte Mobilitätsforen sollen dazu dienen, in den direkten Austausch mit der Bevölkerung zu gehen. „Momentan sind diese zu Beginn und zum Ende der konzeptionellen Phase angedacht, um mögliche Maßnahmenideen zu reflektieren, zu ergänzen und zu diskutieren“, sagt der Experte. Darüber hinaus soll es eine projektbegleitende Arbeitsgruppe geben – mit Vertretern aus Verwaltung, Politik sowie weiteren relevanten Behörden, wie beispielsweise die Polizei, und Interessensgruppen. Und das alles in Corona-Zeiten. „Die Beteiligungsbausteine werden natürlich in Abhängigkeit der jeweilig geltenden Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie durchgeführt. So können durchaus auch Online-Formate als Ersatz und/oder Ergänzung für die Beteiligung genutzt werden“, fügt Schröder-Dickreuter hinzu.

Spannend ist es, zu sehen, worauf Einschätzungen beruhen, wenn die Planer den Blick zehn oder 15 Jahre nach vorne richten. „Ein Blick in die Zukunft ist immer schwierig und basiert in der Regel auf Annahmen, die getroffen werden müssen“, erklärt der Teamleiter des Bremer Büros. Aktuelle Entwicklungen im Mobilitätsbereich behalte man dabei im Blick, um ein möglichst zukunftsorientiertes Planwerk ausarbeiten zu können. Und zwar in Abstimmung mit der grundsätzlichen städtischen Entwicklung. Schließlich will und muss sich die Kreisstadt weiterentwickeln. Allein der Bedarf an Baugrundstücken ist ungebrochen und hat Einfluss auch auf den Verkehr.

Von Guido Menker

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