„Willkommene Anerkennung“

Physiker Karsten Danzmann erhält den Otto-Hahn-Preis

Professor Karsten Danzmann erhält den Otto-Hahn-Preis.

Rotenburg - Von Guido Menker. Der 1955 in Rotenburg geborene Physiker Professor Karsten Danzmann erhält den diesjährigen Otto-Hahn-Preis. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik mit Sitz in Potsdam und Hannover sei einer der Wegbereiter beim Nachweis von Gravitationswellen, teilt die Stadt Frankfurt am Main mit. Der gemeinsam von der Stadt, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) getragene Preis ist mit 50 000 Euro dotiert.

Danzmanns Forschungen in der Laser-Interferometrie (Messmethode) habe die enorme Präzision der Instrumente ermöglicht, die für den Nachweis grundlegend gewesen sei, begründeten die Präsidenten der GDCh und der DPG, Thisbe Lindhorst und Rolf-Dieter Heuer, die Wahl der Jury. Albert Einstein hatte die Existenz von Gravitationswellen vorhergesagt, sie waren aber lange unbewiesen. Es handelt sich dabei um winzige Veränderungen des Raums, die von beschleunigten Massen ausgelöst werden. Am 14. September 2015 wiesen Wissenschaftler erstmals die Wellen nach. Die Entdeckung stützt Einsteins Relativitätstheorie. Professor Danzmann hat uns ein paar Fragen beantwortet.

Herr Danzmann, Sie erhalten den Otto-Hahn-Preis. Gratulation! Welchen Stellenwert hat dieser Preis für diejenigen, die in der Physik unterwegs sind?

Karsten Danzmann: Der Otto-Hahn-Preis ist zunächst einmal einer der wichtigsten Wissenschaftspreise für deutsche Forscher, aber das Preiskomitee hat in der Vergangenheit immer ein gutes Händchen bewiesen: Der Preis wird seit 2005 vergeben, und bisher hat die Hälfte aller Preisträger auch den Nobelpreis bekommen.

Können Sie den Laien unter uns kurz erklären, wofür Sie diesen Preis erhalten?

Danzmann: Einstein hat uns die Schwerkraft neu erklärt, und zwar als Krümmung des Raumes, hervorgerufen durch die Materie, die sich darin befindet. Wenn die Dinge sich bewegen, dann erzeugen sie Wellen der Raumkrümmung, sogenannte Gravitationswellen, mit denen man die dunkle Seite unseres Universums – immerhin 99,6 Prozent – hören kann. Mein Team arbeitet seit einem Vierteljahrhundert daran, die Technologie zu entwickeln, mit der man diese Wellen detektieren kann, und 2015 ist das erstmals in den amerikanischen LIGO Detektoren gelungen, nicht zuletzt dank unserer Technologie.

Würde ich zu weit gehen, wenn ich sage, der Otto-Hahn-Preis ist für Physiker das, was der Oscar für Schauspieler ist?

Danzmann: Ich würde eher sagen die Golden Globes.

Was genau bedeutet diese Auszeichnung für Sie und Ihre Arbeit?

Danzmann: Es ist eine willkommene Anerkennung der deutschen Beiträge zu dieser Jahrhundertentdeckung, und ich hoffe, dass dadurch Türen geöffnet werden, die uns die Arbeit leichter machen.

Sie sind gebürtiger Rotenburger: Welche Beziehungen haben Sie noch zu unserer Stadt?

Danzmann: Das liegt lange zurück, aber heute noch schaue ich mir gern die alten Bilder an und erinnere mich an die Erzählungen meiner Mutter und meiner Großmutter.

Heute lehren Sie in Hannover. Viele junge Menschen zittern, wenn es in den Physikunterricht geht und Klassenarbeiten anstehen. Wie vermitteln Sie einem Schüler, dass Physik eben doch gar nicht so schwer ist und durchaus auch Spaß machen kann?

Danzmann: Durch eigene Begeisterung!

Was hat Sie selbst als Schüler veranlasst, den Weg eines Physikers einzuschlagen?

Danzmann: Es war immer die Astronomie, die mich fasziniert hat. Schon als Kind habe ich viele kalte Winternächte draußen mit meinem Teleskop verbracht.

Worin wird Ihre nächste große Forschungsarbeit bestehen?

Danzmann: Ich bin gerade in Darmstadt beim Bodenkontrollzentrum ESOC der ESA. Wir schalten nach erfolgreichen 16 Monaten Missionsdauer unseren Satelliten LISA Pathfinder ab. Und dann bereiten wir uns auf die Hauptmission LISA vor, um die niederfrequenten Gravitationswellen von superschweren Schwarzen Löchern mit Millionen von Sonnenmassen zu hören. So etwas geht nur im Weltraum.

Herr Danzmann, Sie erhalten mit dem Preis auch noch 50 000 Euro. Was machen Sie damit?

Danzmann: Da ich noch nicht einmal weiß, welche Zweckbindung das Geld hat, kann ich diese Frage nicht beantworten.

Der Otto-Hahn-Preis

Der 2005 neu geschaffene Preis ist nach dem Kernchemiker und Nobelpreisträger Otto Hahn (1879-1968) benannt, der in Frankfurt am Main geboren wurde. Er würdigt herausragende wissenschaftliche Leistungen auf den Gebieten der Chemie, Physik und Ingenieurswissenschaften und wird am 2. November in der Frankfurter Paulskirche verliehen. 

Die Auszeichnung wird übrigens alle zwei Jahre in Frankfurt verliehen, wobei die Preisträger abwechselnd aus der Physik (2005) und aus der Chemie kommen sollen, heißt es. Der diesjährige Preisträger Karsten Danzmann wurde am 6. Februar 1955 in Rotenburg geboren. Er studierte Physik in Hannover, wo er 1980 promovierte. Seit 1993 hat er einen Lehrstuhl für Physik an der Leibniz-Universität in Hannover inne. 

Seit 1993 ist er Leiter des Instituts für Gravitationsphysik der Universität Hannover, seit 2002 Direktor und wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut), Hannover. Dort ist Danzmann seit den 1990er-Jahren auch Leiter des deutsch-britischen Geo-600-Experiments zum Nachweis von Gravitationswellen mit Laser-Interferometrie. Im vergangenen Jahr hat er den Wissenschaftspreis Niedersachsen erhalten. 

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