Treffen mit dem Bürgermeister

Perspektiven für die Rotenburger Feuerwehr

Bürgermeister Torsten Oestmann nimmt Volker Emshoff (l.) den Amtseid ab. Er bleibt für weitere sechs Jahre Ortsbrandmeister in Unterstedt.
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Bürgermeister Torsten Oestmann nimmt Volker Emshoff (l.) den Amtseid ab. Er bleibt für weitere sechs Jahre Ortsbrandmeister in Unterstedt.

Bei einem Treffen mit Bürgermeister Torsten Oestmann haben die Spitzen der Rotenburger Feuerwehren klar gemacht, wo in den kommenden Jahren ihre Bedarfe liegen. Bald soll auch der Stadtrat die Wache am Mittelweg besuchen. Denn der entscheidet am Ende über die Finanzierung.

Rotenburg – Eigentlich ist es eine Sache von wenigen Minuten. Volker Emshoff muss nach seiner Wahl nur noch den Amtseid im Rathaus ablegen – und damit kann seine dritte Amtszeit als Ortsbrandmeister in Unterstedt auch schon beginnen. Doch an diesem Abend im Ratssaal nutzen Bürgermeister Torsten Oestmann, Volker Emshoff sowie Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch und weitere Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr die Gelegenheit, um mit dem neuen Chef im Rathaus ins Gespräch zu kommen.

Der Ratssaal bietet eine gute Gelegenheit – man sitzt mit großem Abstand zusammen. Alles ist coronagerecht vorbereitet. Am Ende gibt es zufriedene Gesichter.

Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein. Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch hat dieses Sprichwort ganz offensichtlich verinnerlicht. „Es geht darum, die Politik für die Feuerwehr zu sensibilisieren. Klar, Feuerwehr kostet viel Geld, aber wir übernehmen eine Pflichtaufgabe.“ Bei 250 bis 300 Einsätzen in einem Jahr allein für die Stadtfeuerwehr gilt der Dank neben den Familien vor allem auch den Arbeitgebern. Die ziehen mit. Das ist eine wichtige Grundlage, um ausreichend Freiwillige zu haben, die sich engagieren.

Ein finanzieller Berg

Diese Grundlage allein reicht aber nicht aus. Reinsch versichert, ein neuer Mannschaftstransportwagen müsse her, dazu unbedingt ein „voll geländefähiges Fahrzeug“. Problem: Mit der Überalterung des Materials werde der Berg immer größer, den es zu bewältigen gilt – auch finanziell. Reinsch: „Im Prinzip brauchen wir alle 1,3 Jahre ein neues Fahrzeug.“ Da schrillen in der Politik gerne mal die Alarmglocken – vor allem dann, wenn es um den Haushalt geht. Der Stadtbrandmeister unterstreicht: „Es geht nicht ums ,Nice to have’, sondern um eine Ausstattung, die den Aufgaben der Feuerwehr entspricht.“

Oestmann – als ehemaliger Polizist selbst „blaulichtaffin“ – hat einen Vorschlag parat: Er plant, die Mitglieder des Stadtrates zur Feuerwehr am Mittelweg einzuladen. „Es soll um das Verständnis gehen und um konkrete Fragen – also um die Aufgaben und auch um die Finanzen.“

Als Ratsherr und Feuerwehrmann wird auch Volker Emshoff ganz gewiss mit von der Partie sein. „Ein echtes Vorbild, er lebt die Feuerwehr“, sagt Reinsch über den Kollegen aus Unterstedt. Er habe die Unterstedter Feuerwehr zu dem gemacht, was sie heute ist, er sei ein Teamplayer, der niemand alleine stehen lasse, ein Ortsbrandmeister, der immer vor seiner Truppe stehe. „Seine dritte Amtszeit nötigt mir größten Respekt ab“, so Reinsch. Dieses Engagement über viele Jahre sei nicht mehr selbstverständlich.

Aufgaben der Feuerwehr sind vielfältiger

Der Besuch des Rates bei der Feuerwehr sei eine gute Sache, sagen alle, die an diesem Abend mit an den Tischen sitzen. „Dann sind sie einfach mal näher dran, einige von ihnen waren ja noch nie bei uns“, weiß der Stadtbrandmeister. Und wenn es dann um das Werben um Verständnis geht, wird er selbst einiges zu berichten haben. Volker Emshoff weiß: „Die Bereitschaft in der Politik ist groß.“

Vor diesem Hintergrund betont Reinsch, dass das Aufgabenspektrum in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden sei. Da gehe es um Türöffnungen, um Tragehilfe für den Rettungsdienst, um Menschen, die im Fahrstuhl stecken geblieben sind. „Wir haben es mit einer zunehmenden Belastung zu tun, und wir sind weiter am Ball, um schnelle und professionelle Hilfe zu leisten.“

Reinsch ist 60 Jahre alt und seit neun Jahren schon als Stadtbrandmeister im Einsatz. Er kennt die Entwicklung und bringt das grundsätzliche Anliegen der Feuerwehren auf den Punkt: „Mit den vielen zusätzlichen Einsätzen, mit den zunehmenden Aufgaben müssen wir Schritt halten.“ Dass die Feuerwehr heute deutlich häufiger zur Hilfe gerufen wird als früher, liege nicht zuletzt auch daran, dass niemand Fehler machen möchte, wenn es irgendwo klemmt. „Da geht es auch um juristische Fragen“, betont Thorsten Reinsch. Da, wo früher noch der Nachbar ein Brecheisen geholt hat, um fix eine Tür aufzubrechen, wenn es sein musste, „werden heute wir gerufen“.

Die Belastung steigt

Mit der Zunahme an Einsätzen steige die Belastung. Wohin das führt, lasse sich nicht sagen, aber Reinsch bringt eine Variante ins Spiel, die vielleicht einmal auf den Tisch kommen wird: „Es kann gut sein, dass auch hauptamtliche Kräfte dazukommen müssen, wenn das alles auf Basis der Freiwilligkeit nicht mehr zu leisten ist.“ In welcher Form das passieren kann? Die Zukunft werde das zeigen. Reinsch spricht daher von Möglichkeiten, „die perspektivisch ins Auge zu fassen sind“.

Perspektivisch wird die Feuerwehr in Unterstedt ein neues Feuerwehrhaus bekommen. „Zunächst ist aber Borchel dran“, sagt Torsten Oestmann. Aller Voraussicht nach soll es in diesem Jahr dort losgehen. 2023, so Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann, könnte man eventuell Unterstedt in Angriff nehmen. Es tut sich also was. Das dürfte vor allem Volker Emshoff freuen. Sein Einsatz, sagt Oestmann, sei aller Ehren wert. „Er ist ja auch noch in der Politik engagiert. Das ist schon ein Paket – und dafür danke ich. Und ich hoffe, dass wir auch weiterhin Leute für diese Aufgabe finden.“

Auch darüber wird man vermutlich sprechen, wenn der Stadtrat vielleicht schon bald bei den Brandschützern vorbeischaut – also sobald die Pandemie das erlaubt. Doch dann erfahren die Politiker nicht nur von den Schwierigkeiten, sondern sicherlich auch von der Gemeinschaft, von der Kameradschaft, von Vorbildern wie Volker Emshoff, die die Feuerwehr zu dem machen, was sie ist.

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