Arbeitkreis „Medizinische Versorgung im Landkreis“ informiert über Arztsituation auf dem Land

Rotenburg ist (noch) gut aufgestellt

Gisela Flake (v.l.), Stefan Raatz, Eike Holsten, Michael Schmitz und Dr. Joachim Amthor sprachen über die Ärzteversorgung im ländlichen Raum und beantworteten die Fragen der Zuhörer zum Thema. - Foto: Goldstein

Unterstedt - Die Sicherung der hausärztlichen Versorgung wird in immer mehr niedersächsischen Landkreisen schwieriger. Darunter leiden besonders strukturarme Gegenden. Es wird in ländlichen Räumen immer mühsamer, frei werdende Arztstellen zu besetzten. Der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Michael Schmitz, hat am Donnerstagabend während einer Informationsveranstaltung des CDU-Kreisverbandes im Waldhof in Unterstedt die ärztliche Situation in Rotenburg noch als gut bezeichnet. Eine Unterversorgung gebe es hier nicht. Damit es so bleibt, müssten junge Ärzte für die Arbeit als Landärzte in der Region motiviert werden. Über das „Wie“ informierten er und Teilnehmer der Arbeitsgruppe „Medizinische Versorgung im Landkreis Rotenburg“.

„Das Thema betrifft jeden von uns auf unterschiedliche Weise. Wir alle sind es gewohnt, dass im Krankheitsfall der Arzt nicht weit weg ist“, sagte der Vorsitzende des Rotenburger CDU-Gemeindeverbands, Eike Holsten, der die Moderation auf der Veranstaltung übernommen hatte. „Aber wie sieht es für die Zukunft aus?“ Dieser Frage ging er mit den Podiumsteilnehmern Gisela Flake (Seniorenbeirat), Stefan Raatz (Wirtschaftsförderer der Samtgemeinde Tarmstedt), Schmitz und Dr. Joachim Amthor (Hausarzt in Bothel) nach. Zudem beantworteten die Podiumsteilnehmer immer wieder die Fragen der Zuhörer. Schmitz belegte seine Behauptung der landesweiten guten Versorgung mit Zahlen und Fakten, sieht aber für die Zukunft Probleme. „Junge Ärzte können sich heute aussuchen, ob sie sich in der Stadt oder auf dem Land niederlassen wollen“, erklärte er. Es werde in rund zehn Jahren Nachwuchsprobleme in der haus- und fachärztlichen Versorgung geben. Ein wichtiger Grund dafür seien unter anderem die finanziellen Rahmenbedingungen und die immer aufwendiger werdende Bürokratie. Die Anzahl der Einzelpraxen reduzierten sich, während der Trend zu Gemeinschaftspraxen gehe. Der Rotenburger Radiologe Kresimer Hrastnik äußerte sich als Zuhörer zur zunehmenden Bürokratie. Sie habe bereits mit Horst Seehofer (CSU), der 1992 Bundesgesundheitsminister wurde, begonnen und sei in 20 Jahren kontinuierlich gesteigert worden. Dabei habe es keine Rolle gespielt, welche Partei gerade regierte. Auch der amtierende Minister Hermann Gröhe (CDU) habe sich bei vielen Ärzten durch das Patientenrechtverstärkungsgesetz unbeliebt gemacht. „In meinen Augen ist das Gesetz eine Knalltüte“, empörte er sich. Durch immer mehr auszufüllende Formulare sowie der Archivierung der Unterlagen, werde den Ärzten immer mehr Zeit genommen, sich um die Kranken zu kümmern. Wichtig sei doch, was am Ende dabei für Patienten herauskomme – wie lange wartet der Patient auf einen Termin und wie lange hält er sich im Wartezimmer auf? Er forderte Entbürokratisierung. Dann würde auch das Interesse der Medizinstudenten, Arzt auf dem Land zu werden, steigen.

Raatz stellte das Modelprojekt „Landpartie Zeven“ vor. Angehenden Ärzten der Hochschule Hannover werden in einigen Kommunen des Landkreises kostenlose Praktika angeboten. Verpflegung und Unterkunft werden gestellt. Damit soll der Arztnachwuchs an die Region gebunden werden. Das Konzept habe sich bereits bewährt. Das sei ein Lösungsansatz für die Zukunft auch für Rotenburg, meinte Holsten.

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