Prüfung des Kasernennamens dauert an

Ministerin lässt die Debatte über Lent noch weiter köcheln

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Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber möchte den Namen der Kaserne zwar erhalten, den Namensstein aber um eine Informationstafel zum Leben Helmut Lents und die jahrelange Debatte ergänzen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Helmut Lent ist in Rotenburg eigentlich kein Thema mehr. Der Rotenburger Stadtrat hat sich bereits zwei Mal für den Erhalt des Kasernennamens ausgesprochen, der Kreistag, Landes- und Bundespolitiker auch schon, und die Soldaten selbst beschäftigen sich im Grunde gar nicht mehr mit der seit Ende 2013 schwelenden Debatte. Doch nach dem im März verabschiedeten neuen Traditionserlass der Bundeswehr prüft das Bundesverteidigungsministerin wieder. Möglicherweise soll vor Ort per Anweisung wieder diskutiert werden. Die Kritiker tun das eh.

Andreas Weber hat im Grunde genug. Rotenburgs Bürgermeister hat dem Kommandeur des in der Lent-Kaserne stationierten Jägerbataillons, York Buchholtz, Ende April einen Brief geschrieben. In diesem bittet der SPD-Politiker die Führung der Rotenburger Soldaten darum, „dass wir den über Jahrzehnte hinweg bekannten Namen unseres Bundeswehrstandortes beibehalten können“. Über Jahre sei das Thema jetzt „in der Rotenburger Bevölkerung intensiv diskutiert und in den lokalen politischen Gremien ausgiebig behandelt“ worden. 

54 Jahre nach der Benennung nach dem ehemaligen Wehrmachtspiloten würde auch der neue Traditionserlass nicht zu einer neuen Beurteilung führen, heißt es aus dem Rathaus. Denn: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es ein Mehr an Transparenz in diesem Entscheidungsprozess kaum geben kann“, so Weber. Die Entscheidung des Stadtrates vom September 2016 für den Namen Lent habe Bestand.

Schüler sollen eingebunden werden

Dem will sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) so nicht anschließen. Am Mittwoch hat der Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil (SPD) von ihr persönlich einen Brief erhalten, in dem sie schreibt: „Nach der Inkraftsetzung der neuen Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege ist nun auf dieser neuen Grundlage zu prüfen, ob an dem Kasernennamen in Rotenburg festgehalten werden kann oder mit Blick auf das Traditionsverständnis der Bundeswehr und nach Auswertung der neuen Richtlinien eine Umbenennung erforderlich ist.“ Der entscheidende Satz folgt: „Diese Prüfung dauert noch an.“ 

Sollte diese Prüfung eine Umbenennung notwendig machen, werde ein neuer offener Dialogprozess initiiert, der die am Standort stationierten Angehörigen der Bundeswehr und die Führung des Heeres ebenso einbezieht wie kommunale Vertreter und die Öffentlichkeit. Diese Haltung in Berlin hatte im April auch der Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann (CDU) aus Stade mitgeteilt – verbunden mit der Hoffnung auf „ein zeitnahes und eindeutiges Ergebnis“. Das gibt es jedoch noch nicht.

Schild als „Mahnung für junge Soldaten"

Marc Andreßen will darauf aber auch gar nicht warten. Der Sprecher der Rotenburger Grünen und der Bürgerinitiative zur Kasernenumbenennung hat am Mittwoch eine Petition an den Rat der Stadt Rotenburg gerichtet, sich erneut mit der Umbenennung zu beschäftigen. Andreßen darin: „Da sich die Rahmenbedingungen entscheidend geändert haben, ist der damalige Beschluss überholt und kann heute nicht mehr maßgebend als ,Position der Stadt Rotenburg’ für die aktuellen Revisionsprozesse am Standort und innerhalb der Bundeswehr sein.“ Ob Andreßen damit allerdings politisches Gehör findet, ist äußerst fraglich.

Bürgermeister Weber hat in seinem Schreiben an Kommandeur Buchholtz vielmehr eine andere Lösung für den kritischen Umgang mit dem Namen Lent ins Spiel gebracht: Der Namensstein der Kaserne könnte mit einem Schild versehen werden, das über dessen Wirken und die Diskussion um die Namensgebung informiert. Schüler des Geschichtskurses der Berufsbildenden Schulen erarbeiten dieses, so Weber. Für ihn dient das Schild als „wichtiger Teil kritischer Geschichtsaufarbeitung unserer Nachkommen“ und als „Mahnung für junge Soldaten.“

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