Umweltpolitiker spricht sich mit Bürgermeister Weber aus

Landschaftswart Radtke tritt vom Rücktritt zurück

Wieder gemeinsam für Rotenburg: Landschaftswart Manfred Ratke (l.) und Bürgermeister Andreas Weber. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Michael Krüger. Alles zurück auf Anfang: Manfred Radtke hat seinen Rücktritt vom Rücktritt als Landschaftswart der Stadt Rotenburg erklärt. Der Streit zwischen ihm und der Stadtverwaltung wurde in einem „Friedensgespräch“ am Donnerstag beigelegt. In einer gemeinsamen Pressemitteilung am Freitag hieß es dann: „Stadt Rotenburg und Landschaftswart arbeiten weiter eng zusammen“.

Es gab offensichtlich viel Redebedarf auf beiden Seiten. 90 Minuten dauerte das Gespräch im Büro des Bürgermeisters, bestätigte Radtke auf Nachfrage. „Der bisher nicht stattgefundene Meinungsaustausch war einer der wesentlichen Punkte für Radtkes Rücktritt“, heißt es in der Mitteilung. 

Nun sei wieder alles in Butter, man habe Lösungen gefunden, Radtke werde sein Rücktrittsgesuch, das er vor zwei Wochen der Kreisverwaltung zugestellt hatte, umgehend zurückziehen. Es bleibe damit nach dem einstimmigen Ratsbeschluss vom 2. März dabei, dass Radtke bis 20. Juni 2020 als Landschaftswart der Stadt tätig sein wird.

Vorangegangen war ein Streit zwischen dem BUND-Kreisvorsitzenden sowie ehemaligen Grünen-Ratsherr und Bürgermeister Andreas Weber (SPD), nachdem Radtke am 21. Februar während einer Sitzung des Umweltausschusses des Stadtrats kritisiert hatte, dass der städtische Bauhof falsche Baumschnittmaßnahmen und „rabiate“ Gewässerreinigungen vorgenommen habe.

Kritik an Bauhof sorgt für Streit 

Exemplarisch berichtete Radtke damals vom Reithenweg in Unterstedt, wo der Bauhof angewiesen worden war, nach zwölf Jahren den Graben am Weg wieder zu räumen. Das habe er getan – mit entsprechendem Kahlschlag und der Auskofferung des Gewässers. Ein weiteres Streitthema war der Obstbaumschnitt am Schwedenkamp, ebenfalls in Unterstedt. Der Schwedenkamp, so formulierte es Radtke, sei ein „Musterbeispiel dafür, wie man Bäume verhunzen kann“. 

Die Stadt wies daraufhin die Kritik des Landschaftswartes an ihrem Bauhof vehement zurück. Weber argumentierte, dass die Arbeiten am Reithenbach von einer Fremdfirma ausgeführt worden seien, das Vorgehen sei mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis abgestimmt gewesen. Auch verteidigte er die Maßnahmen als „erforderlich“.

Radtke kritisierte in den folgenden Wochen vor allem den Umgang der Stadt mit den Anmerkungen. Statt den Landschaftswart anzugreifen, wäre es die Pflicht Webers gewesen, Hinweise auf Fehlentwicklungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen und gegebenenfalls für Abhilfe zu sorgen. Tatsächlich ist das Thema Reitenbach für Radtke bis heute nicht erledigt. Allerdings bespricht er das nun mit dem Landkreis direkt, der für eine Genehmigung des Gewässerausbaus, den Radtke sieht, zuständig gewesen wäre. „Das Amt hat da eine andere Meinung als ich“, teilte Radtke am Freitag mit.

Dialog statt Differenzen 

Die Differenzen mit der Stadt seien aber beigelegt, heißt es in der Mitteilung. Künftig wolle man mehr auf Dialog setzen, um „Fehlentwicklungen im Bereich des Natur- und Umweltschutzes“ zu vermeiden. Dazu gehörten „anlassbezogenen Gesprächsrunden mit allen Beteiligten, auch mit den Fachämtern des Landkreises, eine stärkere Einbindung der Naturschutzfachfrauen innerhalb der Stadtverwaltung, ein Informationsaustausch mit anderen Landschaftswarten über deren Arbeitsfelder und der angefangene konstruktive Dialog mit den Vertrauensleuten der Landwirte bezüglich des Schutzes von Wegerandstreifen“. Landschaftswart Radtke will sich nun wie gewohnt weiter einsetzen. Das könne er auch mit seinem alten Wegbegleiter Weber. Das „super Verhältnis“ sei nicht getrübt, außerdem sei der Bürgermeister „in Sachen Naturschutz super engagiert“. Das Lob gibt der Rathauschef umgehend zurück: „Ich bin sehr erleichtert, dass es gelungen ist, mit Manfred Radtke einen der fachkenntnis- und erfahrungsreichsten Landschaftswarte für Rotenburg und den Landkreis behalten zu können.“

Ein Kommentar zu diesem Thema

Positiv kritisch von Michael Krüger 

Was ist eigentlich nochmal genau passiert? Ach ja: Der Rotenburger Landschaftswart, der laut Paragraf 35 des Niedersächsischen Ausführungsgesetzes zum Bundesnaturschutzgesetz die Aufgabe hat, „geschützte Teile von Natur und Landschaft und Naturparke“ zu überwachen und für den Artenschutz zu sorgen, hat einen Teil der Natur in seinem Zuständigkeitsbereich überwacht. Dann hat er seine Beobachtungen im Rahmen seines öffentlichen Jahresberichtes vorgetragen. 

Das hat zum Streit geführt. Und warum? Weil die Stadt Rotenburg mit den entsprechend verantwortlichen Personen in der Chefetage nach einigen unglücklichen öffentlichen Auftritten zuletzt es versäumt hat, die Beteiligten zusammen zu führen. Manfred Radtke mag, wenn es um sein Thema Umwelt geht, unbequem sein. Er wühlt, ist hartnäckig, deckt auf. Genau deswegen ist er auch gebeten worden, Landschaftswart zu werden. Dass sich der Streit um einen ökologisch wohl eher als weniger wertvoll anzusehenden Graben an einem Wirtschaftsweg derart hochschaukelt, dass er das Ehrenamt niederlegt, zeugt von wenig Feingefühl im (nicht vorhandenen) Dialog. 

Jetzt, nach dem klärenden Gespräch, werden allerseits lobende Worte verteilt. Doch der fade Beigeschmack bleibt – denn gerade mit kritischen Stimmen sollte geschickter umgegangen werden im Rathaus. Genau diese Kritik ist es nämlich, die eine Stadt in positiver Weise nach vorne bringen kann.

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