Verbale Rundumschläge

AfD lädt zum Infoabend ein - Rund 30 Zuhörer

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Jens Kestner (l.) und Armin-Paulus Hampel beantworten Fragen aus dem Publikum. 

Rotenburg – Freitagabend in der „Oase“ am Luhner Forst. Vor der Tür einige „Sicherheitskräfte“ sowie Polizei. Die AfD hat eingeladen. „Für Sie unterwegs“ sind die beiden süd-niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Jens Kestner (47), Generalsekretär der AfD Niedersachsen, sowie Armin-Paulus Hampel (61) ehemaliger Landesvorsitzender. Etwa 30 Personen haben sich eingefunden, als es mit leichter Verspätung und deftiger Rockmusik losgeht. Maik Schmitz, Büroleiter von Kestner, begrüßt die Anwesenden. Per Videoeinspielung werden die beiden Hauptredner, die noch gar nicht im Saal sind, vorgestellt: Hampel, außenpolitischer Sprecher der AfD, und Kestner als Mitglied des Verteidigungsausschusses zeigt man bei Auftritten im Bundestag. Dann – Marschmusik. Das Niedersachsenlied ertönt, Text wird eingeblendet und die Redner erscheinen singend im Saal: „Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen.“

Zunächst aber darf Matthias Kröger (28) ans Mikro, Vorsitzender des Rotenburger Kreisverbandes der AfD. Er nimmt erst einmal Stellung zum Bremer Parteikollegen Frank Magnitz: „Hinterrücks angegriffen und niedergeschlagen.“ Die Täter seien eindeutig „angestachelt durch Politiker wie Ralf Stegner“ (SPD). „Umso wichtiger ist es jetzt, sich nicht zu verstecken.“ Maik Schmitz nimmt den Gedanken direkt noch einmal auf und spricht unverhohlen von einem „versuchten Totschlag“, der inzwischen „von den Medien runtergespielt“ werde. Er weiß angeblich sogar noch mehr: „Man geht davon aus, dass bei dem Video, das den Überfall zeigt, etliche Sequenzen rausgeschnitten wurden.“ Selbst hat er es „noch nicht gesehen.“ Klar ist vor allen Untersuchungsergebnissen der Staatsanwaltschaft für ihn auch schon, dass es sich bei den Tätern um „staatlich subventionierte Schläger handelt.“

Dann hat Jens Kestner das Wort. Er zeigt das Original-Video eines Bundeswehreinsatzes aus dem Jahre 2010 in Afghanistan, dem etliche deutsche Soldaten zum Opfer fallen. Dort und auch im Kosovo, wo er selbst als Soldat gewesen sei oder in Mali sei die Bundeswehr jeweils gescheitert. Keiner dieser Einsätze habe deutschen Interessen gedient. Richtig bergab gegangen sei es vor allem mit Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin. Inzwischen herrsche bei der Truppe „keine Kameradschaft mehr“, das hieße jetzt allenfalls „Teamgeist“ und man sänge auch „abends keine schönen Lieder mehr, wie das ‚Panzerlied‘“, das noch zu seiner Soldatenzeit an der Tagesordnung war. Die Truppe „könne nicht mehr kämpfen“ und „vom Brigadegeneral aufwärts gehören Angst und Feigheit zum Morgenappell.“

Nach gut 45 Minuten ergreift Kollege Hampel das Wort. Er, der als ehemaliger Fernsehkorrespondent der ARD langjährige Auslandserfahrung hat, widmet sich der „Außenpolitik, einem der wichtigsten Themen“. So wie sein Vorredner sich auf Ursula von der Leyen eingeschossen hatte, trifft es nun erst einmal Angela Merkel, die es sich bis auf Frankreich mit allen europäischen Nachbarn verdorben habe.

Das Europäische Parlament sei „ein Gesangsverein, der sowieso nichts zu sagen hat“ und der „Karlspreis in Aachen“ (Preis für Menschen, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben) gehöre heute „Viktor Orbán, dem ungarischen Ministerpräsidenten.“ Lieblingsgegner von Armin-Paulus Hampel ist an diesem Abend aber eindeutig Außenminister Heiko Maas, der „schlechteste Außenminister nach Joschka Fischer“. Bei der derzeitigen Europapolitik sei es kein Wunder, dass der tschechische Ministerpräsident Milos Zeman Deutschland bezeichnet habe als „ein Land, das von Idioten regiert wird.“ Beifall. Ein Zitat, das inzwischen offensichtlich AfD-Allgemeingut geworden ist und erstmals im Mai von Fraktionschefin Alice Weidel im Bundestag benutzt wurde. Nach insgesamt gut zwei Stunden Vortrag über „Verteidigungs- und Realpolitik“ , verbalem Rundumschlag gegen die regierenden Parteien und „Deutschland-zuerst-Reden“, macht sich ein wenig Müdigkeit im Saal breit. Einige erholen sich auch bereits draußen. So riesig, wie erhofft, war das Interesse ohnehin nicht. Einer der Teilnehmer vermutete, dass die „Schwellenangst zu groß ist, sich zur AfD zu bekennen“. Vielleicht war es aber auch, dass jeder wusste, was ihn erwarten würde. Zum Schluss dann noch die üblichen Fragen, Antworten und Zuhörerstatements. Zwischenrufer, Kritiker und „Krawallmacher“, wie es Kreisvorsitzender Matthias Kröger ausdrückte, waren nicht da.

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