Künftiger Superintendent plant Neuanfang

Michael Blömer: Kirche muss „präsenter sein“

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Michael Blömer wechselt von Fredenbeck nach Rotenburg und wird neuer Superintendent im Kirchenkreis, der 16 Gemeinden mit rund 65.000 Mitgliedern umfasst. 

Rotenburg - Von Guido Menker. Der Zeitpunkt ist günstig. Michael Blömer ist in Rotenburg, um sich die Superintendentur an der Goethestraße anzusehen – das Haus, in dem er von Oktober an mit seiner Familie wohnen wird. Da bietet es sich an, den künftigen Superintendenten des Kirchenkreises Rotenburg für ein Gespräch in die Redaktion einzuladen. Die Sache mit den günstigen Zeitpunkten kommt darin auch bei ihm zur Sprache. Denn die Ausschreibung der Rotenburger Superintendentur sei in einer für ihn passenden Phase gekommen, sagt Blömer. Deshalb hat er sich Anfang des Jahres beworben. Ein halbes Jahr später hat er nun Gewissheit: Er wird im Herbst die Nachfolge von Susanne Briese antreten.

Vor vier Jahren stand die Frage schon einmal im Raum. Damals allerdings passte es noch nicht. Die drei Kinder gingen noch zur Schule – der Umbruch wäre zu groß gewesen. „Da war ein solcher Wechsel noch nicht denkbar“, erinnert sich der 52-Jährige. Inzwischen aber seien immerhin seine beiden Töchter mehr oder weniger aus dem Haus, nur der 15-jährige Sohn geht noch zur Schule. Blömer ist sich sicher, dass er den anstehenden Wechsel gut verkraften wird. „Dass es einen solchen Wechsel irgendwann geben wird, war mir und meiner Frau schon lange klar“, erklärt der evangelische Pastor. „Wir wussten beide, dass die Gemeinde in Fredenbeck nicht die letzte Station sein sollte.“ Im September will man ihn dort verabschieden – nach 17 Jahren.

Blömer freut sich auf Rotenburg. Die Gegend ist ländlich geprägt, und im Kirchenkreis verspürt er die Bereitschaft für Innovationen. „Es ist spannend, wenn sie sich auf neue Dinge einlassen wollen.“ Er kann nicht behaupten, Rotenburg bereits gut zu kennen, aber der Landkreis ist ihm nicht ganz fremd. Sein Großvater hatte einst in Bretel eine Jagdhütte. „Dort war ich als Kind mehrmals im Jahr. Da bin ich viel geritten“, erinnert er sich an das, was ihn mit dem Landkreis verbindet. Der Landkreis sei überschaubar, nicht so hektisch. Und: „Fredenbeck ist nicht all zu weit weg – da können wir unsere Freundschaften halten.“

Die Entscheidung für ihn fiel vor gut einer Woche im Kirchenkreistag. Es war das Ende eines langen Entscheidungsprozesses, in den neben dem Wahlausschuss auch die Landeskirche involviert war. Das Ergebnis indes war denkbar knapp. Mit einer Einstimmen-Mehrheit setzte sich Blömer gegen Torsten Nolting-Bösemann durch. „Das musste ich erst einmal verdauen“, gesteht der Pastor, der künftig als Superintendent grüßen wird. Es sei ihm allerdings zugetragen worden, dass mit diesem knappen Votum keine Spaltung innerhalb des Kirchenkreises verbunden sei. „Jetzt gilt es für mich, das Vertrauen möglichst vieler Menschen zu gewinnen.“ Für das Ankommen nehme er sich dabei ausreichend Zeit. Blömer selbst glaubt nicht, dass hinter dem Ergebnis die Frage steht, ob er nun als liberal oder eher als konservativer Vertreter seiner Zunft einzuordnen sei. Blömer nimmt beides für sich in Anspruch. „Theologisch bin ich eher liberal, aber die Spiritualität ist mir ebenfalls sehr wichtig.“ Das wäre dann der Teil, der allgemein eher als konservativ gewertet werde.

Geburt in Bremen, Jugendzeit in Uelzen

Michael Blömer ist gebürtiger Bremer und Sohn eines Beamten, der immer wieder mal seinen Arbeitsort wechselte. Den großen Teil seiner Jugend hat er in Uelzen verbracht. Dort hatte er auch die ersten Berührungspunkte mit der Kirche – und irgendwann sei für ihn klar gewesen, Theologie studieren zu wollen. „In Hermannsburg habe ich damit angefangen, dann wechselte ich nach Hamburg“, sagt er. Im Anschluss entschied er sich für den Zivildienst bei einem ambulanten Pflegedienst. Blömer heuerte auch mal als Taxifahrer an. „Ich fahre gerne Auto.“ Die Wartezeit wollte er nutzen, um zu promovieren – und die Wartezeit im Taxi bot eine gute Gelegenheit, viel zu lesen. Es war auch eine Möglichkeit, das Leben zu studieren. „Es gibt eben nicht nur Menschen, die Glück im Leben haben. Darunter war auch ein Obdachloser, der mir als Fahrgast am Ende dennoch eine Mark Trinkgeld zukommen ließ.“ Er habe Menschen getroffen, die er als Theologiestudent so erst einmal nicht treffen würde. Das prägt.

Das Vikariat machte Blömer in Harsefeld – es folgte eine weitere Pause. Es war die Zeit, in der die Zahl der Studenten die der freien Pfarrstellen deutlich überstieg. Drei Jahre Leerlauf – Michael Blömer arbeitete als Religionslehrer in Buxtehude und war am Institut für berufliche Bildung tätig. Dort unterrichtete er unter anderem Deutsch für Aussiedler. Nach drei Jahren hatte er seine erste Pfarrstelle in Zeven – danach zog es ihn nach Fredenbeck. Und jetzt geht es nach Rotenburg.

Wie können Pastoren entlastet werden?

Inzwischen hat sich in der Kirche viel geändert. Der Fachkräftemangel habe auch die Gemeinden erreicht. Und so sieht Blömer in seiner Funktion als Superintendent auch die Aufgabe, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie Pastoren vor allem von der Verwaltungsarbeit entlastet werden können. Mit Verwaltungsarbeit kennt er sich bereits aus, da er im Buxtehuder Kirchenkreisvorstand 2014 stellvertretend die Geschäfte für ein Jahr führte. „Das hat mir Spaß gemacht.“

Die Gestaltung einer zukunftsfähigen Kirche liegt dem Neuen am Herzen. „Das ist mein Thema“, sagt Blömer. In seiner Doktorarbeit hat er sich intensiv damit befasst. Wichtig sei für ihn, dass Kirche nah am Menschen ist. „Wir müssen mehr zielgruppenorientiert arbeiten und verschiedene Formate für unterschiedliche Bedürfnisse anbieten.“ Er habe sich mit den Aspekten des Gemeindemanagements intensiv befasst, dabei gehe es um Strukturfragen. Blömer: „Wie kann Kirche so gestaltet werden, dass sie den Menschen nah ist?“ Das Wissen darum, seine bisherigen Erfahrungen auch außerhalb der Kirche sowie auf Kirchenkreisebene habe er vor der Wahl im Kirchenkreistag besonders betont. Das hat die Mehrheit überzeugt.

Konzentration aufs Management

Als künftiger Superintendent wird er, anders als seine Vorgänger, keinen Pfarrstellenanteil haben, sich also im Wesentlichen auf das Management konzentrieren können. Er will Ansprechpartner für die Gemeinden und die Pastoren sein, ohne dabei allerdings seinen Predigtauftrag aus den Augen zu verlieren. Darüber hinaus erkennt er die Auswirkungen der gesellschaftlichen Umbrüche auf die Kirche. Die Distanz vieler Menschen zur Kirche wachse. Blömer: „Wir müssen präsenter sein.“ Soll heißen: Gemeindearbeit sei so zu gestalten, dass sie die Menschen erreicht. Dazu gehörten auch Gottesdienste in zeitgemäßer Form, an ungewöhnlichen Orten. Im Blick habe er dabei besonders auch die jungen Menschen.

Doch jetzt hat der künftige Superintendent erst einmal für sich persönlich viel zu organisieren – den Abschied in Fredenbeck, den Umzug, den Neuanfang. Und er versichert: „Ich freue mich auf die neue Aufgabe.“

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