Mit Rucksack und Wanderstock

Konstantin Glebow arbeitet als Sicherungsposten bei der Deutschen Bahn

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Konstantin Glebow ist mit seinem Wanderstock an den Bahnstrecken in Deutschland unterwegs. 

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Wir begegneten ihm auf dem Sandhasenweg zwischen Mittelstraße und Harburger Straße, dort, wo einst die inzwischen aufgehobene Bahnstrecke Bremervörde – Zeven – Rotenburg – Visselhövede verlief: Konstantin Glebow (34) war mit Rucksack und wuchtigem Wanderstock unterwegs. Ein Pilgerer zum Jakobsweg?

Nein, Glebow kam vom Dienst, war vom Bahnhof Rotenburg auf dem Nachhauseweg in der Wümmestadt. Und warum die Warnausrüstung, die Signalfahne und das Mehrklangsignalhorn? Konstantin Glebow arbeitet als Sicherungsposten bei der Deutschen Bahn, angestellt bei der ESD Bahnservice GmbH. Er ist einer jener Männer, die dafür sorgen, dass bei Gleisbauarbeiten niemand gefährdet wird.

Glebow stammt aus Rodnaja Dolina in der Nähe von Omsk. Als die Sowjetunion zerfiel, zogen seine Eltern nach Deutschland. Er wuchs in Rotenburg auf, ebenso sein Bruder Vadim, jetzt 24 Jahre alt und IT-Fachmann in Hannover. Als Bürokaufmann ausgebildet und bei Dodenhof in der Teppichabteilung tätig, hatte Konstantin Glebow ständig diesen Traum: einen Beruf in frischer Luft, in freier Landschaft! Er griff zu, als sich diese Chance bot: Sicherungsposten bei der DB, eine Tätigkeit, die es schon so lange gibt wie Züge rollen und sich Schranken öffnen und schließen.

Glebow: „Wenn Baumaßnahmen am Gleis stattfinden, dann besteht meine Aufgabe darin, das Baupersonal vor den Gefahren, die mit dem Bahnbetrieb verbunden sind, zu schützen.“ Dafür die Signalfahne und das Mehrklangsignalhorn, das aus mehreren kombinierten Hörnern mit unterschiedlichen Sequenzen besteht. Warnsignale, die von den Gleisbauarbeitern mit Hörschutz über eine Entfernung von 400 Metern vernommen werden und sie rechtzeitig reagieren lassen.

Der 34-Jährige war in vielen Teilen Deutschlands eingesetzt: zum Beispiel in Berlin, Kiel, Frankfurt/Main, Bremen, in Norddeutschland, in Bayern, in kleineren Dörfern, in einsamen Ecken, wie an einem Bahnübergang mitten im Wald in Norddeutschland, wo eine Schranke ausgefallen war. Konstantin Glebow hatte in der Nachtschicht im kühlen Herbst die Aufgabe, für die Sicherheit zu sorgen: „Ich machte mir ein kleines Lagerfeuer, um mir einen Tee zu kochen. Ein Lokführer, der vorbeifuhr, sah das Feuer und hat es gemeldet. Überrascht war ich, als plötzlich Fahrzeuge mit Rettungskräften eintrafen“, erinnert er sich.

Ein andere Geschichte aus dem Berufsleben Glebow: In einem Frühsommer sei er zwischen zwei Bahnhöfen an freier Strecke mit Kollegen und einem Bautrupp tätig gewesen. Plötzlich sei eine Wildschweinrotte mit einem riesigen Keiler aufgetaucht, habe das Werkzeug umringt und niemanden herangelassen. Erst als morgens weitere Mitarbeiter eingetroffen seien, hätten sie die Arbeit am Gleis aufnehmen können.

Konstantin Glebow, kam – als wir ihn trafen – von der Arbeit in Hamburg-Maschen, dem größten Rangierbahnhof Europas. Bei der Hitze war früher als sonst Feierabend. Zeit, um mit dem „Metronom“ nach Rotenburg zu fahren, langsam vom Bahnhof nach Hause zu gehen, und von der Freundin in Siegen zu träumen, zu der er in dieser Woche ziehen will. Wahrscheinlich werde er seinen Job wechseln und sich im Landschafts- und Forstbau ausbilden lassen. Und auf dem Jakobsweg wolle er irgendwann einmal pilgern. Dann aber bis Santiago de Compostela an der spanischen Atlantikküste. Und wenn er ihn zwischendurch nicht irgendwo vergessen habe, dann auch mit diesem Wanderstock aus Birkenholz.

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