Rotenburg kämpft gegen nicht-heimische Pflanzenarten an

Problemfall Neophyten

Japanischer Staudenknöterich hinter dem Ratsgymnasium.
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Gnadenlos überwuchert der Japanische Staudenknöterich jegliche andere Art von Pflanze. Wer vom Rotenburger Ratsgymnasium kommend Richtung Heimathaus über die Brücke spazieren will, kommt daran vorbei.

Pflanzenarten, die durch den Menschen eingeschleppt wurden, aber in Rotenburg ursprünglich nicht heimisch sind, können sich zu einem großen Problem entwickeln. Deswegen möchte die Stadt Rotenburg nun aufstocken, um sie nachhaltig einzudämmen.

Rotenburg – Es braucht ein Neophyten-Management sowie mehr finanzielle Mittel für die Bekämpfung unliebsamer Pflanzen. Darin ist sich die Rotenburger Verwaltung einig und teilt in der jüngsten Umweltschutzausschusssitzung mit, dass diese im Zuge der Haushaltsberatungen am Ende des Jahres aufgestockt werden sollten, um vernünftig dagegen angehen zu können, so Bauamtsleiter Clemens Bumann. „Bislang sind die finanziellen Ansätze überschaubar. Wir sollten einmal den Topf aufmachen, denn bisher zeigen alle Maßnahmen keinen dauerhaften Erfolg.“

Neophyten sind Pflanzenarten, die seit 1492 durch den Menschen, bewusst oder unbewusst, in Gebiete eingeschleppt worden sind, in die sie natürlicherweise nicht gehören. Also die „Neubürger“ unter den Pflanzen. Einige von ihnen haben unerwünschte Auswirkungen auf die heimischen Arten, verdrängen diese mitunter geradezu, während sie sich hier ausbreiten. Nicht alle Neophyten sind prinzipiell problematisch, einige aber sehr. Kritisch wird es vor allem bei Nutzungskonflikten, wenn beispielsweise Schulen und Kindergärten in der Nähe dieser Pflanzen sind. Denn ein paar von ihnen sind giftig für den Menschen. Manche können auch viele Jahre im Boden bleiben, ohne direkt zu keimen.

Der Riesenbärenklau hatte sich auch hinter dem Heimathaus Richtung Ratsgymnasium ausgebreitet, wurde dort aber bereits entfernt.

Die Verwaltung stellt sich Mittel in Höhe von etwa 20 000 Euro vor. Seit gut 20 Jahren gibt es immer wieder dieselben Probleme mit den Pflanzen. Manche befinden sich in Schutzgebieten, teils an schwer erreichbaren Stellen. Es sind Arten wie das Jakobskreuzkraut, das sich zum Beispiel schon mal großflächig in ihrem Flächenpool im Großen und Weißen Moor ausgebreitet hatte und bekämpft worden war. „Das hat Schockwellen bei der Unteren Naturschutzbehörde ausgelöst und man ist dagegen vorgegangen“, so Bumann. Die Sorge war zu groß, dass sich die Pflanze irgendwann im gesamten Schutzbereich ausbreitet – dadurch wären auf lange Sicht Ökopunkte vom Konto verloren gegangen. Das hätte hohen finanziellen Schaden verursacht.

Auch den Riesenbärenklau, der ursprünglich aus dem Kaukasus stammt, beobachtet die Stadt mit Argusaugen. Obwohl er, vermutlich wegen seiner dekorativen Blüten, als Zierpflanze angepflanzt worden ist, kann sie gefährlich werden: Sie kann bis zu 1,80 Meter groß werden und Hautreizungen verursachen. Ihr Samen kann bis zu zehn Jahre im Boden bleiben und trotzdem noch keimen.

Der Riesenbärenklau breitet sich vor allem an Gewässern aus – weswegen er sich auch besonders leicht weiterverbreiten kann. „Daher sollte man sehr aktiv gegen sie vorgehen“, so Bumann. In der Wümmestadt und den Ortschaften sind bislang sechs Vorkommen bekannt, drei davon in Stadteigentum, zwei erst seit dem vergangenen Jahr. Etwa 400 bis 600 Pflanzen dürften es sein, so Bumann, die jährlich beobachtet würden und gegen die man versuche vorgehe. „Wir intensivieren die Kontrollintervalle.“

Seit dem vergangenen Jahr kartiert die Stadt die betreffenden Bereiche. Der Bauhof hat kleinere Bestände ausgestochen und auch in diesem Jahr sollen sie direkt bekämpft werden. Ab 2022 wolle die Stadt ihren Bestand mit Drohnen kontrollieren, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, kündigt Bumann an. Dazu gibt es Austausch mit Unterhaltungsverbänden sowie Zusammenarbeit mit dem Landkreis und Bürgern, die in die Bekämpfung eingebunden werden können.

Die Möglichkeiten seien aber begrenzt, so Bumann. Eine Lösung sei eine Bekämpfung mit Strom – eine umweltverträgliche Maßnahme. Der entsprechende Apparat tötet die Pflanze ab. Dieser könnte mit dem Landkreis zusammen angeschafft werden. Das stieß auf Zustimmung. „Man muss mit allen legalen Mitteln dagegen vorgehen, sonst hat man den Kampf verloren“, erklärte Landschaftswart Manfred Radtke. Denn Neophyten wie auch den Japanischen Staudenknöterich „wird man sonst nie wieder los“. In dem Zuge warf Marc Andreßen (Grüne) die Idee auf, den Mängelmelder zu reaktivieren und den Bürgern die Möglichkeit zu geben, Problemfälle nebst Standort direkt per Foto hochzuladen.

Wichtig sei es, nicht nur diese Pflanzen im Blick zu haben, merkte Franziska Kettenburg (CDU) bei einer kurzen Diskussion über mögliche Lösungen an: Es gebe auch andere Arten, die schnell zum Problem werden können. Als Beispiel nannte sie in Unterstedt die Traubenkirsche.

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