Hilfe für kleine Säuger

Insektensterben und Sanierungen gefährden Fledermausarten

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Michael Himmel präsentiert verschiedene Fledermausarten.

Rotenburg - Fledermäuse gehören zu den ältesten Lebewesen der Erde. Doch sie sind bedroht, unter anderem durch Insektensterben. Sie haben Probleme, genügend Nahrung zu finden. 2000 bis 4000 Insekten frisst ein Tier – je nach Art – pro Nacht. Doch mittlerweile stehen fast alle der in Deutschland 25 ansässigen Arten auf der Roten Liste. Anlässlich der Internationalen Fledermausnacht Ende August haben wir uns mit Fledermausbotschafter Michael Himmel, Leiter der Nabu Jugendgruppe, unterhalten.

Er kümmert sich um kranke und verletzte Tiere und macht zum Beispiel an Schulen auf ihre Situation aufmerksam. „Eine Fledermaus am Boden ist ein akuter Notfall“, erklärt er. In einem solchen Fall zähle jede Minute, besonders, weil sie meist völlig dehydriert ist. Deswegen hat Himmel ein Erste-Hilfe-Set im Auto. Darin hat er eine Transportbox mit einem Tuch, in dem sie sich verstecken kann, sowie eine Spritze und Wasser, sodass er den Fliegern tröpfchenweise zu trinken geben kann. Wer eine Fledermaus am Boden findet, kann auch selbst Erste Hilfe leisten und sich dann bei Himmel über den Nabu Rotenburg melden. Er empfiehlt, das Tier mit einem Handschuh oder Tuch hochzuheben, es niemals direkt anzufassen. Anschließend könne man versuchen, ihm ein paar Tropfen Wasser zu geben.

Die Tiere bringt Himmel oft persönlich nach Hannover zur Tierärztin Renate Keil. „Wir haben bundesweit nur diese eine Tierärztin, die sich richtig damit auskennt“, merkt der Ehrenamtliche an. Im Landkreis Rotenburg kommen vor allem Zwerg- und Wasserfledermäuse vor. „Eine Zwergfledermaus passt in eine Streichholzschachtel“, erläutert der Fachmann. Wasserfledermäuse sind unter anderem rund um den Bullensee unterwegs. Die Tiere können zwischen sieben und 40 Jahren alt werden.

In den 80er-Jahren war ihr Bestand dramatisch gesunken, heute ist er um 40 Prozent angewachsen. Ihre Population wächst nur langsam: Eine Fledermaus kann einmal im Jahr ein Junges bekommen. „Noch finden sie Futter, aber wenn es mehr Tiere werden, wer weiß“, mutmaßt Himmel. Denn Nahrung finden die seit 1936 geschützten Flieger immer weniger. 75 Prozent weniger Insekten bedeutet weniger Beute. „Man kann nicht wie bei Vögeln einfach zufüttern.“ So gebe die Tierärztin ihren Schützlingen zwar Mehlwürmer, aber: „Das ist nicht ihre natürliche Nahrung, auch wenn es funktioniert“, weiß Himmel. Zur natürlichen Beute gehören Mücken, Nachtfalter und Maikäfer. Hinzu kommt: Wenn eine Fledermaus Mücken frisst, die mit Insektiziden behaftet sind, vergiften sie sich.

Eine Zwergfledermaus, wie sie in Rotenburg zu finden ist, wird bis zu fünf Zentimeter groß.

Viele gleichmäßige Felder in der Landwirtschaft sind ebenfalls problematisch: „Sie brauchen zum Fliegen Orientierungspunkte.“ Ein Ultraschallruf habe eine Reichweite von etwa 180 Metern. „Da brauchen sie dann einen Baum oder ähnliches.“ Seit Jahrhunderten gibt es feste Fledermausrouten, auf denen sich die Tiere größtenteils bewegen. „Heute wissen wir, dass man in diese Straßen nichts bauen sollte.“ Das bedeute, dass Windräder auf einer solchen Route zeitweise abgeschaltet werden. „Die Tiere können implodieren, wenn sie in den Unterdruck geraten – ihre Organe zerplatzen“, so Himmel.

Auch ihre Rückzugsorte werden weniger. Fledermäuse fühlen sich im Sommer an warmen Orten wohl. Im Winter brauchen sie Keller, alte Bunker und ähnliches, in denen es kühl und vor allem feucht ist, denn dann können sie ihre Flügel nicht pflegen. „Durch die Sanierung von Häusern fallen viele Quartiere weg“, weiß Himmel. Dabei könne den Säugern geholfen werden, indem Bauherren spezielle Dachpfannen verwenden. „Fledermäuse verursachen keine Schäden am Haus, sie hängen dort einfach ab“, schiebt Himmel schmunzelnd hinterher. Ab und zu könne man sie sogar hören, denn eine Gruppe produziere Soziallaute, die für den Menschen hörbar sind. „Die können auch fauchen und piepen, wenn man sie hochhebt“, so Himmel. Nur Jagdlaute sind für den Menschen unhörbar, „die liegen im Ultraschallbereich“. Eine weitere Möglichkeit sind Fledermauskästen. Positiver Nebeneffekt: „Der Kot, der darunter auf dem Boden landet, ist ein prima Blumendünger“, ergänzt Himmel.

Wichtig sei es aber auch, anzumerken, dass einige Bedingungen für die Säuger besser geworden seien: „Das Bewusstsein nimmt zu, daran arbeiten wir.“ So melden sich unter anderem auch Schornsteinfeger. „Die Tiere sind oft so verrußt, dass sie geduscht werden“, so Himmel. Wenn möglich, werden aufgepäppelte Tiere später ausgewildert, und zwar genau dort, wo sie gefunden worden sind. „Wenn sie fit sind, starten sie aus der Hand“, erklärt Himmel. „Jede Fledermaus, die wir retten, ist eine Chance, die Art zu erhalten.“

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