Fahrtzeiten im Schnitt knapp zu lang

Kreis hofft auf mehr Geld für Rettungswachen

Die Rettungswache in Sottrum ist wie die in Gnarrenburg und Lauenbrück eine, die sich der Landkreis zusätzlich leistet. - Foto: mro

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der Landkreis kann auf eine deutliche finanzielle Entlastung bei seinen Rettungswachen hoffen. Ein Gutachten der Bonner Planungsgesellschaft Forplan hat den Bedarf im Landkreis auf sieben Standorte neu festgeschrieben. Der Zuschuss des Landkreises für die insgesamt neun Wachen im Kreisgebiet, die mit dem Bürgerentscheid im Jahr 2009 festgelegt wurden, könnte dadurch deutlich sinken.

Im Ausschuss für Feuerschutz und Rettungsdienst des Kreistags am Donnerstag hat Gutachter Alexander Knie die Berechnungen der Politik vorgestellt. Diese waren schon im Januar Thema in einem Workshop gemeinsam mit den Rettungsdienstanbietern und Krankenkassen als Kostenträger. Dass diese nun womöglich tiefer in die Tasche greifen müssen, um das gesetzlich vorgegebene Ziel der Rettungsdienstversorgung zu erreichen, sei schon damals weitgehend akzeptiert worden. Das betonte Dezernentin Heike von Ostrowski: „Das haben wir besprochen, darauf nagel ich sie fest. Ich gehe davon aus, dass die Verständigung halten wird.“

Bislang galten sechs Standorte für Rettungswachen im Landkreis als ausreichend. Der Landkreis erlaubt sich seit dem Bürgerentscheid den „Luxus“, der immer wieder Thema in Haushaltsberatungen ist, weitere drei aus eigener Tasche zu finanzieren. Dafür mussten seit dem Jahr 2010 inklusive der Planung für 2018 rund 13,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Stimmen die Kassen der neuen Bedarfsplanung zu, könnte sich laut der Forplan-Berechnung eine jährliche Entlastung von rund 36 Prozent ergeben.

Dass  die privaten und gesetzlichen Krankenkassen überhaupt die Möglichkeit haben, selbst nach den gutachterlichen Beurteilungen in den Verhandlungen über die Budgets Einspruch zu erheben, stieß der Kreispolitik am Donnerstag im Ausschuss bitter auf. Ulrich Thiart von den Grünen sprach von einem „oberfaulen System“, weil sich der Landkreis trotz der Millionenüberschüsse der Kassen „bettelnd“ an sie wenden müsse. Und auch der Ausschussvorsitzende Klaus Mangels (CDU) hielt sich nicht mit grundsätzlicher Kritik zurück: „Wir haben kein Gesundheitssystem, sondern ein Krankensystem.“

Neu in die diesjährige Bedarfsplanung für die Rettungsmittelvorhaltung des Landkreises wird die Situation der Ostemed-Klinik in Zeven fließen. Mit der Schließung war auch der politische Beschluss verbunden, einen zweiten Krankenwagen rund um die Uhr an diesem Standort zu stationieren. Das wird komplett aus kreiseigenen Mitteln zu finanzieren sein, laut Dezernentin von Ostrowski ist der Wagen ab Juli einsatzbereit. Dadurch werde die Ersparnis natürlich etwas geringer ausfallen als im Gutachten bisher veranschlagt. Dass die Fahrtzeiten aus Zeven zu den Kliniken länger werden, wurde jedoch schon berücksichtigt.

Ausschlaggebend für die nunmehr sieben und nicht mehr sechs als ausreichend bezeichneten Rettungswachen im Gutachten war, dass bei den knapp 33 000 Einsätzen jährlich das gesetzliche Ziel, binnen 15 Minuten in 95 Prozent der Fälle am Einsatzort zu sein, um zwei Prozentpunkte knapp verfehlt wurde. Insbesondere die Region rund um Visselhövede und der Nordwesten des Landkreises waren betroffen. Das soll nun besser werden.

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