Weg mit dem Grün

Rotenburg: Grünsammelstelle wiedereröffnet

Ein Haufen Grünschnitt. Im Hintergrund laden Passanten einen Anhänger aus.
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Schon in der ersten Stunde nach Eröffnung kommen erstaunliche Mengen Grünschnitt zusammen.

Mehrere Monate musste der Rotenburger Osten auf seinen Grünsammelplatz verzichten. Nun ist er wieder offen - und das meiste ist neu. Wir haben uns umgesehen.

Rotenburg – Ein reges Stelldichein von Autos mit und ohne Anhängern, Fahrrädern und sogar Fußgängern, herzliche Begrüßungen des Platzwartes und allerlei flotte Sprüche: Auf der Grünschnittsammelstelle an der Harburger Straße in Rotenburg herrscht am Eröffnungstag fast so etwas wie Volksfeststimmung. Seit Juli war der Platz wegen Umbauarbeiten geschlossen; nun sind viele Stammkunden froh, mit ihrem Grünschnitt nicht mehr ans andere Ende der Stadt zur Zevener Straße pendeln zu müssen.

„Gut, dass Ihr wieder auf habt“, meint Christel Körber. Für die Anwohnerin des Berliner Rings bedeutet die Wiedereröffnung des Platzes nach dem Umbau Zeit- und Benzinersparnis: „Bis zur Zevener Straße brauche ich je nach Verkehr 20 Minute pro Weg, hierher nur fünf“, meint die Rotenburgerin, bevor sie sich mit einem „Bis morgen“ und Verweis auf die Eiche im Garten verabschiedet.

Bereits in den ersten Stunden nach Öffnung herrscht reger Andrang beim Strauchschnitt.

Platzwart Hans-Werner Christiansen, der sich hier seit acht Jahren etwas zur Erwerbsunfähigkeitsrente hinzuverdient und viele der Besucher persönlich kennt, bekommt am ersten Tag allerlei gut gemeinte Frotzeleien zu hören: „Soll hier der HSV spielen?“ oder „Schön haben sie dir dein Wohnzimmer gemacht“ sind nur einige der Kommentare zu der frisch asphaltierten Fläche. Früher hatte er im Bauwagen, an dessen Stelle jetzt ein grünes Containerhäuschen steht, immer ein paar Gummistiefel, nach starkem Regen sei der Platz kaum noch befahrbar gewesen. Das gehört nun der Vergangenheit an.

Die wohl am meisten gestellte Frage am Eröffnungstag: „Wo sind denn die Container?“ Ein Novum: Der Grünabfall wird, nach Laub und Strauchschnitt getrennt, auf den mit Betonwänden begrenzten Flächen abgeladen; auf Abruf kommt der Bauhof, um die Abfälle zusammenzuschieben. Und auch die Abfuhr durch den Landkreis erfolgt nach Bedarf.

Rund 1,9 Millionen Euro lässt sich der Landkreis jährlich die Verwertung des Grünschnitts im gesamten Landkreis kosten. Je nach Vegetation fallen laut Auskunft des Landkreises jährlich zirka 30 000 Tonnen an. Der gesamte Grünschnitt aus dem Landkreis wird er in zwei externe Anlagen in Ganderkesee und Strudthafe und seit April auch in einer Anlage in Helvesiek kompostiert. Nach rund acht Wochen wird er direkt an die Kunden des Abfallwirtschaftsbetriebes oder, was den Löwenanteil ausmacht, der Großteil an die Landwirtschaft oder Erdenwerke verkauft. Ebenfalls nach Bedarf hält an der Harburger Straße der Häcksler Einzug; „bei seiner Größe schafft der den Strauchschnitt hier in ein bis zwei Tagen“, weiß Christiansen.

Während der 65-Jährige alte Bekannte begrüßt oder älteren Kunden hilft, die schweren grünen Säcke aus dem Kofferraum zu hieven, herrscht beim Rangieren geordnetes Chaos. Wer schlau ist, lässt sich beim rückwärts Einparken mit Anhänger vom Beifahrer dirigieren. Sieben bis acht Autos haben nebeneinander Platz, wer nicht warten will, parkt in zweiter Reihe. Gepöbel gibt es deshalb nur selten; einige äußern aber ihren Unmut über Wartezeiten. Heute allerdings wird der gebürtige Nordfriese des Öfteren angesprochen: „In der Zevener Straße stehen 50 Autos und warten vor dem Tor!“, berichten Leute, die gerade von dort kommen.

Grünschnitt: Bis zu vier Kubikmeter aus privaten Haushalten kostenlos

19 Sammelstellen für Grünabfall betreibt der Landkreis Rotenburg – 17 gemeindliche und die beiden Entsorgungsanlagen in Seedorf und Helvesiek-Rehr. In jeder Kommune gibt es mindestens einen Abgabeplatz. Die Öffnungszeiten sind in der App des Abfallwirtschaftsbetriebs „AWR+“ oder der Internetseite www.lk-awr.de einsehbar. Mit den Kommunen hat der Landkreis die Übereinkunft getroffen, dass diese die Sammelplätze selbst betreiben. Sie stellen deswegen zum Beispiel das Personal und kümmern sich um den geregelten Betrieb. Dafür dürfen auch die örtlichen Bauhöfe auf den Sammelplätzen ihren Grünschnitt entsorgen und brauchen keine eigenen. Die Abfuhr zur Kompostierung übernimmt wiederum der Landkreis als zuständige Behörde. Aus privaten Haushalten dürfen pro Anlieferung und pro Öffnungstag vier Kubikmeter Grünabfall abgeladen werden. Grünabfälle von gewerblichen Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus, gärtnerisch tätigen Dienstleistungsunternehmen, Grünabfälle aus der Landwirtschaft und aus öffentlichen Einrichtungen – ausgenommen den gemeindlichen – sind von der Anlieferung auf den Sammelplätzen ausgeschlossen. Diese können kostenpflichtig die Entsorgungsanlagen nutzen.

Die Rücknahme der erweiterten Öffnungszeiten am zweiten Sammelplatz und damit Wegfall des Freitags als Entsorgungstag hat sich wohl nicht überall herumgesprochen, die Schilder dort seien noch nicht geändert worden, merken einige vorwurfsvoll an. Der ehemalige Schiffsmaschinenschlosser bleibt gelassen. Einmal ruft er laut, als ein Rückwärtsrangierer seinen Anhänger fast in den hohen Laubhaufen setzt; zwei jungen Männern ruft er „Schnur abmachen“, zu, die gebündeltes Schilf entsorgen. Christiansen hat alles im Blick, er kennt seine Pappenheimer und deren Tricks. Die meisten hier benähmen sich allerdings vorbildlich. Wie zum Beweis fragt gerade ein Neuankömmling: „Strauchschnitt und Laub gemischt – wohin damit?“

Nach der braunen Biotonne für Küchenabfälle fragt hier keiner. Sie werden laut Auskunft des Landkreises auf jedem Grünsammelplatz bereitgestellt, anstelle der in anderen Landkreisen vorgehaltenen braunen Biotonnen. „Eine Biotonne im Holsystem wird im Landkreis nicht angeboten, denn in unserem sehr ländlich geprägten Landkreis kompostieren viele Kunden noch selbst. So entsteht der Kompost gleich dort, wo er verwendet werden kann“, erklärt Landkreis-Pressesprecherin Christine Huchzermeier auf Nachfrage.

Christiansen ist jedenfalls froh, nach einigen Monaten in der Zevener Straße wieder hier zu sein: „Hier kennt man die Leute, hält auch mal ein Pläuschchen“. Demnächst wird hier auch ein Papiercontainer stehen, über einen Container für Elektroschrott wird noch entschieden. Das einzige was ihm jetzt noch fehlt, die ist Katze, die sonst regelmäßig zu Besuch kam – „die hat wohl noch nicht mitbekommen, dass hier wieder auf ist“.

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