Der Parforcehorn-Bläserkreis Nordheide pflegt eine alte Tradition

Gejagt wird nur nach satten Tönen

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Der Parforcehorn-Bläserkreis Nordheide mit Friedrich Lukas Wegener (Dritter von rechts) bei einem Auftritt in Bremerhaven.

Rotenburg - Von Friedrich Lukas Wegener. Jeden Freitagabend erwacht eine kleine Hütte an einem Wäldchen nahe Dibbersen im Kreis Harburg zum Leben. Episch anmutende Hornklänge und satte Akkorde durchbrechen die Stille der hügeligen Landschaft. Ein offenes Kaminfeuer und einige Kerzen tauchen den gemütlich eingerichteten Innenraum der Hütte in ein warmes Licht. Vor dem Kamin dominiert ein schwerer Eichentisch, auf dem kleine Snacks und einigen Weinschoppen stehen.

Dieser Eindruck der Ruhe und Beschaulichkeit stellt sich jedoch als Trugschluss heraus – es wird hart geprobt. Die zwölf Amateur-Musiker des Parforcehorn Bläserkreis Nordheide treffen sich hier zu einer ihrer beiden wöchentlichen Proben. Unter der Leitung von Ute Marx verzeichnet das Ensemble deutschlandweite Anfragen und Erfolge. „Als Tochter eines hessischen Försters aus Butzbach in der Wetterau habe ich schon als Kleinkind ersten Kontakt mit dem Instrument gehabt“, erzählt die 47-jährige biologisch technische Assistentin. Zunächst erlernte sie im Alter von drei Jahren den Umgang mit dem Fürst-Pless-Horn, mit dem sie ab dem siebten Lebensjahr eine Jagdhorngruppe begleitete.

Im Alter von zehn Jahren wurde sie dann auf dem weitaus größeren und schwieriger zu spielenden Parforcehorn ausgebildet. Aufgrund ihrer Fähigkeiten konnte sie schon mit 18 Jahren die Leitung der hessischen Jagdhorngruppe übernehmen. Umzugsbedingt musste sie später jedoch ihre alte Gruppe verlassen und gründete in Bremerhaven eine neue Jagdhorngruppe. Bei einer Hubertusmesse traf sie dann auf den Parforcehorn-Bläserkreis Nordheide. In einer solchen Hubertusmesse gedenken die Christen, und vor allem die Jäger unter ihnen, dem heiligen Hubertus von Lüttich, der im achten Jahrhundert im Süden Frankreichs gelebt haben soll und heute als Schutzpatron der Jäger, wie auch als Sinnbild der Waidgerechtigkeit gilt. Die Gruppe konnte sie dann bei einem Vorspielen in der Hütte von sich überzeugen. Nach einigen Jahren in der ersten Stimme wurde sie dann zur Leiterin des Ensembles gewählt und hat dieses Amt bis heute inne.

Das Einzugsgebiet des Ensembles reicht heute von Bremerhaven über Hamburg bis nach Rotenburg. Inzwischen hat die Gruppe sogar Auftritte in Schweden, Österreich oder in Portugal. Bei der Teilnahme an einer Prozession im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima sei sogar eine päpstliche Erlaubnis für die musikalische Begleitung erforderlich gewesen, erzählt Marx. Das Repertoire der Gruppe reicht von kunstmusikalischen Konzertstücken des 20. Jahrhunderts aus Ober-Österreich, die ausschließlich bei Konzerten gespielt werden, bis hin zu einigen Stücken aus dem Frankreich des späten 17. Jahrhunderts. Letztere werden vorrangig bei Hubertusmessen gespielt. Zwar haben die Hörner verschiedene Einsätzbögen, mit denen die Stimmungen zwischen „d“, „Es“ und „F“ gewechselt werden können. Doch besitzen die Naturhörner keine Ventile zur Tonbildung; so müssen die Bläser alle Töne gänzlich über ihre Lippenspannung erzeugen. Das erfordert einen guten Ansatz und regelmäßiges Proben.

Trotz der nicht vorhandenen Ventile ist ein guter Bläser in der Lage, 16 Naturtöne und mindestens sechs zusätzliche Stopftöne zu erzeugen, indem er die Hand in die Stürze des Hornes hält. Die Tradition des Parforcehornblasens stammt ursprünglich aus Frankreich; genau genommen dienten die ersten Parforcehörner zur Verständigung der Jagdgesellschaft zwischen den vorderen Pikören und der Hundemeute mit der jagenden Korona, die bei der Parforcejagd zu Pferde auftritt. So ist auch zu erklären, warum die Stürze der Hörner nach hinten gerichtet sind. Über die jagdliche Komponente verbreitete sich das Musizieren auf dem Parforcehorn in ganz Europa, und fand vor allem in Deutschland unter dem böhmischen Grafen Anton Spock (1662–1738) großen Zuspruch. Hier wurden auch die konzertanten Einsatzmöglichkeiten des Parforcehornes entdeckt und weiter ausgebildet.

Dass die Uniformen des Parforcehorn-Bläserkreises Nordheide auf den ersten Blick wie aus einer anderen Zeit wirken, ist den Umständen ihrer Entstehung geschuldet: Von den hohen Reitstiefeln über den grünen Mantel bis hin zum Plastron (einer bestimmten Krawattenform) und grünem Hut ist das Outfit der Bläser ganz dem jagdlichen Ursprung der Musik nachempfunden. So fühlt man sich bei einem Auftritt der Gruppe in einem Schlosshof, einem Dom oder einem alten Konzertsaal sofort in eine frühere Zeit versetzt. Diesen nostalgischen Eindruck nutzend, durchlaufen die Zuhörer bei einem Konzert eine Zeitreise von den Anfängen der Hornmusik bis ins 20. Jahrhundert. Für die Aufrechterhaltung einer historisch wertvollen Tradition wurde der Parforcehorn-Bläserkreis Nordheide 1981 mit dem Kulturpreis des Landkreises Harburg ausgezeichnet. Alle Mitglieder leisten ihren Beitrag völlig unentgeltlich.

Dies und der große Anfahrtsweg zu den Proben von teilweise eineinhalb Stunden zeugt davon, dass alle zwölf Bläser mit viel Spaß bei der Sache sind. Die konzertante Moderation der Gruppe und das Anmoderieren der Stücke mit musikalischem und historischem Hintergrundwissen übernimmt der ehemalige Musiklehrer Bertram Kloss. „Gerade die Vielfalt und die Kompatibilität der Hornmusik mit fast jedem Musikstück finde ich wahnsinnig“, sagt Kloss. Die Gruppe hat bereits drei Langspielplatten, Kassetten und drei CDs herausgebracht.

www.parforcehorn-blaeserkreis -nordheide.de

Viel Zeit auf langen Fahrten

Im vergangenen Jahr hat der Unterstedter Friedrich Lukas Wegener erfolgreich am Projekt „Jugend schreibt“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung teilgenommen. Hierbei haben die Teilnehmer die Möglichkeit, einen Bericht mit einem Thema ihrer Wahl einzureichen. Von allen Texten wurden die Besten ausgewählt. Friedrich hatte seinen Text erst im Nachhinein eingereicht, doch dieser wurde trotzdem angenommen. Wegeners Artikel handelt von dem Parforcehorn-Bläserkreis Nordheide, in dem er seit zweieinhalb Jahren mitspielt. Wegener ist Schüler der zwölften Klasse des Ratsgymnasiums in Rotenburg. So war es auch die Idee seines Lehrers Friedhelm Horn, Friedrichs Klasse an dem Projekt teilnehmen zu lassen. Jedoch ist er der einzige, dessen Text angenommen wurde.

In seiner Freizeit arbeitet er mit Holz und geht jagen. Durch seinen Jagdschein kam er in den Parforcehorn-Bläserkreis, da sein Prüfer schon länger in dem Orchester mitspielt und ihn dafür angeworben hatte. Bevor Friedrich in das Orchester eintrat, hatte er bereits Erfahrungen an der Trompete, dem Pless-Horn und dem Klavier gesammelt. „Mit dem Artikel wollte ich vor allem meinen Verein vorstellen“, erzählt Wegener. Den Bericht konnte er aus eigenen Erfahrungen oder mit Absprache der Mitglieder seiner Gruppe verfassen. „Die Fahrten zu unseren Vorspielen sind immer lang. Auf diesen Autofahrten haben wir Fahrgemeinschaften, da habe ich meinen Laptop mitgenommen und die Leute ein bisschen ausgefragt“, berichtet er. Auch seine Lehrer standen ihm hilfreich zur Seite.

Schreiben gehörte bislang nicht zu seinen größten Hobbys – und doch habe der Artikel viel Freizeit in Anspruch genommen. Friedrich Lukas Wegener möchte für das Projekt in der Schülerschaft werben, erhalte man doch ein Jahr lang die Frankfurter Allgemeine Zeitung kostenlos. Dies sei sehr hilfreich für ihn gewesen, da er das Prüfungsfach Politik-Wirtschaft belegt. Dann fügt er noch lachend hinzu: „Außerdem ist so etwas ja auch nicht ganz so schlecht für eine Bewerbung.“

Von unseren Praktikantinnen Fenna Marie Stöckmann und Angelika Littich

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