„Dafür gibt es keine Worte“

Familie Elsbroek ist dankbar für die Hilfe nach dem Hausbrand im Mai

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Alina und Frederik Elsbroek können wieder lachen und blicken gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn Linus zuversichtlich in die Zukunft. Das ist möglich, weil sie jede Menge Hilfe erhalten haben, nach dem ihr Haus durch ein Feuer zerstört wurde. 

Rotenburg - Von Guido Menker. Mit einem lauten Knall hat es angefangen. „Ich dachte, da sei vielleicht ein Vogel gegen eine Scheibe geflogen“, erinnert sich Alina Elsbroek. Mit ihrem fünf Wochen alten Sohn Linus auf dem Arm geht sie ins Obergeschoss ihres Hauses in Waffensen, um nachzuschauen. Oben angekommen, sieht sie auch schon die Flammen vor dem Fenster zur Dachterrasse.

„Ich habe sofort die Feuerwehr angerufen und bin mit dem Kleinen, unserem Hund und dem Telefon einfach nur noch raus in den Garten gelaufen.“ Fünf Stunden später liegt an diesem 12. Mai ein Großteil des Hauses in Schutt und Asche. Die Familie hat nahezu alles verloren. Aber noch in der gleichen Nacht rollt in Waffensen und Rotenburg eine überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft an. „Dafür gibt es keine Worte – ich kann gar nicht sagen, wie dankbar wir sind“, sagt der Familienvater.

Frederik Elsbroek ist noch unterwegs, aber schon auf dem Weg nach Hause, als an diesem Samstag im Mai das Drama seinen Lauf nimmt. „Auf dem Weg nach Hause hat mich noch die Feuerwehr überholt“, schildert der 27-Jährige seine Erinnerungen. Dass die vielen Wagen zu seinem Haus wollen, kann er nicht ahnen. Als er aus dem Auto steigt, kommen schon einige Nachbarn auf ihn zu. „Wo sind die beiden?“, wollen sie wissen. „Aber dann kam mir auch schon Alina mit Linus entgegen. Jetzt konnten wir nur noch zugucken, und es wurde immer schlimmer.“

Rund 120 Feuerwehrleute sind an diesem 12. Mai in Waffensen im Einsatz, kämpfen gegen die Flammen und versuchen alles, um das Haus zu retten. „Aber auch wir haben irgendwann gemerkt, dass das nix wird“, so Frederik Elsbroek. Ihm wird klar: Das mit Metall verblendete Sattelgeschoss muss runter. Nur so kommen die Feuerwehrleute an die Flammenherde heran. Und nur so lässt sich ein Brandschaden am Erdgeschoss verhindern. „Die dicke Betondecke hat sich als stabil erwiesen und uns gerettet“, sagt der 27-Jährige. Und doch: Wasser und Rauch haben das Inventar auch im Erdgeschoss des Hauses nahezu komplett unbrauchbar gemacht. „Wir hatten plötzlich nur noch das, was wir am Körper trugen.“

Mit einem Bagger geht’s dem Obergeschoss an den Kragen.

Kinderzimmer und Schlafzimmer sind von dem Feuer komplett zerstört. Keine Kleidung mehr, keine Windeln, und auch die im Kinderzimmer abgelegten Geburtsgeschenke für Linus und zahlreiche Fotos sind weg. Der von der Versicherung festgestellte Schaden: 400 000 Euro. Ursache: technischer Defekt. Frederik und Alina Elsbroek sind auf Hilfe angewiesen, denn leben können sie vorerst nicht mehr in diesem Haus an der Straße Auf den Spitzen. Sie kommen bei Frederiks Bruder in einer Einliegerwohnung in Rotenburg unter. Aber als sie dort irgendwann am nächsten Morgen aufwachen ist klar: „Wir haben alles, was wir erst einmal brauchen.“ Viele Freunde, Nachbarn und Bekannte, aber auch Menschen, die sie gar nicht kannten, haben alles angeliefert, was nötig ist. Dass sie aber auch einige unwiederbringliche Dinge verloren haben, wird dem jungen Paar erst nach und nach bewusst. Erbstücke zum Beispiel, Schmuck, aber eben auch Dokumente. „Die Rennerei nervt schon etwas“, sagt Frederik Elsbroek. Sein Portemonnaie ist nämlich auch ein Opfer der Flammen geworden.

Doch da ist eben auch die breit angelegte Hilfe: „Da war zunächst noch diese Ohnmacht, diese Ungewissheit, die Frage, wie es weitergeht“, gewährt Alina Elsbroek im Gespräch mit unserer Redaktion einen Einblick in ihre Gefühlswelt. Es sei gar nicht so leicht, so viel Hilfe anzunehmen. „Das fällt mir wirklich wahnsinnig schwer.“ Doch es sei eben auch gut, wenn Freunde kommen und sagen „Hey, wir gehen jetzt mal einkaufen“. Genau diese Art der Hilfe nämlich habe sie aufgefangen. Alle fragten „Was können wir für Euch tun?“. Das sei emotional überwältigend gewesen, und zwar so sehr, dass der eigentliche Verlust in den Hintergrund gerückt ist. „Das hat uns sehr gestärkt.“

„Irgendwie war das alles wie im Film“

Nach zehn Minuten schon stehen an diesem 12. Mai Windeln bereit, ein Kinderwagen, Decken. Freunde richten eine WhatsApp-Gruppe ein, organisieren alles, was den Elsbroeks jetzt helfen kann. Am nächsten Morgen kann die Familie somit erst einmal Luft holen, sacken lassen und realisieren, was in der Nacht zuvor passiert ist. Die Hilfe habe sie davor bewahrt, in ein tiefes Tal zu geraten, sagen die beiden jungen Eltern. Mittlerweile spenden sie viele Dinge schon weiter – an die Kenia-Hilfe und auch an Simbav. Alina Elsbroek: „Irgendwie war das alles wie im Film.“

Später können sie zum ersten Mal in den Teil des Hauses, der noch steht und auch nicht abgerissen werden muss. „Das ist echt scheiße – man steht fassungslos da“, erklärt Frederik Elsbroek. Er ist Geschäftsführer bei Timbergreen. Die Doppelbelastung kostet Kraft. Elsbroek: „Irgendwann ist der Akku einfach leer.“ Er kümmert sich jetzt um den Wiederaufbau des Hauses, dass sie vor gut einem Jahr erst gekauft hatten. In einem Jahr wollen sie wieder einziehen.

Das Haus ist mittlerweile leer. Mit Freunden ist es gelungen, das gesamte Inventar herauszuholen und zu entsorgen. „99 Prozent davon sind auf dem Müll gelandet – sechs Tonnen waren das.“ Jetzt fängt die Familie wieder bei Null an – und mit dem Blick nach vorne kann Frederik Elsbroek immerhin schon sagen: „Jetzt ist es für mich eine ganz normale Baustelle.“

Die Elsbroeks danken allen, die geholfen haben. Die Feuerwehr habe einen guten Job gemacht, sei besonnen und gekonnt vorgegangen. Nachbarn, der Eichenhof und viele weitere Menschen, die ihnen bis heute zur Seite stehen, schließen sie in ihren Dank ein, den sie nicht in Worte fassen können.

Genau deshalb wollen sie in einem Jahr eine Helfer-Party schmeißen. Bestenfalls im Garten ihres Hauses. „Das wird garantiert voll, da kommen bestimmt mehr als 100 Leute.“ Außerdem will Frederik Elsbroek in die Feuerwehr Waffensen eintreten – und sei es auch nur als förderndes Mitglied. Das, sagt er, sei er den freiwilligen Helfern doch mindestens schuldig.

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