Erste Schwimmversuche im Bullensee

Für die Gänseküken von Heike Vullmer ist das Bad im See ein Vergnügen

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Die Gänseküken Tommi und Annika kennen den Weg vom Bullenseeparkplatz zum Wasser. 

Rotenburg - Der Sommer lockt viele Abkühlungssuchende an den Bullensee. In den vergangenen Tagen tummelten sich dort Schwimmer, Herrchen und Frauchen mit ihren vierbeinigen Lieblingen, Luftmatratzenjünger, Stand-up-Paddler und vor allem viele Eltern mit ihren Kindern. 

Eine von ihnen ist Heike Vullmer, die mit Tommi und Annika zum Schwimmen gekommen ist. Die Sprösslinge haben im Bullensee die ersten Schwimmversuche gemacht, „er ist quasi unser Babybecken“, schmunzelt die Verdenerin. Allerdings handelt es sich bei Mutter und Kindern nicht ganz um eine „normale“ Familie.

Der kleine Unterschied: Das Geschwisterpaar ist gerade mal vier Wochen alt, kann schon perfekt schwimmen und statt Schwimmflügeln verfügen die beiden über stattliche weiße Federn. Tommi und Annika sind zwei Hausgänse, die mit ihrer „Mutter“ fast täglich schwimmen gehen, wenn die Zeit es zulässt. Angefangen hatte die etwas andere Mutterschaft für die Anfang 50-Jährige, die im Naturschutz arbeitet, mit drei Grauganseiern, die sie im Gras, weitab eines Nestes, gefunden hatte. „Die hatte der Fuchs wohl verschleppt“, so ihre Mutmaßung. Vullmer nahm sie mit, tat sie in den Brutkasten – so hatte sie bereits einmal einen Hahn aufgezogen – und fügte zwei Eier von Hausgänsen hinzu.

Während die Grauganseier sich nicht entwickelten, war das Piepsen der Hausgänse schon zu hören, als sie noch nicht geschlüpft waren. Schon bevor sie das Licht der Welt erblickten, lernten sie die Stimme der Biologin kennen, die gerne am Bullensee von Passanten scherzhaft mit „Frau Lorenz“ in Anlehnung an den berühmten Zoologen und Gänseforscher Konrad Lorenz (1903 - 1989) angesprochen wird.

Die Gänsemutter mit ihren „Kindern“ im Bullensee. 

Heute erkennen die beiden juvenilen Vögel, die schon fast ganz ihr „Babykleid“ verloren haben und auf Vullmer geprägt sind, sie auch am Gesicht. Und die beiden benehmen sich schon ganz wie Teenager: Beim Schwimmen ist nichts mehr vom ängstlichen, engen Kontakt zur „Mutter“ zu sehen, die beiden ziehen immer größere Kreise, kabbeln sich und schlagen ab und an mit den Flügeln. Ob sie je fliegen lernen, weiß Vullmer nicht: „Das kann ich ihnen ja schlecht vormachen, außer die Arme auszubreiten und loszurennen.“ Sie vermutet allerdings, dass das spätere Eigengewicht das Abheben in luftige Höhen nicht zulässt. Dafür sind die Gänse versierte Autofahrer: Bei Außenterminen nimmt Vullmer ihre „Kinder“ meistens mit, „und bei Büroterminen warten sie auch mal im Auto“. In der Mittagspause geht es dann gern mal an den Bullensee. „Ich glaube, sie kennen den Parkplatz schon – heute sind sie zielstrebig in Richtung See gelaufen.“ Aber auch die Wümme oder die Aller gehören zu ihren vertrauten Badeorten.

Ebenso zuhause schlagen die beiden gefiederten Zeitgenossen gern mal über die Stränge: Auf dem Tisch sei nichts vor ihnen sicher, einmal hätten sie alles abgeräumt und in ihr Papp-Kartonbett gezogen. Die Zeiten annektierter Gegenstände sind vorbei. Nun schlafen die beiden draußen – gegessen wird jedoch immer noch gemeinsam: „Sie zerkauen alles und lieben beispielsweise Weintrauben“, hat Vullmer festgestellt. Geschlachtet werden sollen die beiden Hausgänse übrigens nicht: Tommi und Annika gehören längst zur Familie. 

hey

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