Der Kreislandvolk-Vorsitzende Jörn Ehlers erklärt die Probleme, die sich aus der langen Trockenperiode ergeben

„Ernteverluste sind vielerorts bereits vorhanden“

Jörn Ehlers - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Hitze macht allen zu schaffen. Auch den Landwirten. Für sie ist die derzeitige Trockenperiode sogar zu einem echten Problem geworden. Wir haben uns darüber mit Kreislandwirt Jörn Ehlers unterhalten.

Herr Ehlers, können Sie sich an einen derart warmen und trockenen Mai in den vergangenen Jahren erinnern?

Jörn Ehlers: Eine gewisse Tendenz zu Frühjahrstrockenheiten scheint es bereits seit einigen Jahren zu geben. Jedoch macht es auch den Eindruck, dass regional extreme Wetterereignisse zunehmen. In manchen Orten hat es ja auch in den letzten Tagen immer einmal wieder, dabei oft zu stark geregnet.

In einigen Bereichen Niedersachsens stöhnen die Landwirte wegen der anhaltenden Trockenheit. Aus dem Kreislandvolkverband Rotenburg-Verden ist noch nichts zu hören. Ist das alles gar nicht so schlimm?

Ehlers: Die Auswirkungen spüren auch unsere Landwirte. Ein gewisser Vorteil ist aktuell noch der etwas höhere Maisanteil insbesondere in Rotenburg. Mais benötigt in der derzeitigen Jugendentwicklung noch nicht so viel Wasser. Außerdem hat Mais als „C4-Pflanze“ einen Stoffwechsel, der mit hohen Temperaturen sehr gut zurechtkommt.

In welchen Bereichen macht den Landwirten zurzeit die Trockenheit am meisten zu schaffen?

Ehlers: Getreide leidet derzeit sehr, wobei Roggen mit geringen Niederschlägen am besten fertig wird.

Was können Ihre Kollegen dagegen tun, wie gehen sie mit der Situation um?

Ehlers: Dort, wo es möglich ist, wird beregnet, jedoch ist bisher diese relativ teure Technik bei uns nicht so verbreitet, wie zum Beispiel in Ostniedersachsen.

Was können sie Ihren Kollegen raten, um mit der aktuellen Wetterlage zurechtzukommen?

Ehlers: Kurzfristig lässt sich dort wenig machen, jedoch wird sicherlich nach diesem Jahr der eine oder andere über eine Beregnung oder andere Anbaustrukturen – zum Beispiel Mais – nachdenken.

Wie lange sind die hohen Temperaturen und die Trockenheit noch zu ertragen, ehe mit ernsthaften Ernteverlusten gerechnet werden muss?

Ehlers: Ernteverluste sind vielerorts bereits vorhanden.

Wie sieht es mit dem Spargel und vor allem auch mit den Erdbeeren aus? Beides landet zurzeit ja sehr gerne auf unseren Tischen.

Ehlers: Spargel wurzelt extrem tief und kann sehr lange mit wenig Wasser auskommen. Ohne Beregnung ist jedoch auch bei diesen Kulturen irgendwann mit Einbußen zu rechnen.

Vom vergangenen Spätsommer an bis in den Winter hinein zu viel Regen, jetzt ein Mai, der ungewöhnlich warm und trocken ist. Kommt uns das nur so vor, oder ist das alles wirklich ungewöhnlich?

Ehlers: Die Kombination dieser beiden Extreme ist auch unglücklich. Durch ausreichend Wasser in der Jugendentwicklung haben Wintergetreide und Raps weniger Wurzeln ausgebildet, was jetzt zum Nachteil wird. Außerdem hat es im nassen Herbst teilweise Strukturschäden der Böden gegeben, die sich bis jetzt zeigen.

Können Sie selbst diesem vorzeitigen Start in den Sommer eigentlich auch etwas Positives abgewinnen?

Ehlers: Da ich selber gerne grille und als Landwirt auch für die entsprechende Bestückung des Grills sorge, ist zumindest dies ein positiver Punkt des sonnigen Wetters.

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Die Schattenseiten des Sommerwetters

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