Deutsch-französische Partnerschaft

Sommer, Sonne, Boule

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Los geht’s! Beim ersten Wurf werden die Mannschaften ausgespielt. J Fotos:

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Seit 51 Jahren gibt es die Partnerschaft zwischen der südfranzösischen Region Pays Foyen (nahe Bordeaux) und dem Landkreis Rotenburg. Länderübergreifende Partnerschaften haben es oft schwer, länger als eine (Gründer)-Generation zu überstehen.

Diese aber lebt, betonen Anne Friberg und Marie-Claude Döhring, die Vorsitzenden des „Vereins Deutsch-Französische Partnerschaft“ (DFP). Wer will, kann sich davon an jedem Sommer-Freitag um 16.30 Uhr an der Rotenburger Stadtkirche überzeugen. Da ist Boule-Spielen angesagt! Wir waren dabei.

Ein gutes Dutzend Boule-Spieler findet sich an diesem Freitag am „Boulodrome“ an der Stadtkirche ein. Das Wetter ist schon mal besser als zur gleichen Zeit in Bordeaux. Bevor es losgeht, sind jedoch wichtige Vorbereitungen zu treffen: Ein Zelt-Pavillon wird aufgebaut, ein Campingtisch aufgeklappt, darauf die Tricolore, die französische Nationalflagge, drapiert, ein paar Chips und vor allem ein Satz original-französischer Getränke – Cidre (Apfelwein), Rosé und Pastis. „Der darf nicht fehlen beim Boule“, stellt Marie-Claude Döhring fest, wie ihre Vorstandskollegin Anne Frieberg mit doppelter Staatsbürgerschaft ausgestattet (französisch-deutsch). „Man muss ja die Kugel ruhig halten können!“

Gedopt mit Pastis

Die „Kugelhalter“ dopen sich folglich erst einmal: Bevor die Mannschaften gebildet beziehungsweise ausgespielt werden, gibt’s einen Becher Pastis; Zielwasser aller Boulespieler, ein recht hochprozentiger Anisschnaps, der mit Wasser verdünnt wird („Kann, muss aber nicht!“). So gestärkt, geht es an eine imaginäre Grundlinie; eine kleine bunte Kugel wird geworfen, und anschließend wirft jeder eine handliche Stahlkugel hinterher, so dicht wie möglich ran an die bunte. Danach werden die Mannschaften gebildet, bei denen dann jeder drei Stahlkugeln bekommt und diese aus einem Abwurfkreis eben möglichst nahe an die kleine (bunte) Kugel heranwerfen muss. Wer am dichtesten dran ist, bekommt einen Punkt. Man kann auch andere Kugeln „wegticken“, seinen Gegnern geschickt den Weg verbauen und sich mit seinen Mannschaftskollegen auch taktisch besprechen. Wenn es nicht klappt, hilft mitunter ein Schluck Pastis.

Etwas bemoost, aber eigentlich nicht zu übersehen: das „Boulodrome“-Schild.

Alles ist sehr locker und freundschaftlich. Zum ersten Mal dabei ist an diesem Tage Bijou Gueye aus Mulmshorn. Sie ist gebürtig aus dem Senegal und froh, sich hier problemlos in der Amtssprache ihres Heimatlandes verständigen zu können. Denn, so scheint es dem Beobachter, nicht nur die beiden Vereins-chefinnen sprechen prima französisch. Viele der Teilnehmer kennen sich aus den entsprechenden VHS-Kursen oder haben mal an einer Besuchstour nach Frankreich teilgenommen. Dabei ist die Beherrschung der Sprache kein Muss! Alle sind bei den fröhlichen Freitagnachmittagen oder auch beim monatlichen Treff im Restaurant Castell willkommen.

Gerhard Gollon und Angelika Hirsch (r.) begrüßten Bijou Gueye zum ersten Mal in der Runde.

Der Reporter bekommt auch drei Kugeln gereicht. Die nach dem ersten gelungenen Wurf aufkommende Euphorie, ein verdecktes Naturtalent zu sein, gibt sich sehr rasch wieder. Es zeigt sich schnell, dass es unter den Spielern einige gibt, die ihren Sport blendend beherrschen. In Frankreich gibt es sogar professionelle „Bouler“ in einer entsprechenden Bundesliga. Da durfte mancher der Anwesenden auch schon mal während einer Trainingsphase mitschießen. Bei aller Lockerheit, am Rotenburger Bouleplatz wird durchaus exakt gespielt und gezählt. Einige tragen extra ein kleines Handtuch am Gürtel, um die Stahlkugeln blitzblank zu halten. Und auch ein Zollstock ist im Zweifelsfalle zur Hand, um die tatsächlichen Abstände zu messen.

Im Juli, so Vorstandsvorsitzende Anne Friberg, wird wieder eine Delegation aus Frankreich, aus Sainte-Foy-la-Grande, nach Rotenburg kommen. Das ist – neben allem vergnüglichen Treiben – ohnehin ein wichtiger Schwerpunkt beim „DFP e.V.“; die gegenseitigen Besuche (übrigens auch mit Schülern) zu stärken und zu einem Erlebnis werden zu lassen. Und wer weiß, vielleicht kann dann ja beim nächsten Besuch der Franzosen hier auch mal die norddeutsche Abart des Boule gespielt werden: Boßeln! Auf der Internetseite des Vereins gibt es alle weiteren Informationen.

www.dfp-rotenburg.de

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