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Rotenburg: Burkhard Bohne über nachhaltiges Gärtnern

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Von: Ann-Christin Beims

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Katharina Daus kniet an einem Bücherregal mit einer Themenausstellung zum nachhaltigen Gärtnern. In der Hand hält sie das Buch von Burkhard Bohne, „Nachhaltig Gärtnern“.
Die Rotenburger Stadtbibliothek hat eine Auswahl an Büchern zum Thema Garten zusammengestellt. Auch das Buch zur Lesung von Burkhard Bohne, „Nachhaltig Gärtnern“, ist Teil des Bestands, wie Mitarbeiterin Katharina Daus präsentiert. © Schultz

Burkhard Bohne weiß als moderner Gärtner viel über Bodenbeschaffenheit und den richtigen Umgang mit Pflanzen. Nachhaltigkeit ist bei seiner Tätigkeit ein großes Thema.

Rotenburg – Burkhard Bohne hat einen grünen Daumen. Der Autor und Gartenexperte betont aber, dass man das gar nicht haben müsse, um im eigenen Grün an mehr Nachhaltigkeit mitzuarbeiten. Kommende Woche liest er in der Rotenburger Stadtbibliothek – vorab beantwortet er Fragen.

Herr Bohne, auch auf die Gefahr hin, dass Sie diese Frage häufiger hören: Hat Ihr Nachname Sie mit dazu bewogen, in den gärtnerischen Bereich einzusteigen?

Nein, ganz ehrlich nicht. Ich bin in einem Garten aufgewachsen, hatte mein ganzes Leben lang mit Pflanzen zu tun und habe früh entdeckt, dass ich einen grünen Daumen habe. Aus diesem Grund konnte ich nicht anders, als diesen Beruf zu wählen.

In Ihrem Buch „Nachhaltig gärtnern“ beschreiben Sie, wie jeder angesichts von Klimawandel und Artensterben seinen Beitrag leisten kann. Nachhaltigkeit wird im Alltag immer wichtiger. Inwieweit ist das Bewusstsein in der Bevölkerung angekommen?

Ich denke, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit kommt immer mehr in der Bevölkerung an. Klimawandel, Artensterben und die gnadenlose Ausbeutung der Natur lassen nichts anderes zu. Biologisches Gärtnern ist nachhaltig und orientiert sich an Kreislaufwirtschaft. So kann jeder einen kleinen Beitrag zum Thema leisten, egal ob im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon.

Nachhaltiges Handeln könnte im Garten oder auf dem Balkon anfangen. Was sagen Sie denen, die meinen, sie hätten eh keinen grünen Daumen?

Trotzdem anfangen. Sich für Pflanzen interessieren, Gartenbücher lesen, Erfahrungen beim Gärtnern machen, das macht Spaß und ist ein erster guter Beitrag.

„Urban Gardening“, also Gärtnern in der Stadt, ist Trend geworden. Wie sehr kann das in puncto Nachhaltigkeit unterstützen?

Dieser neue Megatrend unterstützt Nachhaltigkeit in vielerlei Hinsicht. Denken wir nur an Upcycling von ausrangierten Materialien des täglichen Bedarfs, Milchtüten, Sahnebecher, an Kultivierung von Brachflächen, Begrünung von Dächern, Balkonen, Fassaden und Höfen. Außerdem setzen die meisten „Urban Gardener“ auf biologisches Gärtnern, auf Wildpflanzen, zumindest regionale Sorten, und torf- sowie kunststofffreie Produkte. So entstehen in den Städten vielerorts kleine Oasen für Menschen, Tiere und natürlich auch Pflanzen.

Pflanzen werden meist in Plastiktöpfen verkauft. So gelangt Mikroplastik wiederum in den Boden. Gibt es keine Alternativen?

Doch klar, Tontöpfe oder Presstöpfe aus Papier sind eine echte Alternative, auch wenn diese Gefäße entweder schwerer oder weniger haltbar sind. Zumindest im Haus und eigenen Garten können wir auf Plastik verzichten, und natürlich können beim Pflanzeneinkauf darauf achten, dass die Pflanzen nicht in Kunststofftöpfen gewachsen sind und verkauft werden.

Sie schwören auf heimische Kräuter und Gewürzpflanzen. Zeigt uns der Krieg in der Ukraine einmal mehr, dass wir gut daran tun, mehr vor Ort anzupflanzen, statt zu importieren, mehr auf Saisonobst, -gemüse und Co. zu setzen?

Ja, wir sollten spätestens jetzt daran denken, unseren Selbstversorgungsgrad massiv zu erhöhen, im Garten und natürlich auch in der Landwirtschaft.

Lesung mit Burkhard Bohne

Bewährte nachhaltige Anbaumethoden aus bekannten Gartenbewegungen wie Biogärtnern, Permakultur und „Urban Gardening“, also urbanes Gärtnern, stellt Burkhard Bohne in seinem Buch „Nachhaltig gärtnern“ vor. Dieses präsentiert er am Freitag, 29. April, ab 19 Uhr, in der Stadtbibliothek Rotenburg. Sein Leitsatz sei laut Ankündigung „Entnimm deinem Garten nicht mehr, als du ihm später zurückgeben kannst“. Wertvolle Tipps zeigen, wie man nachhaltig düngt, Wasser und Energie spart, Plastik vermeidet und den Garten für seltene Tier-und Pflanzenarten attraktiv gestaltet. In der Stadtbibliothek gibt es aktuell eine Ausstellung mit Gartenbüchern und die Möglichkeit, sich in der Saatgutbörse kostenlos mit Sämereien für Gemüse, Blumen und Kräuter zu versorgen. Gern werden auch samenfeste Sorten angenommen, die im eigenen Garten geerntet wurden. Für die Teilnahme an der Lesung ist eine Anmeldung unter der Nummer 04261/ 914515 oder per E-Mail an bib@rotenburg-wuemme.de erforderlich. Der Eintritt kostet acht Euro, mit Leseausweis sechs.

„Wer etwas nimmt, muss auch etwas zurückgeben“, ist Ihr Leitsatz. Wie genau muss ich mir das in der Praxis vorstellen?

Der Satz zielt in erster Linie auf die Bodenpflege. Wenn wir dem Boden ständig Pflanzen entnehmen, entziehen wir ihm Nährstoffe und natürlich auch Wasser. Organische Düngung, Kompostwirtschaft, Mulchen und die Aussaat von Gründünger schaffen Abhilfe.

Welche Dinge machen wir, vielleicht auch aus Unwissenheit, im eigenen Grünen falsch?

Häufig pflanzen wir aus Bequemlichkeit Nadelgehölze, so entfällt das Harken des Laubes, und viel zu oft auch nicht heimische und züchterisch veränderte Kulturformen von Zierpflanzen. Beides liefert kaum Nahrung oder Lebensraum für unsere Insekten und ist damit wenig nachhaltig. Auch auf Schottergärten sollten wir verzichten.

Mit welchen einfachen Tipps und Tricks können wir hingegen schon viel bewirken, im Sinne der biologischen Vielfalt?

Wildwiesen, Obstbäume, Laubgehölze und naturnahe Pflanzengesellschaften aber auch Wasserstellen, Insektenhotels und Totholzhaufen fördern die biologische Vielfalt.

Die Rotenburger Stadtbibliothek hat unterstützend eine Saatgutbörse ins Leben gerufen, es gibt Solidarische Landwirtschaft oder Projekte wie den Saisongarten in Bötersen, wo Interessierte kleine Parzellen mieten können, um selber zu säen und zu ernten. Sind solche Projekte ein guter Weg, den heimischen Anbau zu fördern?

Auf jeden Fall, denn regional gewonnenes Saatgut und biologischer Anbau von Nahrungsmitteln vor Ort bilden die Grundlage von nachhaltigem Gärtnern.

Zur Person

Burkhard Bohne ist 1962 in Northeim geboren und hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Gärtner gemacht. Seit 1990 ist er technischer Leiter des Arzneipflanzengartens der TU Braunschweig. Er schreibt freiberuflich für Gartenmagazine, ist Autor etlicher Gartenbücher und arbeitet als Gartenplaner. 2011 gründete er die erste Kräuterschule Braunschweigs.

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