Vor dem Hintergrund der Pegida-Bewegung bezieht Andreas Weber Stellung

„Ängste sind nur mit guten Informationen zu beseitigen“

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„Die Tür steht immer offen“: Imam Hüdeverdi Ülker (l.) und Gemeinde-Vorsitzender Abdurrahman Göc vor der kleinen Moschee an der Fuhrenstraße in Rotenburg.

Rotenburg - Von Guido Menker. Bislang taucht die Pegida-Bewegung nur in den großen Städten auf. Dahinter stecken die selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Zwar wird auch in Rotenburg über das Auftreten der Pegida-Anhänger diskutiert – öffentlich in Erscheinung getreten sind sie an der Wümme aber noch nicht. Und das sollte auch so bleiben, wenn es nach dem Wunsch von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ginge.

„Pegida schürt die Ängste – und die sind nur mit guten Informationen zu beseitigen“, sagt Weber in einem Gespräch mit der Presse – unter dem Eindruck des barbarischen Anschlags auf die Redaktion des französischen Satire-Blattes „Charlie Hebdo“. „Meiner Ansicht nach ist das von der Pegida beschriebene Problem überhaupt nicht gegeben – und daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern, dennoch muss man die Sorgen der Menschen ernst nehmen“, erklärt der Sozialdemokrat. Muslimisches Gedankengut alleine sei aber keine Gefahr. „Das Gegenteil ist der Fall: Die Muslime in unserer Stadt zeigen eine hohe Sensibilität und einen starken Integrationswillen.“ Weber bezeichnet Rotenburg als eine offene Stadt, die bislang gute Erfahrungen mit der Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern gemacht habe. Und sie gehe auch transparent damit um.

Diesem Beispiel folgend, wirft der Sozialdemokrat einen Blick in die Statistik. 2013 hatte Rotenburg 23 020 Einwohner – 1 360 von ihnen waren Ausländer. Zehn Jahre zuvor gab es 23 300 Einwohner in der Kreisstadt – darunter 1 402 Ausländer. Einen Anstieg hatte es zwischen 1983 und 1993 gegeben: Von 631 Ausländern unter den damals 20 400 Einwohnern stieg Zahl auf 974 Ausländer bei 22 400 Einwohnern. In den vergangenen fünf Jahren kamen derweil 88 Asylbewerber in die Stadt – eine Zahl, die viele Menschen nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Diskussionen deutlich höher eingeschätzt hätten, so Weber. Die internationale Vielfalt in Rotenburg ist groß. Die Menschen, die an der Wümme leben, kommen aus 80 verschiedenen Ländern (Stand 2013).

274 der 1 360 Ausländer waren Türken, 93 Polen, 91 aus dem ehemaligen Jugoslawien, 79 Russen, 64 Italiener, 56 Vietnamesen, 26 Niederländer, je 25 Griechen und Libyer, 22 Libanesen, 21 Briten und Syrer. Daraus ergebe sich eine große Vielfalt, die Rotenburg bislang allerdings vor keine nennenswerten Probleme gestellt habe. Weber lobt – vor allem auch mit dem Blick auf die Asylbewerber aus den Kriegsgebieten – die umfangreichen Bemühungen, um den Menschen die Integration zu ermöglichen. Zugleich macht er deutlich: „Bundesweit geht man von 5,6 Prozent Muslimen aus – demnach kämen wir in Rotenburg auf etwa 1 000.“

„Die Menschen kennen uns doch gar nicht“

Aber so viele sind es nicht einmal, sagt Abdurrahman Göc. Er ist Vorsitzender der Rotenburger „Kleinen Ayasofya Gemeinde“. In Rotenburg seien es 400 Muslime, landkreisweit etwa 1 000. „Probleme haben wir nicht, wir fühlen uns integriert, wir fühlen uns zu Hause.“ Mit Blick auf den Anschlag in Paris schüttelt Göc den Kopf und sagt: „Ein guter Muslime macht so etwas nicht – das schadet doch nur dem Islam.“ Er selbst lebe seit 43 Jahren in Rotenburg und käme mit den Menschen hier wunderbar zurecht. Wichtig sei es, miteinander zu reden. Die Tür der Moschee stehe immer offen. Und wenn Göc an die Pegida-Bewegung denkt, stellt er klar: „Die Menschen, die dabei sind, kennen uns doch gar nicht.

Wer mit uns redet, aber nicht nur über uns, der würde daran nicht teilnehmen.“ Die Angst vor dem Islam, von der die Rede ist, sei unbegründet, weil seine Religion es verbiete, so mit den Menschen umzugehen, wie es geschildert werde. Im Gegenteil: „Meine Religion verlangt es, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen.“ Das gelinge in Rotenburg zwar nicht mit allen, aber mit den meisten. Damit bestätigt sich aus Sicht der Muslime Webers Einschätzung – und dabei soll es auch bleiben, meint der Bürgermeister.

Ein Kommentar zu diesem Thema finden Sie hier:
Multikulti in Rotenburg – das ist gut so

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