„Suizid – keine Trauer wie jede andere“ läuft bis zum 27. April

Bündnis gegen Depression zeigt Ausstellung im Rathaus

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Bürgermeister Andreas Weber (v.l.) freut sich, dass Uwe Schradick, Carsten Konrad und Uwe von Glahn die Ausstellung zum Themen-Komplex „Suizid“ ins Rotenburger Rathaus geholt haben. In Bremervörde und Zeven ist die Ausstellung bereits gelaufen.

Rotenburg - Von Guido Menker. Der Bürgermeister freut sich, dass es im Landkreis Rotenburg bereits seit fast zwei Jahren das Bündnis gegen Depression gibt. Und so ist es für Andreas Weber (SPD) „eine Selbstverständlichkeit, für diese Ausstellung das Rathaus zur Verfügung zu stellen“. Es geht um eine Wanderausstellung des Vereins „Agus“. Sie trägt den Titel „Suizid – keine Trauer wie jede andere. Gegen die Mauer des Schweigens.“ Bis zum 27. April ist sie zu sehen. Doch die Initiatoren vom Bündnis gegen Depression wollen die Besucher mit dem Thema nicht allein lassen, sondern sie mit vier Veranstaltungen begleiten, erklärt der Vorsitzende Professor Carsten Konrad.

Hinter „Agus“ steckt der Verein „Angehörige um Suizid“. Er hat die Wanderausstellung konzipiert, um die Todesart Suizid und die Trauer danach ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, zu informieren und zu enttabuisieren. Die Ausstellung biete Informationen für alle, die sich aus beruflichen oder auch ganz persönlichen Gründen mit diesem Thema auseinandersetzen. Sie soll dazu beitragen, die Situation der Hinterbliebenen kennenzulernen und mehr über die Möglichkeiten einer hilfreichen Unterstützung zu erfahren. 

Gegliedert ist diese Ausstellung in drei Teile. Zunächst gibt es allgemeine Informationen zur Todesart Suizid und zu ihrer Entstehung. Gezeigt werden Zahlen, Fakten, Analyse- und Erklärungsmodelle. Im zweiten Abschnitt stehen die Besonderheiten der Suizidtrauer und die Situation der Hinterbliebenen im Vordergrund. Mit den Trauerhilfen beschäftigt sich der dritte Teil.

„Die Depression wird noch immer nicht richtig verstanden“

Suizid steht ganz eng in Verbindung mit der Depression. Etwa neun von zehn Menschen, die sich selbst das Leben nehmen, haben an einer psychischen Erkrankung gelitten. Dabei spielt die Depression eine ganz wesentliche Rolle, sagt Konrad. Ebenso wie Suizidalität ist auch die Depression ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, wenngleich Carsten Konrad sagt: „Zum Glück wird es besser.“ Dennoch: „Die Depression wird noch immer nicht richtig verstanden – in der Bevölkerung, in der Familie der Betroffenen und auch bei den Arbeitgebern.“ Da werde dann nicht selten gefordert, der Betroffene müsse sich nur einfach mal zusammenreißen oder aufraffen.

Konrad, selbst Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg: „Das kann der Betroffene nicht.“ Aber eben dieses Wissen sei nicht so weit verbreitet. Ähnlich sei es aus Sicht der Erkrankten: Sie fühlten sich unnütz. Der Experte vom Diako und Vorsitzender im Bündnis gegen Depression: „Es fällt diesen Menschen schwer, die Veränderung als Erkrankung zu erkennen. Es fühlt sich für sie an wie eine Erschöpfung, aus der sie alleine nicht herauskommen.“

Vorträge, Filmvorführung und Informationsveranstaltung

„Die Depression ist schwer zu greifen“, fügt der stellvertretende Bündnis-Vorsitzende Andreas von Glahn hinzu. Er und sein Vorstandskollege Uwe Schradick berichten von den ersten Erfahrungen mit der Ausstellung, die zuvor schon in Bremervörde und auch in Zeven gezeigt worden ist. Und auch sie wissen: Die Ausstellung allein reicht nicht aus. Geplant ist eine begleitende Veranstaltungsreihe zum Thema Suizidalität. Ziel ist die Prävention. Durch Informationen zu Suizidgedanken, -versuchen und Suiziden sollen Tabuisierung und Stigmatisierung des Themas verhindert und es Betroffenen und Angehörigen erleichtert werden, über ihre Sorgen zu sprechen und Hilfen in Anspruch zu nehmen. 

Deshalb hält Brigitte Klußmann als Trauerbegleiterin am 18. April von 19 Uhr an einen Vortrag mit dem Thema „Suizid – keine Trauer wie jeder andere“ im Rotenburger Ratssaal. Carsten Konrad lädt darüber hinaus für den 25. April von 19 Uhr an zu einem weiteren Vortrag in den Ratssaal ein. Dieser trägt den Titel „Suizidalität bei psychischen Erkrankungen – Hintergründe und Therapiemöglichkeiten“. Bereits morgen Abend läuft außerdem im Café Kubus an der Nordstraße in Rotenburg der Film „Der letzte schöne Tag“. Darüber hinaus gibt es am 16. Mai ab 19 Uhr in der Zevener Begegnungsstätte Quab (Auf dem Quabben 14a) eine Informationsveranstaltung mit Blick auf die geplante Gründung einer landkreisweiten Selbsthilfegruppe für vom Suizid betroffene Angehörige. Denn: „Mit der Kommunikation geht eine erste Tür auf“, sagen die drei Vorstandsmitglieder des Bündnisses. Ähnlich wichtig sei eine gute Vernetzung.

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