AUS DEM GERICHT Ehepaar wegen gemeinschaftlichen Betrugs verurteilt

Büfett bestellt, aber nicht bezahlt

Am Amtsgericht ging am Dienstag um Betrug.
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Am Amtsgericht ging am Dienstag um Betrug.

Rotenburg – Zu Geldstrafen ist ein Ehepaar aus Bad Fallingbostel am Dienstag am Amtsgericht in Rotenburg wegen gemeinschaftlichen Betrugs verurteilt worden. Die 31-jährige Frau muss 300 Euro, ihr sieben Jahre älterer Mann 1 000 Euro bezahlen. Darüber hinaus haben sie die Kosten des Verfahrens zu übernehmen und eine noch offene Rechnung einer Fleischerei in Verden in Höhe von 2 051 Euro zu begleichen.

Der Mann ist zudem mit einer Führerscheinsperre von sechs Monaten belegt worden, weil in das Urteil auch eine Strafe wegen Fahrens ohne Führerschein ein Jahr nach der Hochzeit eingeflossen ist.

Mitten im ersten Corona-Sommer 2020 will das Paar heiraten – und die Hochzeit auch zünftig feiern. 120 Gäste sind eingeladen, und die möchte das Brautpaar mit einem reichhaltigen Büfett verwöhnen. Das bestellen die beiden anderthalb Wochen vor dem Termin bei einer Fleischerei in Verden, die auch einen Party-Service anbietet. Der Mitarbeiterin, die den Auftrag zunächst telefonisch entgegennimmt, kommt das zwar angesichts der Pandemie etwas „komisch“ vor, aber man habe ihr versichert, dass es sich bei den Gästen ausschließlich um Familienmitglieder handelt. Was das Paar verschweigt: Angeblich wolle ein Onkel die Rechnung übernehmen. Der hätte dann nach Ansicht von Staatsanwalt Cordes und Richterin Meinke aber auch die Bestellung aufgeben müssen. Hat er aber nicht. Guten Glaubens hat die Fleischerei also das Büfett geliefert – und zwar in ein Sportlerheim in Visselhövede. Und das an einem Sonntag – außerhalb der eigentlich üblichen Zeiten mit zwei Transportern und mehreren Mitarbeitern. Auf das Geld wartet das Verdener Geschäft heute noch.

Die Rechnung sei per Post verschickt worden, sagt die Mitarbeiterin vor Gericht. Im ersten Anlauf kam diese zurück. Daraufhin schaltete sie die Polizei ein, die eine weitere Adresse ermittelte. Doch erneut kommt die Rechnung zurück. „Erst als wir rechtliche Schritte eingeleitet haben, boten sie an, in Raten den Betrag zu zahlen“, so die Zeugin. 50 Euro monatlich seien zunächst angeboten worden. „Zu wenig“, erklärt die Zeugin. Was sie zunächst nicht weiß: Das Ehepaar – beide leben von Hartz IV – befindet sich in einer Privatinsolvenz. Im Dezember vergangenen Jahres erreicht das Geschäft eine Rate in Höhe von 200 Euro – das Geld leitet die Mitarbeiterin in Absprache mit einem Anwalt an den Insolvenzverwalter weiter, eine weitere 200-Euro-Rate erreicht sie in diesem Monat.

Cordes geht davon aus, dass das Ehepaar gar nicht die Absicht hatte, die Rechnung zu bezahlen und die Sache mit dem Onkel vorschiebt. Die Richterin sieht das genauso und schließt sich dem von ihm geforderten Strafmaß an. Das macht auch der Anwalt des Ehepaares, der hofft, dass die bereits gezahlten 400 Euro angerechnet werden. Sein Mandant hat derweil Glück: Zwar ist er einschlägig vorbestraft wegen Betrugs und Diebstahls, dennoch bleibt es bei Geldstrafen. Und jetzt weiß er außerdem: Wer bestellt, muss auch bezahlen.

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