Rotenburg hat bisherige Flüchtlingsquote erfüllt / Bürgermeister bleibt gelassen

„Es kommen noch ganz große Aufgaben“

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Rotenburg setzt auf eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge. Größere Häuser wie dieses Ecke Hemphöfen/Wallbergstraße sind die Seltenheit.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Quote ist bereits erfüllt. 82 Flüchtlinge sind in den ersten neun Monaten des Jahres nach Rotenburg gekommen. Doch während in vielen Gegenden Deutschlands und Europas Alarm geschlagen wird, bleibt die Kreisstadt gelassen. „Wir reden nicht von Problemen, sondern von großen Aufgaben, die wir professionell angehen“, sagte am Donnerstag Bürgermeister Andreas Weber (SPD) – wohl wissend, dass diese in den kommenden Monaten noch viel größer werden.

Rund 210 Asylsuchende leben derzeit in der Kreisstadt. Bis Januar erwartet Weber 140 weitere. Eine vorläufige Quote, die jüngst vom Land mitgeteilt wurde. „Wie überall haben wir einen Anteil von rund 40 Prozent unter den Flüchtlingen, die keine Chancen haben werden, auch hier zu bleiben“, sagt Weber. Mittlerweile habe auch in Rotenburg die Rückführung Einzelner oder ganzer Familien begonnen. Und das sei das grundlegende Problem der derzeitigen Flüchtlingspolitik. Weber: „Es sind teilweise Familien, die schon seit eineinhalb Jahren oder länger hier leben. Deswegen ist es sinnvoll, dass sie frühzeitig wissen, woran sie sind“ – und eben nicht erneut aus ihrem mittlerweile vertrauten Lebensumfeld gerissen werden.

Um dies zu verhindern, sei die Politik in Hannover, Berlin und Brüssel gefordert. Vor Ort wiederum müsse die Integration derer, die vermutlich auch bleiben dürfen, vorangetrieben werden. Rotenburg setzt dabei auf zwei grundlegende Säulen: Spracherwerb und Dezentralisierung. Allein die Volkshochschule hat in diesem Jahr bereits mehr als 50 Deutsch-Kurse gegeben, so viele wie nie zuvor. Auch die Unterbringung in kleinen Wohnungen an vielen verschiedenen Standorten, und nicht die Ghettoisierung in Zelten oder Großbauten, soll einer Isolierung oder Stigmatisierung der Asylsuchenden entgegen wirken. „Wir arbeiten eng mit den Hausverwaltern zusammen“, sagt Weber. Und das klappe. Die Verwaltung miete Wohnung in der Kernstadt und in den Ortschaften an, der Landkreis übernimmt die Kosten. Weber: „Das funktioniert gut“. Dadurch, dass die Stadt zuletzt vermehrt auf den Neubau oder Ausbau von sozialem Wohnraum gesetzt habe, sei der Markt entlastet worden.

Auch die Hilfsbereitschaft innerhalb der Bevölkerung könne als vorbildlich für viele andere Kommunen bezeichnet werden. Es seien viele Spenden eingegangen, das Familienforum Simbav als auch das soziale Kaufhaus Karo aktuell ausgestattet. „Wir werden über unsere Homepage und die Presse bekannt geben, wenn wir wieder etwas brauchen“, so der Bürgermeister. Mehr könne man im Moment gar nicht verkraften – die Verteilung von Kleidung, Lebensmitteln und Co. müsse strukturiert erfolgen.

1200 Bürger aus mehr als 80 Nationen leben momentan in der Kreisstadt, hatte Bürgermeister Weber zuletzt vorgerechnet. Dass dieses Miteinander bislang so gut funktioniert, lobt auch die Opposition im Rotenburger Stadtrat. CDU-Fraktionschef Klaus Rinck hält den Ansatz der dezentralen Unterbringung für genau richtig. „Diejenigen mit Chancen auf Asyl müssen schnell integriert werden“, untermauert er. Gleichermaßen müsste aber dafür gesorgt werden, dass insbesondere Flüchtlinge aus den Balkan-Staaten gar nicht auf die Kommunen verteilt werden und in den Erstaufnahmelagern verbleiben.

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