Kunden ärgern sich

Die Bahn geht: Reisezentrum bleibt geschlossen

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Das DB-Reisezentrum am Rotenburger Bahnhof gehört der Geschichte an. Es ist ab Mittwoch geschlossen. 

Rotenburg - Guido Menker. Die Bahn kommt, hieß es einst in der Werbung. Ein vielfach belächelter Slogan - wegen der vielen Verspätungen, die die Kunden auch heute noch beklagen. In Rotenburg heißt es jetzt: Die Bahn geht. Denn von Mittwoch an bleibt das DB-Reisezentrum am Bahnhof der Kreisstadt geschlossen.

Die roten Fahrkartenautomaten sind abmontiert, und die Türen des Reisezentrums bleiben erst einmal dicht. Seitdem diese Entscheidung bekannt ist, haben eine Reihe von Kunden ihren Unmut kundgetan. Sie ärgern sich, weil ein Stück Bahnservice verloren gehe. Aber die Metronom-Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Uelzen, die unter anderem eben auch die Nahverkehrsstrecke zwischen Hamburg und Bremen bedient, stellt auf ihrer Website klar: „Das Reisezentrum in Rotenburg wird (...) nicht geschlossen. Hier übernimmt Metronom die Räumlichkeiten und führt den Verkauf von Fahrkarten im Rahmen einer Metronom-Agentur fort.“ Neben den Nahverkehrstickets soll es dort auch weiterhin Fahrkarten für den Fernreiseverkehr geben, heißt es vom Unternehmen. Hinter der Agentur steckt die Rosenthal-Gruppe, teilt Metronom-Sprecher Björn Pamperin auf Anfrage mit. Diese betreibe bundesweit fast 100 solcher Agenturen. Die Service-Stelle wird am Freitag ihren Betrieb aufnehmen und montags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr sowie von 13 bis 17.30 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet sein.

Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung der Nahverkehrsleistungen des sogenannten Hansenetzes/Uelzen-Göttingen 2018 sei die Metronom Eisenbahngesellschaft als Gewinner hervorgegangen, teilt DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis mit. Neben der Nahverkehrsleistung sei mit dieser Vergabe auch die Vertriebsleistung, also der Verkauf und die Beratung von Nahverkehrsfahrscheinen, geregelt worden.

Am Automaten gibt’s jetzt nur noch Nahverkehrstickets. Bis Ende des Jahres soll der Automat allerdings umgestellt werden und auch Fernreisetickets bereithalten.

„Ziel dieses Vertriebsmodell ist es, dass es je Standort nur einen Vertriebsdienstleister für Nahverkehrsfahrkarten geben darf, und das bedeutet aber auch, dass infolge dieser Exklusivität kein anderes Unternehmen Fahrkarten im Nahverkehr verkaufen darf“, so Meyer-Lovis. Damit fehle ein wesentlicher Teil der Einnahmen, und somit könne DB Vertrieb eine Verkaufsstelle wirtschaftlich nicht betreiben. Der Bahnsprecher: „Leider ist es nicht gelungen, die Metronom vom Erhalt des Reisezentrums durch eine weitergehende Beauftragung der DB Vertrieb zu überzeugen.“ Der Betrieb des Reisezentrums sei also nicht von der Bahn eingestellt, sondern mit der Entscheidung der Metronom abbestellt worden. Es sei klar festzustellen, dass die Verantwortung nicht aufseiten der DB liegt. Im Rotenburger DB-Reisezentrum waren drei Mitarbeiter beschäftigt. Die Bahn setzt sie künftig in anderen Reisezentren ein.

Der Metronom Eisenbahngesellschaft stehe es frei, diesen Verkauf selbst - also mit eigenen Mitarbeitern - vorzunehmen oder einen fachlich geeigneten Dienstleister zu beauftragen. Die von der LNVG vorgegebene Regelung sichere dabei den zuverlässigen Verkauf an allen 22 Standorten für die kommenden 15 Jahre, schreibt Metronom. Dabei gibt es keine einheitliche Regelung. In Scheeßel wickele sie den Verkauf selbst über einen im Aufbau befindlichen Videoautomaten ab, in Tostedt sei die DB Vertrieb beauftragt, in Buchholz eine „Metronom-Agentur“, wie es auch für Rotenburg vorgesehen ist. Darüber hinaus lässt das Unternehmen die Kunden wissen: „Der Verkauf von Fahrkarten an einem Schalter ist in jedem Fall ein Zuschussgeschäft.“ Ein solcher Service erzeuge hohe Kosten, die durch die sehr geringen Erlöse, zum Beispiel aus Provisionen, nicht gedeckt werden könnten. „Vor diesem Hintergrund muss Metronom versuchen, die Kosten möglichst gering zu halten und trotzdem einen gewohnt guten Service zu bieten.“ Laut einer Übersicht ändert sich am bisherigen Angebot in Rotenburg nur wenig - nur Ameropa, DB-Mitarbeiterfahrkarten und Bahntix sind hier künftig nicht mehr erhältlich.

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