Ergebnisse der Pionierarbeit

Neu aufgestellte Lent-Kaserne lädt Öffentlichkeit ein - Abschied für Kommandeur

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York Buchholtz lädt zum Tag der offenen Tür ein.

Rotenburg - Von Michael Krüger. York Buchholtz schließt sein persönliches Kapitel in Rotenburg am 20. September, am Samstag öffnet er aber noch einmal alle Pforten. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren gibt es wieder einen Tag der offenen Tür in der Lent-Kaserne, der Oberstleutnant und Standortälteste Buchholtz will mit seinen Soldaten damit „Danke sagen“ und „Etwas zurückgeben“, wie der 47-Jährige betont.

Im Juni 2015 begann der gebürtige Nordfriese seinen Dienst in der Kaserne. „Ein großes Geschenk“, sagt er heute, schließlich galt es, komplett neue Strukturen aufzubauen. Im Zuge des Umbaus der Bundeswehr war beschlossen worden, das Logistikbataillon 3 sowie die Fernmeldetruppe zum 31. Dezember 2015 aufzulösen. Im Gegenzug wurde das Jägerbataillon 91 als neuer Truppenteil zum Oktober 2015 aufgestellt – und Buchholtz oblag es, federführend alles zu organisieren. „Wir haben bei null angefangen“, sagt er.

Tatsächlich sind nur wenige der ehemals in Rotenburg stationierten Soldaten Teil des zur Panzerlehrbrigade 9 gehörenden Jägerbataillons mit sechs Kompanien und rund 1000 Soldaten geworden. Die, die dennoch bleiben wollten, hätten eine hohe Bereitschaft gezeigt, „sich durch Lehrgänge zu quälen“ – keine Selbstverständlichkeit gerade bei Kameraden im höheren Soldatenalter. Doch die „Pionierarbeit“ habe sich gelohnt, auch wenn Buchholtz seine Familie im 600 Kilometer entfernten Zweibrücken in diesen Jahren selten gesehen habe, wie er sagt. 

Zwei, maximal drei Jahre würden Führungsoffiziere an ihren Standorten bleiben, bis zum Fallschirmjägerbataillon in Zweibrücken sei die Familie auch stets zusammen weitergezogen, so Buchholtz. Doch für die Töchter, mittlerweile 14 und 16 Jahre alt, und deren Schullaufbahn sei er alleine nach Rotenburg gegangen. „Meine Frau sagt aber, dass sie mitgekommen wären, wenn sie gewusst hätten, wie schön es hier in Rotenburg ist“, so Buchholtz. 

Zwölf Jahre nach der letzten Veranstaltung dieser Art lädt die Lent-Kaserne wieder die Öffentlichkeit ein. Möglicherweise ist es die letzte, die dort unter diesem Namen stattfindet. Denn die Debatte um eine Namensänderung ist eine jahrelange Baustelle. 

Für ihn sei das Mit- und Nebeneinander von Soldaten und Bevölkerung in der Kreisstadt beeindruckend, auch wenn er mal mit Kollegen in Uniform im Restaurant wahr – kein Problem. Buchholtz’ nächste Station ist das Bundesverteidigungsministerium in Bonn, dort wird sich der Jurist mit Rechtsfragen der Bundeswehr beschäftigen. „Papierpraxis“, scherzt er. Seiner Familie kommt er dadurch aber auch wieder näher. Buchholtz’ Nachfolger in Rotenburg wird Oberstleutnant Maik Münzner, er kommt aus dem Ministerium in Berlin nach Rotenburg.

Größere Baustellen, auch davon soll sich die Öffentlichkeit am Samstag überzeugen, hinterlasse er ihm nicht, sagt Buchholtz. Man sei gut aufgestellt, auch wenn „man hier niemals fertig wird“, so Buchholtz mit Blick auf die 1936 von der Wehrmacht errichtete Liegenschaft mit Flugplatz, die vor 60 Jahren von den britischen Streitkräften an die Bundeswehr übergeben wurde. Erneuerungen bei den Unterkünften oder zum Beispiel ein Gleisanschluss seien nötig. „Da ist die Bundeswehr zu schwerfällig.“

Im kommenden Jahr werden rund 280 Soldaten aus Rotenburg Teil der „Very High Readiness Joint Task Force“ (Einsatzgruppe mit sehr hoher Einsatzbereitschaft/ „Sperrspitze der NATO“), die erste Großübung in Norwegen stehe kurz bevor. Wie sich die Kameraden darauf vorbereiten, mit welchem Gerät sie arbeiten, wo sie Einsätze trainieren – auch all das werde am Tag der offenen Tür vorgestellt. 

Ab 10 Uhr ist Einlass, das vielfältige Programm unter anderem mit der Möglichkeit, in Gefechtsfahrzeugen mitzufahren, mit Waffenschau, Einblicken in die Häuserkampfanlage und die Soldaten-Unterkünfte, mit Kinderprogramm und reichlich Verpflegung gehe ab 17 Uhr in ein Sommerfest über und ende ab 19.30 Uhr mit einem Konzert der Band Bubbleland. „Wir legen Rechenschaft über das ab, was hier in den vergangenen drei Jahren passiert ist“, sagt Buchholtz. „Die Menschen wollen wissen, was mit den Steuergeldern passiert.“

Der Name Lent

Seit November 2013 schwelt die Debatte, mit dem neuen Traditionserlass der Bundeswehr wurde im März noch einmal alles auf Anfang gesetzt. Doch ob der Namensgeber Helmut Lent, Nachtjäger-Pilot der Wehrmacht, sinnstiftend für die heute Bundeswehr ist, bleibt offen. Oberstleutnant York Buchholtz erwartet aber schon „zeitnah“ eine Antwort. 

Er hat beim Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam ein neues Gutachten in Auftrag gegeben. Dessen Empfehlung werde Grundlage einer Entscheidung sein, die letztlich das Ministerium trifft, für die der Standortälteste mit seinen Kameraden aber eine Empfehlung ausspricht. Buchholtz: „Ich hatte manchmal den Eindruck, es würden sich viele Leute damit beschäftigen, nur die, die es betrifft, werden als Letzte gefragt.“

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