Kurze Grünphasen

Rot für Rotenburg: Fußgänger müssen sich an Ampeln beeilen

+
Rote Ampeln und leider auch sehr kurze Grünphasen sind für Verkehrsteilnehmer in Rotenburg ein großes Ärgernis.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Natürlich sind es böse Menschen, die behaupten, Rotenburg mache schon damit seinem Namen alle Ehre, dass dort die Ampeln gerne und überwiegend auf Rot stünden. Aber der Verkehrsfluss, der nun mal über die Engpässe Bahn und Wümme muss, wäre mit Sicherheit anders gar nicht mehr zu regeln. Fraglos haben diverse Kreisel dazu beigetragen, dass es etwas zügiger vorangeht als in der Vor-Kreisel-Ära – aber für Fußgänger ist das Überqueren der Straße in der Kreisstadt, sofern man nicht gerade als Jogger unterwegs ist, nicht ganz einfach.

Das Positive mal zuerst: Gerade im Bereich der Schulen sichern viele Fußgängerampeln den sicheren Überweg der Schüler. Spitzenmäßig ist geradezu die, leider erst nach einem tragischen Unfall errichtete Druckampel am Ausgang der Verdener Straße (Ecke Saturnstraße). Da freut sich der eilige Schüler am Morgen: Kurz gedrückt und nach genau acht Sekunden (wir haben es mehrfach getestet) leuchtet es exakt elf Sekunden grün für die Fußgänger. Da die meisten hier ohnehin mit dem Fahrrad unterwegs sind, ist das kein Problem. Fußgänger müssen schon mal einen Zahn zulegen.

Die elf Sekunden scheinen der Favorit bei den Rotenburger Grünphasen für Fußgänger zu sein – allerdings schaltet kaum eine Ampel so flink um, wie die an der Verdener Straße. Längere Wartezeiten sind da an der Einmündung Gerberstraße einzuplanen. Dafür ist es dann aber auch nur für exakt zweieinhalb Sekunden grün. Wer da in der zweiten Reihe steht, geht oder fährt in der Regel schon bei Rot. Trotzdem dürfte das für die meisten Straßenquerer – überwiegend Schüler - kein Problem sein.

Stephan Lohmann vom Bauamt der Stadt Rotenburg kann das auch erklären: Es gäbe eine „Anforderungszeit, Laufzeit und Nachlaufzeit“. Die sei auch an der besagten Ampel lange genug, um unbedrängt von Autos rüberzukommen. Allerdings sei für diese Ampeln ohnehin „die Landesbehörde in Verden zuständig“ – weil: Bundesstraße. So scheint es nur folgerichtig zu sein, dass es etwas weiter, bei Burger King Ecke Burgstraße, auch nur für knapp drei Sekunden „grün“ ist. Der Weg über die Straße aber ist so weit, dass das niemand schaffen kann. Dazu kommt ein weiteres Problem: Ältere Menschen mit eingeschränkter Sehkraft sehen die Ampel auf der anderen Straßenseite mitunter gar nicht mehr. Sie müssen darauf hoffen, dass es hilfreiche Scharfseher gibt, die ihnen zur Seite stehen und sagen, wenn es „grün“ wird. Exakt so passiert bei unserer Recherche.

Es gibt hier allerdings (wie auch an einigen wenigen anderen Lichtsignalen) extra einen Knopf mit aufgedrucktem Blindenzeichen und der Aufschrift: „Bitte berühren“. Nur passiert dann – gar nichts. Es vibriert nicht an der Hand, es ertönt kein Piepton. Zwar wechselt die Signalfarbe, aber wer das nicht sehen kann, ist schlecht dran. Immerhin: Es „tackert“ an der Ampel! Mal laut, mal leise – immer schön im gleichen Rhythmus. Welche Taktik hinter dem Tacken steht, haben wir nicht ausmachen können. Vermutlich soll es, wenn es leise wird, auf „grün“ hinweisen; aber abgesehen davon, dass man im Verkehrslärm dann sowieso nichts mehr hört, verringerte sich die Lautstärke bereits, als es noch deutlich dunkelrot war.

Die längste Grünphase für Fußgänger gibt es über die kleinste Straße: Wer die Wallbergstraße überqueren möchte, hat sage und schreibe vierzig Sekunden Zeit! Gut überlegt, möchte man meinen, denn an der Ecke liegt ein Altenheim, „Haus Hemphöfen“. Wer allerdings von dort aus in die Stadt über die Glockengießerstraße will, hat den deutlich weiteren Weg und wieder nur elf Sekunden. Im Joggingtempo ist das durchaus zu schaffen. Sonst nicht. Dafür gibt es auch dort Extra-Druckknöpfe für Sehbehinderte. Die kann man streicheln oder, wie gewünscht, „festhalten“. Man merkt nichts. Kein Tack, kein Ton, keine Vibration, kein Piep. Die Stadt, so Stephan Lohmann, werde das alsbald überprüfen lassen. Vielleicht wäre dann auch noch etwas zu überlegen: In etlichen Städten gibt es jeweils kleine zusätzliche Ampeln, die auf „Fußgängerhöhe“ nicht nur auf der gegenüberliegenden Seite angebracht sind, sondern auch genau da, wo man losgehen möchte. Eine sinnvolle Hilfe. Gerade auch für ältere Menschen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Stuttgart patzt gegen Kiel - Bochum verspielt Sieg

Stuttgart patzt gegen Kiel - Bochum verspielt Sieg

Kunsthandwerker-Markt im Müllerhaus Brunsbrock

Kunsthandwerker-Markt im Müllerhaus Brunsbrock

Fronten im Katalonien-Konflikt verhärten sich

Fronten im Katalonien-Konflikt verhärten sich

Malteser Hospizgruppe feiert 25-jährigen Bestehen

Malteser Hospizgruppe feiert 25-jährigen Bestehen

Meistgelesene Artikel

Frontal-Crash mit Baum: Autofahrer bei Unfall auf B75 schwer verletzt

Frontal-Crash mit Baum: Autofahrer bei Unfall auf B75 schwer verletzt

Gäste bedroht und Polizisten beleidigt: Mann in Handschellen von Party abgeführt

Gäste bedroht und Polizisten beleidigt: Mann in Handschellen von Party abgeführt

Schweine-Lkw-Fahrer übersieht Stauende: A1 zwölf Stunden gesperrt

Schweine-Lkw-Fahrer übersieht Stauende: A1 zwölf Stunden gesperrt

Viel zu tun für die neue Kartoffelkönigin

Viel zu tun für die neue Kartoffelkönigin

Kommentare