Rotenburger Clubs engagieren sich in Nepal

Rotarier wollen Schule bauen

Besuch der „Bhimeshwor Lower Secondary School“, die 2012 auch mit Geldern des Rotenburger Entenrennen finanziert wurde.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Gerd Seekamp ist zufrieden. Mit vielen Eindrücken und einer guten Nachricht ist er aus Nepal zurück: „Das Geld ist angekommen.“ Seekamp, Mitglied des Rotary Clubs Rotenburg (Wümme), war mit seinem „Präsidenten“ Jan Müller-Scheeßel zehn Tage in Nepal, um den Fortschritt beim Aufbau einer Krankenstation zu bewerten und die Möglichkeit eines weiteren finanziellen Engagements des Club im Himalaya-Staat auszuloten. Ein Schulneubau-Projekt steht in Aussicht.

Am 25. April 2015 bebt in Nepal die Erde. Es gibt mehr als 8000 Tote. Seekamp ist zu dieser Zeit mit neun Rotarier-Freunden in der Nähe der Hauptstadt Kathmandu, man möchte am Folgetag eine seit 2014 im Aufbau befindliche Krankenstation in Augenschein nehmen. Die beiden Rotenburger Rotary-Clubs und drei befreundete Clubs in Süddeutschland unterstützen das Projekt finanziell. Doch nach dem Beben bricht die Gruppe die Reise ab. Nach drei Tagen bekommen sie einen Heimflug. Das Land versinkt im Chaos.

Vergangene Woche endete für Seekamp die zweite Reise in die Region. Aus der ersten Gruppe war niemand mehr dabei: „Das Erdbeben steckt vielen noch in den Knochen.“ Nur in Begleitung des aktuellen Club-Präsidenten Jan Müller-Scheeßel machte sich Seekamp auf die abenteuerliche Fahrt ins Hochgebirge. Die Strapazen der Reise wurden mit einem positiven Ergebnis versüßt: „Ich habe noch kein anderes Hilfsprojekt auf der Welt gesehen, das so perfekt umgesetzt wurde“, schwärmt der Landwirt im Ruhestand.

Jan Müller-Scheeßel kontrolliert den Bestand des medizinischen Geräts im Gesundheitszentrum in Phalebas.

69.000 Euro seien in das medizinische Gerät für das Gesundheitszentrum in Phalebas geflossen. Tatsächlich sei das Inventar nahezu komplett, habe die Begutachtung ergeben – vom Röntgengerät bis hin zum Verbandskasten. Ein Arzt, eine Hebamme und ein Laborant versorgen laut Müller-Scheeßel bis zu 5000 Menschen in einem Umkreis von 20 Kilometern in dem bettelarmen Land. Teilweise nähmen die Patienten zwei Tage Fußmarsch auf sich, um in der Krankenstation Hilfe zu finden. Das nächste größere Krankenhaus sei fünf Stunden Autofahrt entfernt – zu weit für Notfälle. 30 Patienten würden täglich versorgt, elf stationäre Betten gibt es.

Das kleine Krankenhaus. Dieses ist so konzipiert, dass später noch eine Etage aufgestockt werden kann. - Fotos: Rotary Rotenburg

Der Erfolg des Engagements basiere vor allem auf der Zusammenarbeit mit Menschen vor Ort, sagen die Rotarier. Das Krankenhaus organisiere die Logistik, der bayerische Rotarier und Nepal-Kenner Jörg Bahr sorge mit kontinuierlichen Besuchen im Land für Nachhaltigkeit und Kontrolle. Und nicht zuletzt habe man mit dem renommierten, nepalesischen Architekten Rabindra Puri einen Kooperationspartner, der mit seiner funktional-traditionellen Bauweise innovative Projekte mit der Bevölkerung umsetzen könne.

Denn es gehe nur mit den Menschen, deren kulturelle Eigenheiten man berücksichtigen müsse. Das wird auch beim geplanten nächsten Projekt der Rotenburger Rotarier deutlich. Ziel sei es, wenn die Mitglieder grünes Licht geben, mit Puri zusammen ein „Modell-Dorf“ aufzubauen. In einer Gegend, in der die Infrastruktur vom Beben 2015 vollständig zerstört worden sei, wolle man eine Art „Sozialen Wohnungsbau“ und eine Elementarschule aufbauen, die die schwierigen Konstellationen des Kastensystems berücksichtigen. 

Nicht alle Klassenräume sind bereits wieder gefüllt – viele Kinder sind nach dem Beben lange bei ihren Eltern geblieben.

50.000 Euro hatten die Rotenburger Rotarier nach dem Beben gesammelt, weiteres Geld erhofft man sich durch Zuschüsse des internationalen Verbands. Auch sollen weitere Partner-Clubs mit ins Boot geholt werden. Die Schule böte Platz für 200 Kinder. Da Lehrer in Nepal laut Müller-Scheeßel vom Staat insbesondere auf dem Land sehr schlecht bezahlt würden, müssten Anreize geschaffen werden – „das geht nur über Geld und Kontrolle“. Die von Rotarier Bahr geführte „Schülerhilfe Nepal“ könnte nach der Anschubfinanzierung die Dauerhaftigkeit des Projekts gewähren.

Gerd Seekamp betont, dass man auch „tausend andere Ort“ hätte wählen können in dem armen Land, aber irgendwo müsse man einfach anfangen. Und ohne das Geld aus Deutschland würde sich nichts bewegen: „Wenn die Hilfe nicht käme, würde die Schule verkommen.“

Mehr zum Thema

Spendensammlung der Rotarier erfolgreich: 50.000 Euro für Erdbebenopfer

Erdbeben in Nepal: Stundenlanges Bangen um die Rotenburger Freunde

Rotenburger Rotary-Delegation gesund zurück aus Nepal

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

"Death Stranding" im Test

"Death Stranding" im Test

Islamischer Dschihad vereinbart Waffenruhe mit Israel

Islamischer Dschihad vereinbart Waffenruhe mit Israel

Was von der Wut übrig ist - Ein Jahr "Gelbwesten"-Proteste

Was von der Wut übrig ist - Ein Jahr "Gelbwesten"-Proteste

Meistgelesene Artikel

Bundeswehr vereidigt zum Gründungstag Rekruten

Bundeswehr vereidigt zum Gründungstag Rekruten

40 Jahre nach dem Abschluss

40 Jahre nach dem Abschluss

Ein Wiedersehen mit Everlaunch - Rotenburger Band wird 20

Ein Wiedersehen mit Everlaunch - Rotenburger Band wird 20

Für ein besseres Busnetz

Für ein besseres Busnetz

Kommentare