Landkreis soll auf Landerlebnis setzen

Tourismus-Studie: Die richtige Richtung

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Rad- und Wanderwege sind Umfragen zufolge die touristischen Alleinstellungsmerkmale des Landkreises Rotenburg.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Touristik kann eine trockene Angelegenheit sein. Schon seit einigen Jahren sind der Touristikverband des Landkreises (Tourow) und Landkreisverwaltung mithilfe von Marktforschungsunternehmen dabei, präzise Zahlen und den finanziellen Wert des Fremdenverkehrs in der Region zu errechnen.

Dieser spielt wirtschaftlich eine untergeordnete Rolle. Wie die Akteure ihn aber stärken können, wurde am Donnerstag im Kreishaus vorgestellt. Das Ergebnis: Die Region sollte auf die „heile Welt“ setzen.

Das Tostedter Unternehmen Regecon in Person seines Geschäftsführers Thilo Ramms hatte bereits Ende 2016 den volkswirtschaftlichen Nutzen des landkreisweiten Tourismus vorgestellt. Den am Donnerstag anwesenden Vertretern aus der Branche, der Lokalpolitik und Verwaltung gab er trotzdem eine Auffrischung. 

Für einen Umsatz von rund 102 Millionen Euro sorgen rund 1,06 Millionen Tages- und 1,3 Millionen Übernachtungsgäste pro Jahr. Davon fließen aber circa 30 Prozent durch beispielsweise Wareneinkäufe durch die Gastronomen wieder in andere Regionen. 911 Vollzeit-Arbeitsplätze ergeben sich aus der Wertschöpfung durch Urlauber.

Übernachtungsgäste lassen mehr Geld in der Region

Tagesgäste geben durchschnittlich 20,67 Euro aus, Übernachtungsgäste greifen mit 44,36 Euro täglich mehr als doppelt so tief in die Tasche, hat Regecon ausgerechnet. In beiden Statistiken ist der Landkreis landesweit aber unterdurchschnittlich. Am Ende trägt der Tourismus nur 1,7 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei.

Und nun? Vor dieser Frage stand die Kreispolitik bereits nach der Vorstellung der Zahlen im November. Beantwortet hat sie jetzt der in der Zwischenzeit damit beauftragte Jan-F. Kobernuß von der IFT Freizeit- und Tourismusberatung aus Köln. Er hat die touristischen Stärken und Schwächen im Landkreis ausgemacht und ermittelt, warum Gäste überhaupt kommen. Und was sie sich vom Aufenthalt erhoffen.

Wenig überraschend wiesen die im Internet befragten Besucher – in unterer dreistelliger Anzahl – die Landschaft sowie die Rad- und Wanderwege als die touristischen Stärken des Landkreises aus. Kurzum: das Naturerlebnis. 

Und darauf sollte man nach Ansicht Kobernuß’ setzen: „Rotenburg ist die grüne Lunge zwischen Hamburg und Bremen.“ Tages- und Kurzreisende sollten eine Schwerpunktzielgruppe sein. Der Markt wirkt den Zahlen nach recht groß: Bis zu 9,5 Millionen Menschen leben im Zwei-Stunden-Radius von Zeven aus gesehen. Kaufkraft: etwa 78,4 Millionen Euro.

„Regionalität liegt im Trend“

Um davon möglichst viel abzubekommen, muss nachgebessert werden. Vielleicht zu vernachlässigen ist dabei noch die Kritik der Befragten am öffentlichen Personennahverkehr. Den würden laut Kobernuß auch Gäste in touristisch stärker geprägten Regionen bemängeln. Weitere Schwächen sehen sie aber auch in der Gastronomie und den Freizeitangeboten.

Regionalität liege derzeit im Trend, so der Marktforscher. Die Gäste wollen Landleben, Heimat und die immer hinein interpretierte „heile Welt“. Die Kernthemen sollten demzufolge das Landerlebnis, das Aktiv sein in der Natur, Entschleunigung sowie Erholung sein. Der Landkreis scheint dafür prädestiniert. 

Doch um die Bedeutung des Tourismus in der Region zu steigern, müssen verschieden Zwischenziele erreicht werden: die eigene Identifikation mit oder vielleicht auch Stolz gegenüber der eigenen Heimat stärken, weitere „gute Produkte“ wie die Nordpfade entwickeln und auch deren Profil weiter schärfen. Schließlich würde die Konkurrenz aus diesem Projekt ebenfalls lernen.

Pflege der Wege enorm wichtig

Apropos Nordpfade: Dort sollten die Verantwortlichen auf Management und Pflege der Wege achten. Hier hatte Kobernuß einige Vorschläge parat: mehr Erholungsplätze, mehr oder bessere Ausweisung der Gastronomie („Zur Wanderung gehört auch die Einkehr.“) oder auch Audioinformationen zur Landschaft, abrufbar via QR-Code.

Zuletzt muss sich aber die ganze Branche im Landkreis besser vermarkten und auch stärker Markenbildung betreiben. Die Nordpfade seien auch hier ein positives Beispiel, allerdings im krassen Gegensatz zum Landkreis-Tourismus insgesamt. 

Die Akteure aus Betrieben, Kommunen und Verbänden müssten enger zusammenarbeiten und sich gemeinsam die nächsten Schritte überlegen. Die nötigen Informationen haben sie nun an die Hand bekommen. Was sie daraus machen, liegt jetzt an ihnen. Wenn alle Räder ineinandergreifen, könne man beim Gast etwas erreichen, so Kobernuß. „Tourismus ist eine Mannschaftssportart.“

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