Die Retter am Telefon

Digitales Leben: Rettungsleitstelle in Zeven koordiniert Notrufe

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Der Einsatz ist immer noch Handarbeit, alles was dorthin führt, ist aber voll digitalisiert. 

Rotenburg/Zeven – Ein unscheinbarer, einstöckiger roter Backsteinbau im Gewerbegebiet, nebenan ein Gartencenter und ein verlassenes Autohaus: Allzu modern wirkt hier wenig, und doch verbergen sich hinter den mit Codes gesicherten Türen gleich neben der Feuerwehrtechnischen Zentrale die Räume, aus denen heraus mit neuester Digitaltechnik alle Notfalleinsätze im Landkreis koordiniert werden.

Thomas Hintze muss erst einmal ein paar Papierstapel zur Seite schieben, um Platz für seine Werder-Kaffeetasse zu haben. Der 54-jährige Ottersberger sitzt in seinem Büro in der Einsatzzentrale für Feuerwehr und Rettungsdienst des Landkreises und versucht, dem Besuch aus der Redaktion das zu erklären, was hier seit gut 30 Jahren tägliche Praxis ist – und sich doch stark verändert hat. Wer sich im Kreisgebiet befindet und den Notruf 112 per Handy oder Festnetztelefon anruft, landet in Zeven. Zehn Disponenten sitzen in drei Schichten rund um die Uhr in der Telefonzentrale der Leitstelle, koordinieren und lenken alle Einsätze von Rettungswagen, Notärzten und Feuerwehren. Rund 100 000 Anrufe trudeln jährlich ein, daraus ergeben sich rund 30 000 Einsätze – überwiegend Notfallrettung und Krankentransporte, auf rund 1 500 Einsätze schätzt Hintze das Aufkommen für die Freiwilligen Feuerwehren. In 95 Prozent aller Fälle sollen die Retter binnen 15 Minuten am Einsatzort sein, so die Vorgabe in Niedersachsen. „Das schaffen wir“, sagt Hinze.

Thomas Hinze leitet die Einrichtung des Landkreises, in der pro Jahr rund 100 000 Anrufe auflaufen. 

Die Digitalisierung hat die Arbeit des Teams von Hinze massiv verändert. Er selbst hat als Systembetreuer und Administrator angefangen, leitet die Einrichtung seit dem Jahr 2000 – aber hätte wohl damals kaum ahnen können, mit welchem Tempo heute die Informationen über seine vier Bildschirme im Büro, über Handy und Pager laufen. Zwar sind die Scherzanrufe dank der digitalen Übermittlung von Telefondaten und damit einfacherer Identifizierung deutlich weniger geworden, dafür steigen die Fallzahlen und die Ansprüche der Anrufer. Von den Disponenten, zumeist Rettungssanitäter mit langjähriger Erfahrung im „Außendienst“, wird zunehmend eine Erste Hilfe schon am Telefon erwartet, die angeleitete Reanimation ist keine Seltenheit. Und dann mehren sich die Anrufe – weil damit die Hoffnung verbunden ist, schnell behandelt zu werden.

Der vor rund drei Jahren eingeführte, flächendeckende Digitalfunk hat die Arbeit bei der Einstufung der Fälle und die Übermittlung an die neun Rettungswachen sowie die Feuerwehren zwar erleichtert, fordert die Mitarbeiter der Leitstelle aber zusätzlich: die Menge an Informationen wächst. Es wird mehr getippt, dafür weniger gesprochen: „Es fällt viel Gesabbel weg“, sagt Hinze. Aber auch: „Fehler können in jedem System passieren.“

Diese gab es zuletzt bei der Einführung eines neuen Leitstellensystem gemeinsam mit den Partnern der Kreise Harburg und Heidekreis vor zwei Jahren. Seit 2006 gibt es die Vereinbarung zur Kooperation, rund 550 000 Bürger in den drei Landkreisen auf einer Gesamtfläche von 5 188 Quadratkilometern werden so betreut. Die Probleme zum Beispiel mit doppelten Alarmierungen sind zwar mittlerweile beseitigt und die Kollegen ergänzen sich bei erhöhtem Notrufaufkommen, aber digitale Technik bedeute eben: „Sie funktioniert oder nicht“, so Hinze. Ein vielleicht oder ein bisschen wie in analogen Zeiten, in Zeiten von Telefongesprächen und Notizen, gibt es nicht mehr. „Das ist der Fluch der Technik: Man verlässt sich zu sehr auf sie.“

Doch in Zeven gibt es immer einen Plan b. Das macht auch die große Karte der Region an der Wand der Telefonzentrale deutlich, und in jedem Rettungswagen gibt es bis heute einen Straßenatlas. Auch ohne Navi oder detailliert übermittelte Informationen auf dem Bildschirm finde jeder Retter den Einsatzort. Hinze: „Wir haben Netze und doppelte Böden.“

Und die Anforderungen an die Leitstelle steigen weiter. Seit vergangenem Jahr sind in Neuwagen „ecall“-Systeme Pflicht, die Zahl vollautomatisierter Notrufe bei Unfällen dürfte sich stark erhöhen. Auf der anderen Seite müssen die Retter auf den Datenschutz immer mehr Rücksicht nehmen, die gesetzlichen Vorgaben sind streng – „WhatsApp“-Gruppen oder normale E-Mails sind für die Leitstellenmitarbeiter schon lange ein „No-Go“, wie Hinze betont. Nicht nur die Menschen, sondern auch die Daten, die die Leitstelle betreuen, „sind streng zu schützen“. Und wird es weitere Veränderungen geben? Hinze: „Bestimmt. Aber ich weiß nicht, was.“

Der Notruf 112

Die Einsatzzentrale für Feuerwehr und Rettungsdienst Zeven deckt den gesamten Landkreis ab. Sie nimmt Hilfeersuchen entgegen und koordiniert entsprechend der gemeldeten Lage den Einsatz aller Einsatz-und Rettungsmittel. Die Rettungsleitstelle ist für die Notfallrettung rund um die Uhr telefonisch unter 112 und für den qualifizierten Krankentransport unter 04281 /19222 zu erreichen.

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