Rotenburger Feuerwehr darf wieder in Gruppen zusammenkommen

Restart für Ausbildungsdienste

Natascha Carstensen und Phillip Lins mit dem neuesten Löschgruppenfahrzeug.
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Das neueste Löschgruppenfahrzeug genau zu erkunden, dazu haben die Einsatzkräfte wie Natascha Carstensen und Phillip Lins nun wieder die Möglichkeit.

Nachdem monatelang nur ein minimaler Personenkreis das Feuerwehrhaus betreten durfte, folgen nun erste Öffnungsschritte für die Rotenburger Kameraden – sie dürfen ihre Dienste mit Einschränkungen wieder aufnehmen.

Rotenburg – „Es war Stillstand. Wir haben viele neue Materialien bekommen, aber richtig üben konnten wir damit noch nicht.“ Wenn Phillip Lins und Natascha Carstensen, Pressesprecher der Rotenburger Feuerwehr, auf das vergangene Jahr zurückblicken, ist einiges anders. Kein Dienst- oder Ausbildungsbetrieb, keine Zusammenkünfte. Das soll sich ändern: Bei niedrigen Inzidenzzahlen können die Feuerwehrkameraden ihre Dienste wieder aufnehmen.

In vier Ausbildungsgruppen sind sie eingeteilt, jeweils eine darf sich treffen. Ein paar Einschränkungen gibt es weiterhin, so dürfen die Gruppen nicht gemischt werden. Das besagt eine neue Dienstanweisung von Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch. Das ist ein Fortschritt, war es doch monatelang nur den wenigsten gestattet, überhaupt im Feuerwehrhaus zu sein. Bei Einsätzen sind die Feuerwehrleute direkt in die Autos gestiegen. „Dabei waren diese zu keiner Zeit gefährdet“, betont Lins, der die Maßnahmen vernünftig findet. Ausbildungen fanden in Teilen online statt. „Aber alles geht so natürlich nicht.“ Viele Praxisteile wurden aufgeschoben.

Nur ein minimaler Kreis der 76 Feuerwehrleute hatte Zugang zum Gebäude, zum Beispiel zur Wartung der Geräte. „Es ist gut, dass es wieder losgeht. Wir können uns mit den neuen Geräten befassen und neue Kameraden kennenlernen“, erklärt Lins. Mit neu meint er vor allem diejenigen, die aus der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung wechseln. Acht von ihnen seien 2020 16 Jahre alt geworden und können übertreten. „Sie sind gut ausgebildet. Aber sie müssen bei der Stange gehalten werden. Jetzt wird es ernster, und die Truppmann-Ausbildung fand letztes Jahr nicht statt.“

Auch die Jugendlichen sowie die Kinderfeuerwehr können sich wieder treffen. Allerdings wollen sie warten, bis alle Betreuer komplett geimpft sind, so Carstensen. Sie unterstützt die Ausbildung der Jugend und ist eine von acht Frauen bei den Aktiven. Noch werde die Arbeit oft als Männerdomäne angesehen, „aber das weicht langsam auf“, findet sie. Vor allem bei der Jugend sei das schon sehr ausgeglichen. Weil sie immer mehr Frauen werden, hätten sie zuletzt eine Vergrößerung ihrer Umkleide beantragt – in der jetzigen wird es zu eng.

Was beide sehr positiv nennen: Es gab während der vergangenen Monate keine Austritte. „Wir konnten zwischenzeitlich ein paar Dinge machen, aber es fehlt was. Vor allem die soziale Komponente“, sagen beide. Wenngleich es ohne Frage ein „zeitintensives Hobby“ sei. Familie und Freunde müssen mitziehen – ebenso die Arbeitgeber. „Es macht sehr viel Spaß, und man lernt viel dazu“, erklärt Carstensen.

Im neuen Fahrzeug läuft alles per Touchpad.

Viele Berufsgruppen können ihr Wissen einfließen lassen. Einige sind beispielsweise im Rettungsdienst. „Das ist eine gute Ergänzung, sie erklären auch mal was bei den Diensten“, so Lins. Der Zusammenhalt sei wichtig im Einsatz, genauso wie die Ausbildungen. Die seien zwar im vergangenen Jahr weniger geworden, dennoch gebe es nach wie vor viel zu tun für die Ehrenamtlichen. Waren es 2019 noch 251 Einsätze, zählten die Brandschützer 2020 insgesamt 208 Einsätze. 87 sind es in diesem Jahr allein bis Juni gewesen.

Eine Erklärung für den Rückgang sehen Lins und Carstensen nicht nur in der Pandemie. Die Leute waren zwar viel Zuhause. Gehen dort Warnmelder los und es ist nichts, werden sie ausgeschaltet. „Das bekommt man ja direkt mit“, so Carstensen. Wäre keiner Zuhause, würden meist Nachbarn die Feuerwehr alarmieren. Wenn wirklich ein Feuer entstanden ist, sei der Klassiker oft das auf dem Herd vergessene Essen. Dazu gab es aber auch weniger Stürme im vergangenen Jahr, bei denen die Feuerwehrleute oft im Einsatz sind.

Die Menschen seien zudem wesentlich sensibilisierter. „Größere Zimmerbrände gibt es fast gar nicht mehr“, sagt Lins. Das liege auch an den Rauchwarnmeldern, die mittlerweile Pflicht sind. So würden Brände rechtzeitiger entdeckt. Doch im Zweifel sollte man immer die Feuerwehr rufen, betont Carstensen. „Es gibt ja auch Schwelbrände.“ Technische Hilfeleistungen hätten aber zugenommen, so Lins.

Generell seien die Anforderungen gewachsen – der Einsatz von mehr Technik erfordert entsprechende Fertigkeiten und Fachkenntnis von den Feuerwehren. Vor Ausbruch der Pandemie habe man sich intensiv mit Elektromobilität auseinandergesetzt. Brennt ein Akku, müsse er zum Beispiel dauerhaft gelöscht werden. Bis zu einer Woche könne er wieder anfangen zu brennen. Solche Autos würden daher oft im Wasserbecken versenkt.

Aber nun gelte es erstmal, das Wissen aller auf den neuesten Stand zu bringen. Vor allem bei den Jüngsten rechnet Carstensen damit, auffrischen zu müssen. Zwar habe man versucht, den Kontakt zu halten, doch „ist es schön, sich wieder in Präsenz sehen zu können“.

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