Spektakuläre Landung auf Flugplatz

Transall geht in Rotenburg in Rente

Der Rotenburger Flugplatz hat eine neue Attraktion: Eine Transall C-160 wird zum Ausstellungsstück.

  • Bundeswehr mustert Transportmaschinen aus.
  • Transall künftig auf Rotenburger Flugplatz zu besichtigen.
  • Spektakuläre Landung in der Kreisstadt.

Rotenburg – Sie ist zu früh dran. Eine knappe Stunde, bevor sie angekündigt war, dreht die Transall C-160 „50+66“ am Dienstagmorgen Kreise über Rotenburg, zum Glück sind die meisten Zuschauer schon da. Hunderte sind es, die am Rande des Flugfelds auf dem Rotenburger Flugplatz die Handys und Kameras in der Hand auf die Ankunft warten. Es ist ein selten gewordener Besuch in Rotenburg, aber es ist ein dauerhafter.

Nach der Landung unter die Dusche: Ausgediente Transall kommt in Rotenburg an .

Die Bundeswehr mustert die Transport-Propellermaschinen aus. Achim Figgen aber will sie erhalten – der Flugplatz-Chef hat eine gesichert als Attraktion für die Kreisstadt. Nach 13 000 Flugstunden, nach Einsätzen in Äthiopien, im Sudan, in Afghanistan, Mali und vielen anderen Orten, wo militärische und zivile Hilfe benötigt wurde, geht die 50 Jahre alte „50+66“ in Rente. Sie wird Ausstellungsstück. Sie parkt noch kurz rückwärts ein, auch das kann die alte Dame. Dann: Feierabend.

Rotenburgs neue Attraktion ist gelandet. Die Transall ist da.

„Eher gutmütig und immer zuverlässig“, sei sie gewesen, sagt Hauptmann Torben Grehm, als er mit seinen vier Kollegen nach der mustergültigen Landung auf der nur 806 Meter kurzen Landesbahn Rotenburger Boden betritt. Die begleitende Retro-Transall in Sonderlackierung hat da schon abgedreht, gewackelt und zum Abschied noch einmal mit den Flügeln gewunken, dann geht’s zurück in den Norden, es stehen noch ein paar Abschiede an. 25 Minuten Flug zurück ins schleswig-holsteinische Hohn, wo die letzten Transall der Bundeswehr stationiert sind. Zehn Transall C-160 sind es noch, eine davon geht am Mittwoch nach Celle. Sechs, sagt Figgen, sind noch zu haben – man müsse sich dafür bei der Verwertungsstelle für Bundeseigentum melden, ansonsten kommt das historische Bundeswehrerbe in die Schrottpresse.

Ein Blick in den Frachtraum der Transall C-160.

Figgen hatte den Anruf getätigt im Frühjahr, als er davon gehört hatte, dass die auszumusternden Maschinen zu haben sind. 50.660 Euro kostete das Flugzeug, Lieferung frei Haus inklusive. Aber weder die Flugplatzgesellschaft noch die Stadtwerke oder die Stadt mussten dafür in die Tasche greifen. Es gibt Sponsoren. Es wird aber Folgekosten geben. Die schätzt Figgen auf gut 20.000 Euro. Die Maschine muss auf ihrem dann festen Standort mit einem Betonfundament abgestützt, Beleuchtung eingebaut werden. Frühestens im Oktober werde man so weit sein, dass die Transall besichtigt werden kann. Dafür ist dann ein kleiner Eintrittspreis nötig, „wir wollen kein Geld verdienen“, aber die Instandhaltung müsse refinanziert werden, heißt es.

Rotenburg begrüßt mit Bürgermeister Andreas Weber und Flugplatz-Chef Achim Figgen (r.) die Transall C-160 „50+66“ und deren Besatzung.

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) spricht von einem Gänsehautmoment, als er wie die anderen Besucher die Ankunft bestaunt. Er verweist auf die Verbundenheit der Stadt mit der Bundeswehr, die Geschichte des einstigen Fliegerhorsts, Figgen bezeichnet das Spektakel als „den größten Tag in der zivilen 25-jährigen Geschichte des Flugplatzes“.

Ein Familienfest: Die Besatzung der Transall muss sogar Autogramme geben.

Bevor Besucher die Maschine betreten dürfen, wird alles Militärische noch entfernt. Kopien davon, verspricht Figgen, werde man im 3-D-Drucker anfertigen. Rotenburg freut sich auf seine Transall, das ist unübersehbar.

Die Ära der Transall geht nach mehr als 50 Jahren zu Ende

Die Ära der Transport-Propellermaschinen Transall bei der Bundeswehr geht zu Ende. Die in Rotenburg in Rente gehende Maschine „50+66“ werden auch die nun letzten noch zehn Transall C-160 – das C steht für Cargo oder Fracht, die 160 für die Quadratmeter Flügelfläche – Ende des Jahres ausrangiert sein. Eine davon landet heute in Celle. In Spitzenzeiten waren auf dem Fliegerhorst Hohn bei Rendsburg in Schleswig-Holstein mehr als 30 Propellermaschinen vom Typ Transall C-160 stationiert. Das Lufttransportgeschwader 63 wird aufgelöst. Hohn soll künftig als Ausweichflugplatz für die Luftwaffengeschwader im Norden dienen. Für Lufttransporte und Hilfsflüge setzt die Bundeswehr künftig auf den Airbus A400M und die Lockheed C-130J. Von Hohn aus startete die Transall seit 1968 zu Einsätzen in aller Welt. Der erste Einsatz ging nach einem Erdbeben im Iran in den Iran, um eine Aufbereitungsanlage für Trinkwasser sowie Decken und Kleidung nach Teheran zu bringen. 1969 folgte die erste Atlantiküberquerung. Immer wieder beteiligten sich Besatzungen an Nato-Missionen oder brachten Deutsche aus dem Ausland in Sicherheit.

Rubriklistenbild: © Guido Menker

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