Intakte militärische Schaltzentrale im Bunker

Relikt des Kalten Krieges in Unterstedt

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Die Schaltzentrale des Bunkers.

Unterstedt - Von Wieland Bonath. Eine Atombunker-Anlage wenige Kilometer von Unterstedt entfernt am Kulturpfad, wo der asphaltierte Waldweg in das Grafeler Holz mündet? Viele wissen von diesem Relikt der Bundeswehr aus der Zeit des Kalten Krieges nichts.

Zahlreiche Spaziergänger und Radwanderer beachten den roten Backsteinbau hinter dem grünen Maschendrahtzaun kaum, obwohl hier bis vor 21 Jahren 16 Meter unter der Erde Männer rund um die Uhr Dienst taten. Die Soldaten und Zivilbediensteten waren im Falle eines Atomkrieges für die Bundeswehr ein wichtiger Bestandteil zur Absicherung der militärischen Kommunikation.

Ein Specht hämmert gegen einen Baum, Sonnenstrahlen fallen durch die Bäume. In diese fast totale Stille passt das flache Gebäude hinter dem Zaun mit den Hinweisschildern. Von seinem einstigen Nutzen ist nicht mehr zu sehen. Durch die Fenster und Türen pfeift der Wind. Ein Militär-Lkw-Anhänger mit Tarnbezug steht verlassen in der Gegend.

Der Passant wird neugierig und liest auf großen Infoafeln: „Die (GSVBw) war eine militärische Nachrichtenvermittlungsstelle. Ihre Aufgabe sei die Aufrechterhaltung die Aufrechterhaltung der militärischen Kommunikation im Falle eines Atomkrieges gewesen. Die Anlage sollte das Personal vor atomaren, chemischen und biologischen Waffen schützen. Weiter erfährt der interessierte Hinweistafel-Leser: „Im Ernstfall sollte der Bunker dem Personal das Überleben eines Atomkrieges für die Dauer von 28 Tagen ermöglichen.“ Einen direkten Treffer hätten die Menschen jedoch auch in 16 Metern tiefe kaum überlebt.

Verlassen und nicht mehr gebraucht: die ehemalige Grundnetz-Schalt- und Vermittlungsstelle der Bundeswehr im Grafeler Holz bei Unterstedt. Durch dieses flache Gebäude gelangte man durch schwere Stahltüren in den 16 Meter tiefen Atombunker. 

Derartige Anlagen ließ die Bundeswehr Anfang der 1960er-Jahre nicht nur in Unterstedt bauen. Auch in der Lüneburger Heide gibt es diese Art von Kommunikationseinrichtung. Sogenannte Schwesteranlagen sind außerdem in Lüderesen (Region Hannover) und Elmlohe (Landkreis Cuxhaven) entstanden. Sie alle gehören laut der Hinweistafel am Zaun zur vielfach vorhandenen „besonderen militärischen Sonderinfrastruktur“. Heute stehen sie auf der Liste der Baudenkmale des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Grundnetz-Schalt- und Vermittlungsanlagen wie in der Nähe von Unterstedt gab es bundesweit 33 Stück. Die Baukosten beliefen sich auf jeweils rund 20 Millionen Mark oder zehn Millionen Euro. Der unterirdische Schutzbau ist 50 Meter lang, 25 Meter breit und fast zehn Meter hoch, die Wände sind drei Meter stark. Viele Räume des Bunkers mit autarker Strom- und Wasserversorgung sind noch original erhalten. Auch die Versorgungsnetze sind noch intakt. Die Schutzräume sind so ausgelegt, dass 65 Personen im Verteidigungsfall von der Außenwelt abgeschottet leben konnten.

Inzwischen gehört die Anlage einem spargelverarbeitenden Betrieb aus der Nähe von Visselhövede. Im oberirdischen Bereich soll eine Spargel-Wasch- und Sortieranlageentstehen.

Unter der Erde möchte der Verein „Vorbei“ gerne ein Museum einrichten. So steht es auf einer der Informationstafeln. Das Anliegen des Vereins ist es, derartige Anlagen zu erhalten. Erfahrung haben die Aktiven. „Vorbei betreibt zwei eigene Bunkeranlagen in Elmlohe und Hannover.“

www.vorbei-ev.de

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