Das Wetterjahr 2020 in der Region: sehr trocken und sonnig

Rekordwärme

Dem Bullensee fehlt weiterhin viel Wasser.
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Dem Bullensee fehlt weiterhin viel Wasser.

Rotenburg – Der Klimawandel hat uns weiter voll im Griff. So erreichte das Jahr 2020 im Altkreis Rotenburg bei den Durchschnittstemperaturen erneut ein Rekordniveau. Gleichzeitig wurden Natur und Landwirtschaft vom dritten Trockenjahr in Folge gequält. Außer Mai und Juli waren alle Monate teils erheblich zu warm. Nichts macht den unaufhaltsamen Weg in eine wärmere Welt so deutlich wie das Ausbleiben von Dauerfrost (Eistage) an allen Messstationen unserer Region. Die traurigen Jahresminima bei gleichzeitiger Verdopplung der Hitzetage über 30 Grad im Vergleich zum Klimamittel (1981-2010) sowie die Andauer extremer Wetterlagen zeigen die bedrohliche Dynamik des Klimawandels. Dagegen rückten die wenigen positiven Nachrichten, wie der reichliche Sonnenschein und die eher geringe Zahl von Unwettern, in den Hintergrund.

.  Januar: Schneeglöckchen statt Schneeflöckchen

Die milde Atlantikluft lässt keine Schneeflocke zu. Harmlose Nachtfröste einerseits und Höchstwerte bis 14 Grad (15. Januar) andererseits machen den zentralen Wintermonat zu einem der wärmsten seiner Art und lassen Schneeglöckchen sprießen. Ausgangs der zweiten Januardekade sorgt das Monsterhoch „Ekart“ mit extremen Luftdruckwerten für eine Verschärfung der Wintertrockenheit.

.  Februar: Ein Monat der Superlative

Anfang Februar schaltet die Atmosphäre auf eine sechswöchige Regenzeit um. Mit 250 Prozent des Solls stoßen die Monatsniederschläge in neue Dimensionen vor. Atlantische Sturm- und Orkanwirbel sorgen für heftige Winde und Wärmeschübe, die am 16. Februar in Tages- und Dekadenrekorden von 16 bis 17 Grad gipfeln. Schlussendlich geht der Februar als der zweit- oder drittwärmste seit Messbeginn und mit Abstand feuchteste seit mindestens 170 Jahren in die Statistiken ein. Am Ende eines 3,5 Grad zu warmen Winters öffnen Forsythien und Narzissen viel zu früh ihre Kelche.

.  März: Ein Monat mit zwei Gesichtern

Einer milden, sehr feuchten und windigen ersten Hälfte steht eine trockene, enorm sonnige und spätwinterlich kalte zweite Monatshälfte gegenüber. Ungewöhnlich spät holt Nordeuropahoch „Jürgen“ den Winterhammer raus. Arktische Kaltluft mit Nachtwerten von minus fünf bis minus sechs Grad bescheren der Region am 30. März, so spät wie noch nie, die tiefsten Temperaturen und den ersten Flockenwirbel des Winterhalbjahres.

.  April: Rekordsonnig und äußerst trocken

Eine Unmenge wolkenarmer Tage sorgt in Bremervörde und umzu für rund 280 Sonnenstunden und Aprilrekorde. Gleichzeitig bremsen Hochdruckgebiete die atlantischen Regenfronten aus, sodass die Trockenheit in der Hauptvegetationsperiode bedrohlich zunimmt. Verbreitet fallen nur 20 Prozent der normalen Niederschläge.

.  Mai: Kühl und trocken

Mit einem Paukenschlag treten die Eisheiligen auf. Während am 10. Mai mit 24 Grad ein Sommertag knapp verpasst wird, schafft „Mamertus“ einen Tag später nur noch elf Grad. Die langlebigen Eisheiligen bescheren uns erstmals seit einem Jahr einen zu kühlen Monat. Die Hochdruckdominanz im Frühjahr sorgt von Mitte März bis Ende April für eine der längsten Trockenperioden seit Messbeginn.

.  Juni: Warm und launisch

Erst warm, dann kühl, dann gewittrig und im Abgang hochsommerlich: Der Juni hat viel Abwechslung zu bieten. Rekordhitze ist nicht dabei, dafür ein Auf und Ab der Temperaturen sowie einige eng begrenzte Sturzfluten mit großen Regenmengen.

.  Juli: Herbstfeeling

Der Juli zeigt sich von einer sehr frischen Seite. Statt mit Badewetter grüßt der Frühherbst mit kühlen Schauern und Höchstwerten von unter 20 Grad. Selbst in den Hundstagen ab 22. Juli kommt der Sommer nur mühsam auf die Beine. Mit fast zwei Grad unter normal mausert sich der Juli in Rotenburg zum kühlsten seit 2011.

.  August: Rekordhitze

Im August reißt der Sommer das Ruder komplett rum. Betonhochs über Mittel-Osteuropa und Skandinavien lösen eine enorme Hitzewelle aus. Topwerte um 35 Grad lassen den Schweiß am 8. August besonders heftig perlen. Durch neun heiße Tage in Folge erlangt die Hitzeperiode Rekordstatus. Eine Sensation: Der August ist fast vier Grad wärmer als der Juli.

.  September: Sonne bis zum Abwinken

Nach 200 Sonnenstunden geht dem Spätsommer erst im letzten Septemberdrittel die Puste aus. Zuvor kommt es am 15. September mit 29 Grad fast noch zu einem Hitzetag. Am 26. des Monats beendet ergiebiger Dauerregen eine der längsten Schönwetterperioden im September.

.  Oktober: Ungemütlich

Der Goldene Oktober macht seinem Namen keine Ehre. Nordwestliche Winde bringen kühle Luft, kaum Sonne, dafür reichlich Regen. Zum Monatsende lässt ein massiver Wärmeschub aus Spanien aufhorchen. Er hebt die Monatstemperaturen auf die zu milde Seite und stoppt die üblichen Nachtfröste.

.  November: Recht freundlich und extrem trocken

Der sprichwörtlich trübe Monat kommt ungewohnt hell daher. Was im Oktober an Licht fehlte, holt der November nach. Subtropische Warmluft katapultiert die Temperaturen am 2. November auf die Tagesbestmarke von 19,5 Grad. Anhaltender Hochdruckeinfluss sorgt für einen der trockensten November seit 70 Jahren.

.  Dezember: Ab Weihnachten winterlich

Der Dezember geht anfangs ruhig, trübe und mild über die Bühne. Kurz vor Weihnachten kommt Schwung in die Wetterküche. Tiefdruckgebiete sorgen für Regen und lassen die Temperaturen sinken. So gibt es mal wieder einen leicht winterlichen Jahresausklang.  Reinhard Zakrzewski

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