Ein Besuch im Rotenburger Briefwahllokal

Rekord unter Dach und Fach

Jost Essmann nutzt selbst die Briefwahl und wirft den gelben Umschlag in die Wahlurne im Ratssaal.
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Jost Essmann kandidiert für die CDU und nutzt selbst die Briefwahl für die Stimmabgabe.

Rotenburg – Dort, wo im November der neue Rotenburger Stadtrat erstmals zusammenkommen wird, genau da, wo eigentlich der Ratsvorsitzende, der Bürgermeister sowie weitere Mitarbeiter der Verwaltung Platz nehmen, wenn der Rat über wichtige Entscheidungen debattiert und abstimmt, genau dort sitzen in diesen Tagen Martin Otto und Birgit Lutz. Wenige Meter davon entfernt komplettiert außerdem noch Jan-Luca Donhöfner das Team. Das Trio aus dem Ordnungsamt besetzt bis zum 24. September Rotenburgs größtes Wahllokal – es ist seit Montag für Briefwähler geöffnet. Für die Kommunalwahl sowie für die Bundestagswahl.

Vier Wahlkabinen stehen bereit, dazwischen befinden sich Trennwände. Direkt vor dem Ausgang können die Briefwähler den Umschlag in die Wahlurne werfen. Martin Otto und Birgit Lutz sind zuvor Ansprechpartner für jeden, der vorzeitig seine Stimme abgeben möchte – für die Wahl des Bürgermeisters und des Landrats, für die Besetzung des Stadtrats sowie des Kreistags und auch für die Ortsräte in Waffensen, Mulmshorn und Unterstedt. Zurzeit geht es vornehmlich um die Kommunalwahl.

Bevor es losgehen kann, müssen die Briefwähler bei den beiden Mitarbeitern zunächst ihre Wahlbenachrichtigung vorlegen und einen Antrag auf Briefwahl abgeben. Unterschriften sind zu leisten und viele Dinge zu beachten. „Möchten Sie im Falle einer Stichwahl die Unterlagen zugeschickt bekommen?“, fragt Otto eine ältere Frau. „Ja, bitte“, erwidert diese. Mit den vier Stimmzetteln sowie den Umschlägen in unterschiedlichen Farben sucht sich die Dame eine der Kabinen aus – nach nur wenigen Minuten hat sie alles gut verpackt und kann den gelben Umschlag in die Wahlurne fallen lassen. Sie dreht sich noch einmal ein wenig fragend um – und geht.

Hier geht’s lang zum Briefwahllokal.

Von draußen sind die Stimmen der Händler und Besucher des Wochenmarktes zu hören. Zwischendurch kommt Hauptamtsleiter Uwe Radtke in den Ratssaal, um zu gucken, wie es läuft. „Es läuft gut, sehr ruhig alles“, versichert Otto. Jan-Luca Donhöfner ist derweil damit beschäftigt, die Wahlunterlagen für alle zusammenzustellen, die die Briefwahl beantragt haben und diese zu Hause erledigen möchten. Schon mehr als 1 600 Umschläge sind bereits in die Post gegangen, ist zu erfahren.

Wer wird vom November an genau dort Platz nehmen, wo in diesen Tagen Birgit Lutz und Martin Otto arbeiten? Torsten Oestmann oder Frank Holle als Bürgermeister? „Es wird eng“, sagt einer der Wähler, der seine Stimmen abgegeben hat und noch auf seine Frau wartet, die etwas länger braucht für diese wichtige Entscheidung.

Für manche Rotenburger ist sie so wichtig, dass sie sich ausreichend Zeit nehmen möchten. „Ich nehme die Unterlagen erst einmal mit nach Hause und gucke mir alles in Ruhe an“, sagt eine Frau, „ich kann das nicht so schnell. Und es ist ja noch genug Zeit.“ Martin Otto nickt zustimmend und händigt die Unterlagen aus, die im Einkaufskorb landen. Wahrscheinlich hat diese Frau den Besuch des Wochenmarktes mit dem Gang in das Rathaus verbunden. „Das haben wir heute schon von mehreren Leuten gehört“, berichtet Otto. Bereits um 8.30 Uhr, also pünktlich zur Öffnung des Rathauses, standen die ersten Gäste vor der Tür.

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Immer wieder kommen Wähler zur Tür herein. Lange warten müssen sie nicht, aber zu langen Pausen kommt es für das Team der Verwaltung auch nicht. Birgit Lutz schaut in die gerade aktualisierten Unterlagen und vermeldet, dass schon jetzt, nach gerade einmal knapp drei Tagen, ein Rekord zu verbuchen ist. Schon jetzt habe die Briefwahl-Beteiligung die Zahlen von vor fünf Jahren übertroffen. Es sieht so aus, als sollten sich die Vermutungen von Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann bewahrheiten. Er rechnet mit einer Quote zwischen 50 und 60 Prozent. Da war die Entscheidung, aus dem Ratssaal ein Briefwahllokal zu machen, anscheinend genau richtig.

Die Briefwahl hat begonnen: Jan-Luca Donhöfner tütet die Wahlunterlagen ein, die verschickt werden.

Für die Mitarbeiter der Verwaltung ist es ein netter Job. Immer wieder verwickeln sie die Wähler in einen kleinen Klönschnack. „Kennen Sie eigentlich noch die früheren Bürgermeister“, will eine Dame von Martin Otto wissen. „Zum Teil“, sagt der junge Mann. Die Frau schwärmt von Bodo Räke. „Der war gut“, findet sie.

Die Gründe für die Briefwahl sind unterschiedlich, ist an diesem Vormittag zu vernehmen. Einige wollen verreisen, andere haben großen Respekt vor Corona, gehen auf Nummer sicher. „Könnte voll werden am 12. September“, vermutet ein älterer Mann, „aber es wäre ja gut, wenn viele zur Wahl gehen.“

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