Die Reise per Fernbus als Alternative zur Bahn steht und fällt mit dem Verkehr

Fix was los im Flixbus

+
Der Direktbus von Bremervörde nach Berlin ist eine Alternative zur Bahn- oder Autofahrt.

Bremervörde - Von Ralf G. Poppe. Bus statt Bahn – seit einiger Zeit bieten Fernbusse eine kostengünstige Alternative. Im Landkreis Rotenburg fährt das Busunternehmen „MeinFernbus/Flixbus“ gegenwärtig Bremervörde an. Autor Ralf G. Poppe testete die Direktverbindung von Bremervörde nach Berlin.

„Verflixt noch mal, es muss doch möglich sein, aus Bremervörde bequem direkt nach Berlin zu reisen.“ Diese oder ähnliche Aussagen hörte man immer mal wieder, bis im Sommer eine Direktverbindung Realität wurde. Grund genug, Komfort und Pünktlichkeit einmal selbst unter die Lupe zu nehmen.

Donnerstagmorgen, 9.30 Uhr: Der Fernbus soll Bremervörde verlassen. Wenn er denn da wäre. Nach dem Start in Bremerhaven und einem Zwischenstopp in Beverstedt hat der Bus leichte Verspätung. Fahrgäste sollen sich rund 15 Minuten vor Fahrtbeginn an der Haltestelle einfinden. Eine warme Jacke sollte also schon dabei sein. Auch Katja B. wartet auf den Fermbus. Sie begleitet ihren Ehemann zu einem Pressetermin. Sie guckt zur Uhr: Um 9.40 Uhr trifft der Reisebus ein. Er ist mit insgesamt 15 Personen bereits gut besetzt. Um 9.43 Uhr steigen eine Frau und zwei Männer zu. Die Reise geht los.

Der Fernbusanbieter „MeinFernbus/Flixbus“ hat im Juli drei neue Stopps im Norden von Niedersachsen in sein Streckennetz aufgenommen. Bis zu zweimal täglich geht es mit der Linie 250 von Bremerhaven über Beverstedt, Bremervörde und Stade nach Berlin, allerdings nur, wenn vor planmäßiger Abfahrt ein Ticket von der jeweiligen Haltestelle gebucht wurde oder Fahrgäste aussteigen wollen. Einer der Mitreisenden ist ein knapp 50-jähriger Berliner, der in Bremervörde eine Bekannte besucht hat. Auch er fährt erstmals mit dem Fernbus. „Eigentlich bin ich Bahn-Fan“, sagt er. „Aber die Preisgestaltungsmöglichkeiten dort sind nicht mehr so wie vor 20 Jahren. So kann ich mir eine Bahnfahrt kaum noch leisten.“ Um 10.23 Uhr ist mit dem Bahnhof in Stade die nächste Station erreicht. Die Fahrt verläuft entspannt, das Bordradio ist als leichte musische Untermalung erfreulich dezent wahrnehmbar.

Der Busfahrer merkt über seine Sprechanlage an, man habe derzeit eine Verspätung von ungefähr einer halben Stunde. Um 11.44 Uhr ist der ZOB in Hamburg erreicht. Einige Fahrgäste steigen aus, gut 20 kommen neu dazu.

Grundsätzlich gilt für Fernbus-Reisende: Je eher die Fahrgäste buchen, desto günstiger ist das Ticket. Wer von Bremervörde nur nach Hamburg reisen möchte, zahlt zwischen fünf und 9,50 Euro und muss eineinhalb Stunden Fahrzeit einplanen.

In Hamburg erfolgt die Abfertigung der Zugestiegenen sehr schnell, um 11.52 Uhr geht die Reise bereits weiter. Nach einer Totalsperrung verlassen wir die Autobahn. Der Fahrer wird nervös. Er muss seine Pausenzeiten einhalten. Um pünktlich zur nächsten Haltestelle zu gelangen, wird eine 30-Kilometer-Zone auf einer Gemeindestraße mit gefühlten 70 Stundenkilometern durchfahren. Ein Traktor mit Güllewagen fährt voraus – der Busfahrer flucht lauthals. Als seine Ablösung zusteigt, meckert er: „Ich bin jetzt vier Stunden 29 Minuten gefahren.“ Die Lenkzeitüberschreitung lässt grüßen. Wortlos zieht er von dannen.

Dass es auch anders geht, zeigt tags darauf die Rückfahrt. Pünktlich um 13.15 Uhr verlässt der Bus die Haltestelle, Busfahrer Sven stellt sich über den Bordlautsprecher vor. Er erklärt den Reisegästen die Route, eventuelle staubedingte Verzögerungen sowie die Benutzung des Bord-WCs. Sogar W-Lan und Aufladebuchsen für Smartphones soll es an Bord geben. Da der pflichtbewusste Busfahrer seine Pausenzeiten einhält, gibt es nach einem Stau eine halbstündige Fahrerpause auf dem Autohof Hamburg-Süd. Die Ankunft in Bremervörde erfolgt um 19.40 Uhr. Ursprünglich geplant war 18.15 Uhr. „Schön, wieder heil zu Hause angekommen zu sein“, meint Katja beim Aussteigen. Dank Fahrer Sven ist alles gut gegangen.

bz

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Mirjana Prather: Freibad statt Ärmelkanal

Mirjana Prather: Freibad statt Ärmelkanal

Kommentare