Regina Buchhop appelliert, den Wildnachwuchs nicht anzufassen

Finger weg!

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Die Rehkitze sind nur ganz schwer an die Flasche zu gewöhnen.

Unterstedt - Von Bettina Diercks. Zwei pflegebedürftige Sorgenkinder halten Regina Buchhop derzeit auf Trab: Zwei Kitze, also Rehnachwuchs, sind zu ihr in die Wildtierstation „Am Westermoor“in Unterstedt gelangt. Sie großzuziehen, ist kein einfaches Unterfangen.

„Kitze aufziehen ist deutlich schwieriger als andere Wildarten“, sagt die Tierschutzvereinsvorsitzende, die seit 20 Jahren mit Genehmigung des Veterinäramtes Wildtiere in Obhut nehmen darf. „Rehe sind sehr stressanfällig“, erzählt Buchhop. „Erst das Fangen, dann der Transport und dann noch der Mutterentzug können selbst nach drei Wochen dafür sorgen, dass sie plötzlich sterben.“

Im Gegensatz zu anderem „wilden Nachwuchs“ seien Kitze nur ganz schwer an die Flasche zu gewöhnen. „Bei der Fütterung kann man ganz viel falsch machen“, sagt Buchhop, die immer wieder erlebt, dass sich ungeübte, selbsterklärte Rehfreunde an der Aufzucht versuchen. Vor einigen Jahren erlebte die Tierschützerin den Fall, bei dem Finder einem Kitz eine Mischung aus Kuhmilch und Schlagsahne einflößten. „Auf Anraten eines Tierarztes“, ist Buchhop heute noch entsetzt. Erst als das Kitz an dem einsetzenden, schweren Durchfall zu sterben drohte, meldeten sich die Leute bei Buchhop, die ihre „Mühe und Not“ hatte, das Tier zu retten.

In diesem Jahr ärgert sie sich aber mehr über zwei Fälle, die bekannt wurden, sagt sie. „Ein Landwirt hat einem Kitz alle vier Beine abgemäht, hat das schreiende Kleine liegen lassen und ist einfach so davon gefahren.“ Ein weiterer hätte eins angemäht, dann mit bloßen Händen angefasst und an die Seite getragen. Laut Buchhop ein Todesurteil, da keine Ricke (ein weibliches Reh, Anm. d. Red.) danach wieder ihr Kitz annimmt. Eines ihrer jetzigen Findelkinder stammt aus einem Privatgarten. Die Ricke hatte ihr Kitz dort gesetzt, war daher den Besitzern bekannt, und wurde überfahren.

Buchhop kennt aber ganz andere Fälle, weil die Menschen aus Fürsorge aber Ahnungslosigkeit völlig sorglos Kitze einsammeln. „Die Ricke legt ihr Kitz über Stunden in der Landschaft ab und bleibt niemals lange bei ihm liegen. Sie ist über Stunden weg und geht ihrem eigenen Tagesablauf wie fressen nach“, erklärt Buchhop. Immer wieder erlebt sie, wie Kitzfinder sich rechtfertigen: „Wir haben aber über eine Stunde gewartet. Die Ricke ist bestimmt überfahren worden.“ Die Wahrscheinlichkeit sei eher gering, meint Buchhop. „Eine Ricke lässt sich solange nicht bei ihrem Kitz blicken, wie sie nur irgendetwas Fremdes in seiner Nähe ahnt.“ Deshalb rät die Tierschützerin: „Erstmal generell: Wildtiere auf keinen Fall anfassen. Am besten nach Hause gehen. Wenn Zweifel bestehen, was mit dem Tier ist, einen Fachkundigen wie den Jagdpächter verständigen.“ Denn nicht zu vergessen ist: „Man nimmt der Ricke das Kind weg und dem Kitz die Mutter. Sie kann Milchstau und damit -fieber bekommen.“ Für beide gelte, dass sie durch Trennungen in Lebensgefahr gebracht würden. Außerdem fällt die Aneignung eines Wildtieres laut der Tierschützerin unter Jagdwilderei, die mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet wird.

Und, obwohl die Kitze mit der Flasche aufgezogen werden, vermeidet Buchhop alles, um die niedlichen Vierbeiner auf den Menschen zu prägen, da sie wieder ausgewildert werden müssen. „Sonst haben die in der freien Natur keine Überlebenschance“, sagt sie. Buchhop muss die Kitze über den Winter bis in das Frühjahr hinein behalten. „So lange, wie sie sonst von der Mutter begleitet werden“, sagt Buchhop. Erst mit der nahenden Geburt der Geschwister nabelt sich der Nachwuchs ab.

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