Seit mehr als 60 Jahren aktiv

Rotenburger Funkamateure: Reger Verkehr im Äther

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Dieter Hoff hat das Rufzeichen DL4BBE und steht täglich mit Amateurfunkern in der ganzen Welt in Verbindung.

Rotenburg - Wer sich ein Funkgerät mit den nötigen Zubehörteilen anschafft, ist nicht automatisch berechtigt, seine Nachrichten, sei es als Tast-, Sprech- oder Digitalfunk, in den Äther zu schicken. „Erst nach einer bestandenen Prüfung bei der Bundesnetzagentur erhält der Funkamateur die Genehmigung, mit einem eigenen Rufzeichen am weltweiten Funkverkehr teilzunehmen“, sagt André Fuge, Vorsitzender des Ortsverbandes Rotenburg des Deutschen Amateur-Radio Clubs (DARC).

Dieser ist seit mehr als 60 Jahren aktiv. „Wir haben zurzeit etwa 48 Mitglieder aus 16 Ortschaften rund um die Kreisstadt sowie in Lüchow und Magdeburg“, so Fuge in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Immer am letzten Freitag des Monats treffen sie sich zum Fachsimpeln und Info-Austausch in der „Oase“ direkt vor der Lent-Kaserne.

Kassenwart Dieter Hoff besitzt seine Lizenz seit 1980 und sendet unter dem Rufzeichen DLB4BBE seine Nachrichten im Kurzwellenbereich von 1,8 bis 30 Megahertz in die Welt. Er gehört noch zu den wenigen, die über Tastfunk, also mit einer Morsetaste, nach dem internationalen Morse-Code kommunizieren. Dazu verwendet er eine halbautomatische Morsetaste, bei der die „Punkte“ (kurze Zeichen) automatisch produziert werden und die „Striche“ (lange Zeichen) manuell von ihm angepasst werden. Die Taste ist mit dem Sender verbunden, der die Signale über die Antenne, die bei Hoff im Garten steht, mit Lichtgeschwindigkeit theoretisch weltweit im Äther (als Raumwelle) verbreitet.

Geräte aus alten NVA-Beständen

Damit Hoff hört, ob jemand auf seinen Ruf antwortet, hat er einen Funk-Empfänger. Der Amateurfunker hatte das Glück, jeweils vier Sender und Empfänger aus alten NVA-Beständen zu ergattern, die nach der Wende angeboten worden waren. Diese hat er in seiner Funker-Bude im Obergeschoss seines Hauses – fernab der Hörweite seiner Ehefrau – aufgebaut.

Dieter Hoff vor seiner Antennenanlage.

„Ich sende zu 90 Prozent in Tastfunk. Ganz selten gehe ich auf Sprechfunk über. Das macht mir persönlich mehr Spaß und ist noch echte Handarbeit.“ Außerdem erwische er sich dabei, in Erinnerungen zu schwelgen, erklärt Hoff. Er erlernte das Funken und Abhören als Horchfunker beim Fernmeldebataillon 120 in der Rotenburger Lent-Kaserne.

„Dort haben wir die Funkverkehre der in Ostdeutschland stationierten Soldaten der Sowjetarmee sowie der Nationalen Volksarmee im Kurzwellenbereich abgehört.“ Als Profi sei für Hoff die Lizenzprüfung zum Amateurfunker damit „ein Klacks gewesen“. Der Reiz, eine Amateurfunk-Station zu betreiben, liege in der faszinierenden Technik der Sender und Empfänger sowie deren Instandhaltung. Besonders groß sei die Freude, wenn sich bei selbstgebauten Anlagen der Erfolg durch gute Sende- und Empfangsbedingungen einstelle.

Mitglieder des DARC Ortsverbandes Rotenburg treffen sich monatlich zum Fachsimpeln in der „Oase“. 

Auch kenne der völkerverbindende Funkverkehr der Amateure keine Unterschiede der Rassen, des Standes oder der politischen Weltanschauung, denn das sind weltweit keine Diskussionsthemen bei den Verbindungen.

Rund 2,5 Millionen Menschen gehen ihrem Hobby nach. Dabei benutzen sie die zugewiesenen Frequenzbereiche der Bundesnetzagentur. Viele Amateure legen den Schwerpunkt ihrer Bemühungen auf die Kontaktaufnahme mit möglichst weit entfernten Stationen und sammeln sogenannte „QSL-Karten“ (Funkbestätigungen). Das Karten-Management hat Bernhard Radde im Rotenburger Club übernommen.

Neue Betriebsarten halten Einzug

Nach dem Morsen und Funksprechen haben weitere Betriebsarten Einzug bei den Amateuren gehalten: Funkfernschreiben, Bildübertragung, Satellitenfunk sowie Erde-Mond-Funkkontakte sind seit Jahren selbstverständliche Mittel der Kommunikation. Experimente mit Mikrocontrollern, Programmierung und die Entwicklung neuer digitaler Übertragungsverfahren sind ebenfalls elementare Bestandteile, erklärt der Vorsitzende Fuge.

Wer Lust hat, einmal beim Verein zu schnuppern, kann zu den Treffen in die „Oase“ kommen oder sich mit André Fuge unter der Telefonnummer 04281 / 951787 in Verbindung setzen.

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