Bei den Rotenburger Werken

Inkognito in Rot: Redakteur im Einsatz als Nikolaus

Der Nikolaus verteilt Geschenktüten an die Kinder und Jugendlichen.
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Der Nikolaus verteilt Geschenktüten an die Kinder und Jugendlichen.

Was für alle Besucher gilt, ist in Zeiten der Pandemie auch für den Redakteur ein Muss, bevor er zum fünften Mal ins Nikolaus-Kostüm schlüpfen darf, um die Kinder und Jugendlichen aus den Wohnbereichen der Rotenburger Werke zu beschenken. Trotz doppelter Impfung heißt es für ihn: Stäbchen rein, sicher sein. Ohne negativen Coronatest, der von Mitarbeitern des werkeeigenen Schnelltestzentrums durchgeführt wird, geht an diesem Tag nichts.

Rotenburg - Auch für die jungen Besucher der Nikolausfeier gelten strenge Hygieneregeln. Sie tragen nach Möglichkeit eine Mund-Nase-Maske und stehen getrennt nach Wohngruppen im Freien. Diakonin Kathrin Frost erklärt: „Wir haben einige Kinder, die unter zwölf Jahre alt sind und deshalb noch nicht geimpft sein können. Uns ist es wichtig, ihnen bestmöglichen Schutz zu bieten.“

Weil das lange Zeit nicht möglich war, entschlossen sich Frost und die pädagogische Leiterin des Kinder- und Jugendbereichs, Meike Bertram, im vergangenen Jahr schweren Herzens dazu, den traditionellen Besuch des Nikolauses abzusagen. „Wir sind unglaublich froh, dass wir diese schöne Aktion nach einem Jahr Pause nun aber wieder realisieren können – auch wenn es in unserem schön geschmückten Café natürlich gemütlicher ist als hier auf der Wiese vor dem Haus Niedersachsen.“

Das Wichernhaus, in dem am 6. Dezember sonst 50 Kinder und Jugendliche rund um den Weihnachtsbaum sitzen, einer Geschichte lauschen und bei Kakao und Punsch dem Besuch des Nikolaus entgegenfiebern, bleibt an diesem Nachmittag geschlossen. Der Raum ist zu klein, um die Abstandsregeln einzuhalten. Die Gefahr einer möglichen Ansteckung deshalb zu groß.

Die Bescherung wird stattdessen zur Outdoor-Veranstaltung – bei lausigen zwei Grad Celsius und tiefgrauem Himmel, aber leider ohne Schnee. Dafür bleibt es immerhin trocken. Zum Schutz vor der Kälte sind die Kinder und Jugendlichen warm eingepackt, tragen dicke Jacke, Mütze und Schal.

Der Redakteur im Nikolaus-Pelz freut sich seinerseits über seinen prächtigen roten Mantel und die wärmende Mütze. Das Kostüm ist genau das Richtige für die nasskalte Witterung an diesem Nachmittag. Schöner Nebeneffekt: Saß das Kostüm in der Vergangenheit oft ein wenig luftig, so sorgt die Winterjacke unter dem Mantel dieses Mal für einen authentischen Auftritt. Jetzt nur noch den Rauschebart bändigen, der beim Sprechen in den Mund wandert – dann kann es endlich losgehen.

Die Kinder haben seit Ausbruch der Pandemie auf so viel verzichten müssen, beliebte Veranstaltungen mussten abgesagt werden – deshalb tut ihnen der Nachmittag heute so gut. Er gibt Hoffnung darauf, dass bald wieder mehr möglich sein wird.

Diakonin Kathrin Frost

Die allgemeine Aufregung unter den Besuchern ist inzwischen groß. Das gilt auch für die älteren Jugendlichen, die sonst großen Wert darauf legen, cool zu sein. „Alle freuen sich seit Tagen auf den Besuch des Nikolaus. Die Kinder haben seit Ausbruch der Pandemie auf so viel verzichten müssen, beliebte Veranstaltungen mussten abgesagt werden – deshalb tut ihnen der Nachmittag heute so gut. Er gibt Hoffnung darauf, dass bald wieder mehr möglich sein wird.“

Aber Moment, fehlt da nicht noch etwas? Was wäre ein Nikolaus ohne Jutesack, prall gefüllt mit Leckereien? Meike Bertram hat dafür wieder 50 Tüten liebevoll gepackt und dabei an alle gedacht: Auch an die Kinder, die auf Sondenkost angewiesen sind und deshalb nichts Süßes essen dürfen. „Sie bekommen statt Schokolade ein Hörbuch“, erzählt Bertram.

Mit einem Sack über der Schulter, so viel Klischee muss sein, schlendert der Nikolaus in Begleitung seiner beiden Helferinnen Kathrin Frost und Meike Bertram über das Gelände zur Wiese, wo die Kinder bereits warten und sofort aufgeregt Fragen stellen: „Wo ist denn dein Pferd, Nikolaus?“, „Kommst Du wirklich extra von Lappland aus zu uns?“, „Was hast du in deinem Sack?“ und „Hast du eine Rute dabei?“. Der Nikolaus kann die Kinder beruhigen: „Keine Rute, weil ihr alle brav ward, wie ich weiß. Aber dafür drei Säcke voller Geschenke!“

Die Erleichterung ist genauso groß wie die Ungeduld. Höchste Zeit also, um mit der Bescherung zu starten. Dass der Nikolaus wirklich für jedes Kind ein Geschenk hat und sogar alle Kindernamen kennt, sorgt für großes Erstaunen. Die beiden Souffleusen Kathrin Frost und Meike Bertram flüstern die Namen zu und beherrschen ihren Job so gut, dass dieser kleine Schwindel nicht auffliegt.

Nach einer halben Stunde halten alle Kinder und Jugendlichen überglücklich ihr Geschenk in den Händen, und das Interesse darin ist größer als an dem Nikolaus, der trotzdem noch freundlich verabschiedet wird.

Er wird als Nächstes in der Gruppe mit pflegeintensiven Bewohnern erwartet. „Wir wollten es diesen Kindern und Jugendlichen nicht zumuten, draußen in der Kälte zu warten“, erklärt Diakonin Kathrin Frost. Die sechs Jungen und Mädchen, die zum Teil auf einen Rollstuhl und Sondenkost angewiesen sind, warten in dem weihnachtlich geschmückten Aufenthaltsbereich.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Auf dem Weg dorthin nimmt sich der Nikolaus Zeit für Gespräche mit erwachsenen Bewohnern, er erfüllt Foto- und Videowünsche. Die Pressestelle der Rotenburger Werke begleitet ihn dabei und sammelt Material für die eigene Facebook-Seite.

Dann erreicht der Nikolaus endlich die Terrasse, die zur Wohngruppe gehört. Die Bewohner sind ganz still, als der Nikolaus an die Glastür klopft und eintritt. Mit besonderer Rücksicht auf die gesundheitlichen Besonderheiten überreicht er an jedes Kind eine Geschenktüte und verspricht: „Im nächsten Jahr komme ich wieder.“

Damit endet einer der wohl außergewöhnlichsten Termine des Jahres – ganz sicher aber der schönste. Alle Geschenke sind verteilt, das Kostüm verpackt, und der Pressevertreter nimmt selbst eine Menge mit: Ein gemaltes Bild von einem jungen Künstler, etwas Schokolade und – damit hatte der Redakteur im roten Mantel in diesem Jahr selbst nicht mehr gerechnet – sogar ein bisschen Vorfreude aufs Weihnachtsfest.

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