Reaktion auf Krebsstudie von Bothel

Ärzte wollen mehr Kontrolle

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Die IPPNW-Ärzte fordern Maßnahmen nach der Botheler Studie.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Mit der Forderung nach einem erneuten Moratorium für alle Fracking-Maßnahmen und stärkeren Kontrollen der Gas- und Ölindustrie reagiert die Ärzteschaft der Regionalgruppe IPPNW (Ärzte in sozialer Verantwortung) auf die Analyseergebnisse aus der Botheler Krebsstudie.

Die Ärztegruppe um den Umweltmediziner Matthias Bantz hatte Anfang 2016 bundesweit für Aufsehen gesorgt, als sie sich in einem von mehr als 200 Kollegen unterzeichneten offenen Brief an die niedersächsische Landesregierung gewandt und mehr Geld und Studien für Aufklärungsmaßnahmen im Zusammenhang mit Gefahren der Erdgasindustrie gefordert hatten.

„Zwingend folgende Konsequenzen“ von Ärzten ausformuliert

In einer Mitteilung der Ärzte auf Basis der Studienergebnisse heißt es nun, dass die in Bothel um 100 Prozent erhöhte Rate von an hämatologischem Krebs (bösartige Erkrankungen des Blutes, des Knochenmarks und des lymphatischen Systems) erkrankten, älteren Männern zum einen im Zusammenhang mit Arbeitsplätzen in der holzverarbeitenden Industrie stehe. Zum anderen zeige sich, „dass die erkrankten Personen signifikant dichter an Bohrschlammgruben und Förderanlagen wohnten.“ Dabei wiesen Bohrschlammgruben trotz größerer Entfernungen statistisch deutlichere Effekte auf als die Erdgasförderanlagen. Zudem sei eine Neuerkrankungsrate erkennbar – statt der statistisch 2013 und 2014 zu erwartenden fünf Fälle zeigten sich acht neu an hämatologischen Krebsarten Erkrankte. Die Ärzte sehen nun „zwingend folgende Konsequenzen“:

• Eine unabhängige prospektive Fall-Kontrollstudie mit Schadstoffmessungen für wahrscheinlich verursachende Stoffe, die Zusammenhänge sichern kann. Zeitraum: nicht unter drei Jahren.

• Sofortige Schadensminimierung: Der volle Umfang bereits bestehender Kontrollmöglichkeiten der Gas- und Ölindustrie durch Behörden muss ausgeschöpft werden. Die ausführenden Institutionen müssen hierfür ausreichend ausgestattet werden. Eine unabhängige adäquate Schadstoffmessung ist unabdingbar – hier müssen unbedingt auch radioaktive Substanzen Beachtung finden.

• Hinweisen zu Umweltschädigungen muss zeitnah nachgegangen und die Vergehen gegebenenfalls sofort beendet und behoben werden im Sinne des Verursacherprinzips.

• Die Möglichkeiten der Sanierung von Bohrschlamm enthaltenden Gruben müssen geprüft und auf der Grundlage des Verursacherprinzips umgesetzt werden.

• Alle rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz des Trinkwassers sind anzuwenden.

• Umweltverträglichkeitsprüfungen müssen durchgeführt werden.

• Auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips ein Moratorium für Fracking.

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