„Raus aus 20-Prozent-Loch“ 

SPD-Präsidium spricht sich für Klingbeil als Generalsekretär aus

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Der 39-jährige Lars Klingbeil will Generalsekretär der SPD werden. Das Präsidium seiner Partei spricht sich einstimmig für den Bundestagsabgeordneten aus Munster aus.

Rotenburg/Berlin - Von Guido Menker. Lars Klingbeil soll neuer Generalsekretär der SPD werden. Damit bestätigt sich das, was schon in der vergangenen Woche durchgesickert war und für parteiinterne Kritik gesorgt hatte.

SPD-Chef Martin Schulz hat den 39-jährigen Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Rotenburg I / Heidekreis am Montag offiziell für das Amt vorgeschlagen. Das Präsidium spricht sich nun einstimmig für den Munsteraner aus. Bis zur Entscheidung beim Bundesparteitag Anfang Dezember will Klingbeil für tief greifende Veränderungen in seiner Partei werben.

Klingbeil stehe für einen „echten Generationswechsel“ in der Führung der Sozialdemokraten und sei „einer unserer profiliertesten Digitalpolitiker“, sagte Martin Schulz. Die SPD-Frauen hatten sich hingegen eine weibliche Besetzung gewünscht. Klingbeil hat sich bereits mit der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), Elke Ferner, für ein Treffen verabredet, sagte er nach der Pressekonferenz am Montag.

Aber auch in Sachen Parteiarithmetik komme die Personalie nicht ganz günstig, heißt es in Berlin. Schließlich hat die SPD in der Opposition nur noch wenige prominente Posten zu besetzen. Klingbeil ist Niedersachse und gehört dem konservativen Seeheimer Kreis der SPD an. Die Parteilinke fühlt sich nicht genug berücksichtigt. Noch dazu will Ex-Fraktionschef Thomas Oppermann – ebenfalls Niedersachse – Bundestagsvizepräsident werden. Klingbeil versprach am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung: „Als Generalsekretär stehe ich für die ganze Partei und werde auch auf alle Teile zugehen.“ Bis zum Bundesparteitag wolle er sich vorstellen und Fragen beantworten aber vor allem eines tun: „Zuhören“.

Mehr Verantwortung stand schon vor der Wahl „im Raum“

„Ich würde lügen, wenn ich sage, es bleibt alles so, wie es ist“, erklärte der 39-Jährige auf die Frage, wie er den Spagat als Generalsekretär seiner Partei und Bundestagsabgeordneter schaffen will. Aber er habe schon vor der Wahl gesagt, künftig mehr Verantwortung übernehmen zu wollen. „Das stand im Raum.“ Das Ergebnis der Bundestagswahl stärke ihm dabei den Rücken. Es gehe um Veränderungen innerhalb der Partei, und eben die habe er selbst ja auch eingefordert. Klar sei zudem, dass er künftig deutschlandweit viel mehr als bisher eingebunden sei. Aus einem Gespräch mit dem noch amtierenden Generalsekretär Hubertus Heil habe er für sich jedoch mitgenommen, dass die Präsenz auch im Wahlkreis weiterhin möglich sei. Klingbeil: „Der Wahlkreis ist ein wichtiges Standbein. Ich werde mich kümmern.“

Mit der neuen, zusätzlichen Aufgabe sei eine Herausforderung verbunden, doch zugleich werde er andere Aufgaben abgeben, künftig also nicht mehr Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen-Bremen sein und auch nicht mehr als netzpolitischer Sprecher seiner Partei fungieren. „Ich habe großen Respekt vor der neuen Aufgabe, aber ich freue mich auch darauf.“ Die Partei habe bei der Bundestagswahl am 24. September ihr schlechtestes Ergebnis geholt – jetzt gehe es darum, „die SPD aus dem 20-Prozent-Loch herauszuholen“. 

SPD für Digitales besser aufstellen

Allen voran will Klingbeil die Sozialdemokraten für das digitale Zeitalter aufstellen. Für ihn selbst gehe es darum, zunächst einmal in die Partei hineinzuhören – in den Landesverbänden, in den Arbeitsgemeinschaften und bei den Hauptamtlichen. Klingbeil spricht von einer „tiefgründigen Erneuerung“, bei der es auch um Rituale und Strukturen gehen müsse. Dafür wolle er werben. „Ich werde bis Anfang Dezember unterwegs sein“, sagt er.

Lars Klingbeil wurde 1978 in Soltau geboren. Er war seit 2001 Mitglied im Stadtrat von Munster, seit 2006 Abgeordneter im Kreistag des Heidekreises. 2005 war er für neun Monate als Nachrücker im Bundestag, 2009 und 2013 zog er über die Liste ein. Am 24. September dieses Jahres holte er sich gegen Kathrin Rösel (CDU) das Direktmandat – und das mit einem der besten Ergebnisse aller SPD-Direktkandidaten. Lars Klingbeil gehört dem Verteidigungsausschuss an und ist netzpolitischer Sprecher.

Als künftiger Generalskretär kämen neue Aufgaben auf ihn zu. Er würde zum Sprachrohr der SPD und müsste in die Offensive gehen. Klingbeil: „Ich kann zuspitzen, aber ich werde bestimmt nicht breitbeinig durchs Land laufen. Das ist nicht mein Stil.“ Er setze auf seriöse Opposition.

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