Saxofonist Daniel Gebauer und Organist Nala Levermann in Stadtkirche

Raumklang und Bewegung

Daniel Gebauer (an der Orgel) und Nala Levermann bei ihrem Auftritt in der gut besuchten Rotenburger Stadtkirche. - Foto: Heyne

Rotenburg - 70 Programme waren gedruckt, gut doppelt so viele Besucher gekommen – auch wenn Kantor Karl-Heinz Voßmeier mit der Auswahl seiner „Musik am Ersten“-Gäste in der Stadtkirche meistens qualitativ ein sicheres Händchen beweist, schlägt sich dies nicht immer quantitativ nieder. Am Montagabend schon.

Auf dem Programm: „Improvisationen – Klangwelten“ mit Orgel und Saxophon. Dahinter verbarg sich der in norddeutschen Landen nicht gerade unbekannte Saxofonist Daniel Gebauer und sein junger kongenialerer Kollege Counterpart Nala Levermann an Orgel und Klavier. Im Gepäck hatten die beiden „Immer wieder Bach – um den kommt man einfach nicht herum“, wie Gastgeber Voßmeier in seiner Einführung augenzwinkernd bemerkte –, aber auch Arrangements vieler anderer Komponisten.

Gleich vorweg: Denjenigen Zuschauern mit dem vermeintlichen Nachteil, keines der besagten Programme abbekommen zu haben, sollte später die Verwirrung erspart bleiben, wenn das angekündigte Bach-Präludium als Tango von Altmeister Piazolla daherkam. Ein Versehen? Mitnichten. Gebauer und Levermann lassen sich ungern festlegen, springen zwischen Zeiten und Stilistiken, und das mit viel Lust. Da reiht sich „Jesu meine Freude“ an den Klassiker „Summertime“, eine wunderschöne Eigenkomposition lotet mit Didgeridoo-artigen Klängen die Klanglichkeit des Saxofons aus (auch wenn das Stück laut Titel nicht in Australien, sondern Neuseeland verortet wird); bei einem skandinavischen Traditional blickt Gebauers Affinität zu Vorbild Jan Garbarek, dessen Tontechniker Gebauer war, durch.

Doch nicht nur stilistisch sind die beiden Musiker beweglich – sondern auch im wahrsten Wortsinn: Immer wieder schreitet Gebauer beim Spielen durch den Mittelgang, erklimmt während eines Stücks die Treppe, um mal im Kirchraum, mal von der Empore zu spielen, und genießt die sich verändernden Klangwelten. Und das nicht nur, um dem Publikum immer wieder neue akustische Perspektiven zu ermöglichen, sondern auch für sich selbst auszuloten.

Das schlägt sich auch in seinen kongenial von Levermann begleiteten Improvisationen wieder: Nie das Original aus dem Blick verlierend, sodass das Publikum nicht überfordert wird (was beispielsweise bei Bachs „Siciliana“ fast ein bisschen schade ist), beweist Gebauer vor allem bei der Klangbildung eine Varianz, die sich am besten mit geschlossenen Augen erschließt.

So spielt der Organist selbst denn auch, im Unterschied zu den Zuhörern jedoch voll konzentriert, mit zusammengezogenen Augenbrauen, um jede Nuance ringend. Das Ergebnis gibt dem Duo Recht. Mit einer einfallsreichen Improvisation zu „Der Mond ist aufgegangen“ in der Zugabe, die das Lied in seine Fragmente zerlegt und ein letztes Glanzlicht in punkto Originalität setzt, entlässt das Duo die Zuhörer nach eineinhalb inspirierten Stunden zufrieden in den Abend. 

hey

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