Ratsmehrheit will zunächst nur den THS-Umbau für den siebten IGS-Jahrgang

Kleine Lösung auf dem Weg

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Die IGS in Rotenburg ist eine Baustelle – und wird es auch noch über Jahre bleiben.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Am Mittwoch könnte eine Vorentscheidung getroffen werden, wie es mit den höheren Klassenstufen der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Rotenburg weiter geht. Der Schulausschuss der Stadt tagt ab 15.15 Uhr gemeinsam mit dem Ausschuss für Planung und Hochbau öffentlich im Ratssaal. Nach den Beratungen der Fraktionen am Montagabend deutet sich aber an, dass eine grundlegende Entscheidung vertagt wird.

„Es gibt noch zu viele offene Fragen“, sagte am Dienstag SPD-Sprecherin Marje Grafe, die auch Vorsitzende des Schulausschusses und Vorsitzende des Stadtelternrates ist. In letzterer Funktion hatte sie sich am Wochenende deutlich gegen die grundlegende Kritik der CDU an möglichen Neubau- und Umgestaltungsplänen angesichts der schlechten Finanzlage der Stadt gewandt. Fakt ist: Die IGS braucht mehr Platz. Die Stufen fünf und sechs haben die neuen Räume am Standort Gerberstraße neben der Theodor-Heuss-Schule bezogen, doch ab Sommer 2016, mit dem nächsten IGS-Jahrgang, ist es dort bereits zu klein.

Der Plan der Verwaltung sieht vor, den dann neuen fünften Jahrgang übergangsweise in der Realschule unterzubringen, um in diesem Jahr einen Trakt der THS neu zu konzipieren und zu bauen. Kostenpunkt: rund zwei Millionen Euro. Diesem Plan wollen sich SPD und Grüne, und damit die Mehrheit im Stadtrat, anschließen. Nach Grafes Angaben übrigens inklusive der beiden aus der SPD-Fraktion ausgetretenen Ratsfrauen Mattina Berg und Erika Schumann-Mößeler – also wieder in alter Gemeinsamkeit.

„Wir müssen den Jahrgang sieben auf den Weg bringen“, betonte Grafe. Alles andere müsse aber erst noch in Ruhe beraten werden. Dabei geht es um die Frage, wo die späteren Jahrgänge acht bis zehn ihren Platz finden. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) hatte dazu in der vergangenen Woche aus mehreren Varianten, die in einem Gutachten geprüft wurden, den Vorschlag gemacht, die Realschule für die IGS aus- und umzubauen. Kosten dafür: rund vier Millionen Euro. Doch dieser Empfehlung wollen sich die Mehrheitsparteien am Mittwoch in der gemeinsamen Ausschusssitzung noch nicht anschließen. Es bräuchte mehr Zeit, um die tatsächlichen Kosten abschätzen zu können.

Für Grafe geht es dabei insbesondere darum, nachzuprüfen, ob es mit den vier Millionen Euro wirklich getan sei. Oder ob es deutlich höhere Folgekosten durch den Umzug in ein altes Gebäude gibt – zum Beispiel müsse auch die Realschul-Turnhalle saniert werden. Durchaus möglich, so die SPD-Politikerin, dass der von ihrer Partei weiterhin grundsätzlich favorisierte An- und Neubau an einem Standort an der Gerberstraße letztlich doch günstiger komme. Der ehemalige Koalitionspartner, die Grünen, schließen sich den Überlegungen an, bestätigte am Dienstag Manfred Radtke. „An die Klasse sieben müssen wir ran.“ Was die höheren Jahrgänge betreffe, so bevorzugten die Grünen derzeit die Bürgermeister-Variante. Radtke: „Ein Neubau geht so nicht.“

Und die CDU? Fraktions-chef Klaus Rinck betonte am Dienstag zwar, dass auch der eigene CDU-Vorschlag den THS-Umbau für Stufe sieben beinhalte und die Partei deswegen dem Bürgermeister-Modell für zwei Millionen Euro „grundsätzlich“ zustimmen könnte. Aber das Thema IGS sollte aus CDU-Sicht zusammen beschlossen werden – damit nicht kleckerweise immer neue finanzielle Belastungen hinzukämen. Die CDU bevorzuge eine Paketlösung, die dann nach ihren Vorstellungen für die höheren Jahrgänge auch nur noch kleinere Umbauten an der Realschule vorsieht. Die großen Vorstellungen seien nicht finanzierbar. Rinck: „Auch schon der als ‚Kompromiss‘ betitelte Bürgermeister-Vorschlag würde teuer werden und Steuererhöhungen mit sich bringen – alles zu Lasten der kommenden Generationen.“

Als Bürgermeister Andreas Weber (SPD) in der vergangenen Woche die Verwaltungspläne für die weiteren Jahrgänge der IGS vorgestellt hat, musste er auch die Frage beantworten, wie auslaufenden Jahrgänge der Hauptschule, der Theodor-Heuss-Schule, unterkommen. Eine Überlegung sei, die THS-Jahrgänge acht bis zehn dann während der Bauphase in der Pestalozzischule unterzubringen, so Weber. Dieses Modell kritisieren Schulleitung, Personalrat und Kollegium der THS in einem offenen Brief. Wörtlich heißt es: „Mit Beginn diesen Schuljahres freuen wir uns, die ersten zwei Jahrgänge der IGS Rotenburg in unserer Theodor-Heuss-Schule willkommen zu heißen. Mit einer fröhlichen Einschulungsfeier standen die neuen Fünftklässler der IGS dort auf unserer Bühne, wo sieben Wochen zuvor unser zehnter Jahrgang verabschiedet wurde. Die Einschulungsfeier wurde unterstützt von Schülern der neunten Klasse. Nun lehren und lernen wir Tür an Tür, die IGS in neu umgebauten Klassenräumen, die THS in den verbleibenden Klassenräumen. Es ist schön zu sehen, dass die jungen Schülerinnen und Schüler mit viel Spaß die Pausenangebote wie Einräder, Miniräder oder Siebenmeilenstiefel nutzen, um sich in den Pausen vielfältig zu bewegen. Die Ausleihe wird von Schülern der THS vorgenommen.

So geht nicht nur der Geist der THS, der unter anderem mit der Auszeichnung ‚Bewegte Schule‘ gewürdigt wurde, über auf die neue Schule und die nachwachsenden Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Anschaffungen, die im Laufe der Jahre von Preisgeldern gemacht wurden und jetzt allen Schülern zur Verfügung gestellt werden. Viele von uns haben die Entwicklung unserer Hauptschule zur Ganztagsschule vorangetrieben und die mit dem damaligen Umbau verbundenen Belastungen und Einschränkungen ebenso mitgetragen wie die, die zum Umbau zur IGS nötig waren. Wir, das Kollegium und die Schüler der THS, unterstützen und begleiten die Entwicklung der IGS weiterhin.

Nun jedoch steht der Verbleib der Theodor-Heuss-Schule zur Entscheidung an.

Die letzten vier Schuljahre, die die THS-Mannschaft noch vor sich hat, sollen unter Umständen andernorts stattfinden; ein Umstand, der nicht mit unserer Arbeit und unserer Vorstellung zu vereinbaren ist. Denn auch die letzten Klassen der THS sollen unserem Schulkonzept entsprechend unterrichtet und zum Abschluss geführt werden. Dies sieht vor, dass Schüler sich in vielseitigen fachpraktischen Unterrichtssituationen ausprobieren können. Dafür benötigen wir die Fachräume wie die Werkräume, die Bühne, die Schulküche, den PC Raum. Gerade die oberen Jahrgänge sollen sich, wie die Jahrgänge vor ihnen, auf den Übergang von der Schule in den Beruf vorbereiten können. Die Schülerfirmen der zehnten Klassen sind hier beispielhaft zu erwähnen, die unter anderem intensiv in den Mensabetrieb eingebunden sind. Die THS bedeutet im Übrigen für unsere Schüler ein Stück Stabilität in ihrem Alltag, die sie dringend brauchen. Dies ist nicht zu vereinbaren mit einer dauerhaften Auslagerung in eine andere Schule.

Aus diesem Grund sprechen wir uns dafür aus, dass nichts unversucht bleibt, die Gerberstraße 16 bis zum letzten Abschlussjahrgang als Standort der Theodor-Heuss-Schule zu erhalten. Dass dies mit weiteren räumlichen Einschränkungen verbunden sein kann, ist uns bewusst. Wir setzen uns dafür ein, auch die letzten Jahrgänge dort zu verabschieden, wo sie eingeschult wurden, in der Aula der THS.“

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