Masern-Impfpflicht: Vom 1. März an ein Nachweis erforderlich

Rathaus hilft den Kitas

Der Impfpass dient zum Nachweis. Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Rotenburg – Bald ist es soweit. Vom 1. März an gilt Masern-Impfpflicht in Schulen und Kindergärten. Im Landkreis Rotenburg waren 2018 bereits 95 Prozent der Schulanfänger ausreichend geschützt – 2011 wurden im Landkreis letzte Masernfälle dokumentiert. Das geht aus einer Mitteilung der Krankenkasse „IKK classic“ hervor. Eine Masern-Infektion sei – anders als oft angenommen – keine harmlose Kinderkrankheit. Häufig führe sie zu Komplikationen und Folgeerkrankungen, dazu gehöre im schlimmsten Fall eine tödlich verlaufende Gehirnentzündung. Außerdem gehörten Masern zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Europaweit seien 2018 mehr als 12 350 Masernfälle gemeldet worden. Die „IKK classic“ habe die Statistiken des Robert Koch-Instituts ausgewertet, wonach 2018 insgesamt 544 Personen in Deutschland an Masern erkrankt seien, 2019 waren es demnach 514.

Die jetzt in Kraft tretende Impfpflicht gilt auch für Tageseltern, das Personal in den Kindertagesstätten, für Lehrkräfte und Beschäftigte im Medizinbereich. Der Masernschutz muss jeweils dem Leiter der Einrichtung gegenüber nachgewiesen werden, teilt der Landkreis auf Anfrage mit. Für die Kindertagesstätten in städtischer Trägerschaft in der Kreisstadt übernimmt das Amt für Jugend und Soziales die Abwicklung des Nachweises, teilt Elke Bellmann mit. Das heißt, die von den Eltern auszufüllenden Anmeldebögen gehen zusammen mit dem Impfnachweis direkt ins Rathaus.

„Wir wollen die Einrichtungen da ganz raushalten und sie nicht mit dieser Arbeit noch zusätzlich belasten“, erklärt die Leiterin des Rotenburger Amtes für Jugend und Soziales. Insgesamt gibt es in der Stadt Rotenburg zurzeit 923 Kita-Plätze – in den Kindergärten sowie in den Krippen. Neben den acht städtischen Einrichtungen kommen noch neun weitere in Trägerschaft der Kirche, von Vereinen sowie von der Lebenshilfe dazu. „Die wickeln das alles aber selbst ab“, so Bellmann. Um die Bearbeitung der Nachweispflicht in den städtischen Grundschulen kümmert sich das Rathaus nicht. „Das ist Sache der Schulen“, sagt Uwe Radtke als Leiter des Rotenburger Hauptamtes.

Für die Dokumentation der Nachweise bietet das Landesgesundheitsamt ein Formular zur Arbeitserleichterung an, teilt Christine Huchzermeier, Sprecherin des Landkreises Rotenburg, mit. Der Nachweis kann erbracht werden durch Vorlage eines Impfausweises, eines ärztlichen Zeugnisses und durch Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses über eine vorhandene Immunität oder über eine medizinische Kontraindikation, wegen der nicht geimpft werden kann.

Wer neu in einer der betreffenden Einrichtung tätig wird – Neueinstellungen oder auch Praktikanten –, muss den Nachweis ab dem 1. März vor Beginn seiner Tätigkeit erbringen. Auch wer in Kindertageeinrichtungen, Kinderhorten, erlaubnispflichtigen Kindertagespflegen, Schulen, Kinder- und Jugendheimen oder sonstigen Ausbildungseinrichtungen neu zur Betreuung aufgenommen wird, muss vom 1. März an vor Beginn der Betreuung den Masernschutz nachweisen. Anders ist es bei Personen, die nach 1970 geboren sind und bereits in der Einrichtung tätig sind oder betreut werden: Sie müssen bis zum 31. Juli 2021 den Nachweis über den Masernschutz erbringen, teilt die Landkreis-Sprecherin. Im Klartext: Zunächst ist das Gesetz nur für Kinder relevant, die ab Anfang März neu in betroffenen Einrichtungen aufgenommen werden und für Personen, die dort eine neue Beschäftigung beginnen.

„Ziel des Gesetzes ist es, den individuellen Schutz speziell von stark gefährdeten Personengruppen zu verbessern und einen ausreichenden Gemeinschaftsschutz vor Masern-Infektionen zu erreichen“, wird Markus Schrader, Regionalgeschäftsführer der „IKK classic“, in der Mitteilung an die Presse zitiert. „Deshalb hat die Bundesregierung den Fokus auf Personen gelegt, die regelmäßig in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen mit anderen Personen in Kontakt kommen.“ Trotz vieler Aufklärungskampagnen seien die Impflücken bei Masern in Deutschland immer noch zu groß. Laut dem Robert Koch-Institut hätten zwar 97,1 Prozent der Schulanfänger die erste Impfung bekommen, aber bei der entscheidenden zweiten Masernimpfung treten demnach große regionale Unterschiede auf, sodass auf Bundesebene die gewünschte Impfquote von 95 Prozent nicht erreicht werde. Erst mit dieser Quote ist ein Gemeinschaftsschutz gewährleistet.

Die Ständige Impfkommission empfehle die erste Teilimpfung zwischen dem vollendeten elften und 14. Lebensmonat. Die zweite Impfung sollte frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres gegeben werden. Sie sei wichtig für einen kompletten Impfschutz. „Die Kosten für die Impfungen übernehmen die Krankenkassen“, so Markus Schrader.

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