Rat stimmt gegen Antrag der Niedersächsischen Landesforsten

Rotenburg lehnt Friedwald ab

Beim Ortstermin der Ausschussmitglieder steht eine Friedwald-Urne unter einem Baum – doch einen Friedwald wird es im Lintel nicht geben. Die Mitglieder des Rates stimmen gegen den Antrag der Landesforsten.
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Beim Ortstermin der Ausschussmitglieder steht eine Friedwald-Urne unter einem Baum – doch einen Friedwald wird es im Lintel nicht geben. Die Mitglieder des Rates stimmen gegen den Antrag der Landesforsten.

Rotenburger, die sich eine Bestattung in einem Friedwald wünschen, müssen sich dafür weiterhin außerhalb ihres Wohnortes umschauen. Der Rat der Stadt Rotenburg stimmt gegen einen entsprechenden Antrag der Niedersächsischen Landesforsten. Forstamtsleiterin Lena Maack ist enttäuscht.

Rotenburg – „Es ist ein einmaliges Angebot, ohne Kosten für die Stadt Rotenburg und eine Gelegenheit, die gute Zusammenarbeit mit den Landesforsten zu dokumentieren“, betonte Bürgermeister Andreas Weber (SPD) am Donnerstagabend während der Sitzung des Rotenburger Rates im Lucia-Schäfer-Saal. Er konnte noch so vehement die Vorteile aufzählen, die ein Friedwald als zusätzliches Bestattungsangebot in seinen Augen bietet, am Ergebnis änderte das nichts.

15 Ratsmitglieder stimmten dagegen, nur 14 dafür, zwei enthielten sich. Der Antrag der Niedersächsischen Landesforsten, die mit der Friedwald GmbH in einem Waldstück im östlichen Teil des Lintel, nahe des Hartmannshofes am Bullensee, ein zusätzliches Bestattungsangebot schaffen wollten, ist durchgefallen.

Forstamtsleiterin Lena Maack erklärte am Freitagmorgen auf Nachfrage der Kreiszeitung, sie sei „sehr enttäuscht. Wir wollten ein zentrales Angebot für Rotenburg schaffen – das Waldstück im Lintel ist der einzige mögliche Standort, der dafür in Frage kommt. Wir sind uns sicher, dass die Vorteile gegenüber den möglichen Nachteilen überwiegen und hätten uns gewünscht, dass die Bürger mehr an dieser Entscheidung beteiligt werden. Es ist ein sehr emotionales und persönliches Thema.“

Weber betonte eingangs der Sitzung, dass das mögliche zusätzliche Angebot den vorhandenen Friedhöfen entgegen aller Kritik nicht schaden werde. 200 bis 240 Beerdigungen gebe es dort pro Jahr, nur etwa drei bis fünf würden sich nach Schätzungen der Verwaltung künftig für den Friedwald entscheiden. In der Umgebung gebe es bereits einige Ruheforste und Friedwälder, beispielsweise in Buchholz, Stade, Lauenbrück, Kirchlinteln und Bremervörde, weitere seien in Quelkhorn und Hellwege in Planung. „Nur in Rotenburg, einem Mittelzentrum zwischen Hamburg, Bremen und Hannover, gibt es das Angebot noch nicht“, erklärte Weber, der betonte: „Menschen, die diese Bestattungsform wünschen, lassen sich auch außerhalb von Rotenburg bestatten, wenn wir ihnen diesen Wunsch nicht selbst erfüllen.“

Einen schöneren Ort für meine letzte Ruhestätte kann ich mir nicht vorstellen. Zu einer Bestattungskultur gehört auch ein Friedwald

Rolf Klammer (SPD)

Bei einer Ortsbesichtigung im Friedwald in Bremervörde Ende vergangenen Jahres und im Lintel mit dem Ausschuss für Straßen- und Tiefbau seien alle Fragen beantwortet und sämtliche Bedenken ausgeräumt worden, bilanzierte Weber. Die Landesforsten hätten bestätigt, dass die Bäume in dem Wald keinen Schaden nehmen würden. Auch eine Chrombelastung durch die Urnen sei nicht zu befürchten. Genauso wenig, dass Wildschweine die Urnen freiwühlen. „Der Bereich im Lintel könnte zusätzlich als Naherholungsbereich genutzt werden, was bisher noch nicht der Fall ist – und auch die hiesige Gastronomie hätte dadurch einen riesigen Vorteil“, so Weber, der davor warnte, dass eine Entscheidung gegen den Friedwald auch eine Bevormundung des Bürgers sei. „Die Menschen sollen selbst entscheiden, auf welche Art sie ihre letzte Ruhe finden.“

Zustimmung erhielt er aus eigenen Reihen. So betonte unter anderem Rolf Klammer (SPD), nachdem er sich das Waldstück angesehen hatte: „Einen schöneren Ort für meine letzte Ruhestätte kann ich mir nicht vorstellen. Zu einer Bestattungskultur gehört auch ein Friedwald.“ Einen Bestattungstourismus erwarte er nicht: „Jeder wünscht sich, ortsnah bestattet zu werden, das ist auch für Angehörige angenehmer. Es wird viel zu defensiv und pessimistisch an die Sache gegangen. Der Wunsch der Bürger steht für mich im Vordergrund.“

Joachim Hickisch (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, dass sich die Friedhofskultur verändert habe. „Früher waren Friedhöfe wie ein offenes Buch. Wenn man darüber lief, dann spiegelte sich die gesamte Geschichte des Dorfes wider. Doch die Zeiten sind seit 20 Jahren vorbei. Wir sollten jedem Bürger die Wahl geben, in einem Friedwald bestattet zu werden.“

Im Namen der CDU, WIR und FDP erklärte Tilman Purrucker, dass seine Gruppe gegen den Antrag der Niedersächsischen Landesforsten stimmen werde. Es sei „völlig legitim“, dass diese sich neue Einnahmequellen erschließen wollen. Mit der GmbH schaffe man die Gelegenheit, Gewinne zu generieren. Die Stadt Rotenburg müsse jedoch die Rechnung begleichen, wenn sich das Unternehmen nicht mehr lohne. Die Erweiterung der Begräbniskultur führe früher oder später zu einer Erhöhung der Friedhofsgebühren. „Der Rotenburger Waldfriedhof mit seiner neuen Kapelle bietet alle Bestattungsformen an. Dort ist es auch möglich, einen Ruheforst zu integrieren.“

Ein Aspekt sei in den Diskussionen außer Acht gelassen worden, erklärte schließlich Mirco Klee (CDU): „Wir reden hier über einen Wirtschaftswald, in den Generationen von Förstern ihren Schweiß, ihre Leidenschaft und zum Teil ihr Lebenswerk gesteckt haben.“ Der Rat habe Johann Christian von Düring unter anderem für seine forstwirtschaftliche Leistung mit der Umbenennung des Fliegerhorstes geehrt. „Heute sollen wir mit der Zustimmung zum Friedwald genau das Gegenteil machen. Damit würden wir mehr als 300 Jahre forstwirtschaftliche Arbeit mit Füßen treten. Das wäre nicht im Sinn der beteiligten Förster.“

Forstamtsleiterin Lena Maack möchte die Entscheidung gegen den Friedwald sacken lassen: „Es ist noch zu früh, um Pläne zu machen. Wir werden uns zunächst überlegen, wie wir mit der Entscheidung umgehen.“

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