Direktkandidat will in Bundestag einziehen

Hendrik Jürgens - der rasende Liberale

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Hendrik Jürgens fährt gerne Rennrad. Im Wahlkampf bleibt es aber meist auf der Strecke.

Quelkhorn/Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Ein Treffen im Büro wäre ja langweilig gewesen. Hendrik Jürgens überlegt kurz. „Wir könnten ja Rennrad fahren“, sagt der FDP-Kreisvorsitzende, der nach dem 24. September auch gerne der Bundestagsabgeordnete seiner Partei für den Wahlkreis 35 Rotenburg I / Heidekreis wäre. Obwohl – gefahren sei er schon länger nicht mehr. Der Autor auch nicht, die Idee ist aber trotzdem gut. Und so findet der Porträt-Termin mit Jürgens nicht in einem seiner Büros im Ottersberger Ortsteil Quelkhorn oder in Bremen-Schwachhausen statt, sondern bei duftendem Heu und zwischen jeder Menge Kühen in den Wümmewiesen.

Viel Zeit hat er derzeit nicht zum Radfahren, sagt Jürgens. Die Arbeit als Zwangsverwalter, die Arbeit in der Partei, Familie und natürlich der Wahlkampf sind es, die ihn zurzeit beanspruchen. Früher sei er viel Crossrad gefahren, irgendwann ist er aber auf das Rennrad umgestiegen. „Habe ich selbst gebaut“, sagt er nicht ohne Stolz. Während seines Studiums habe er in einem Fahrradladen gejobbt. So kam er günstig an die einzelnen Teile.

Während es von Quelkhorn zunächst Richtung Bremen geht, wird daher erst mal das Für und Wider von Reifengrößen oder verschiedener Modelle Gangschaltungen abgewogen, ob man auf Ventilkappen verzichten sollte, um Gewicht einzusparen – ganz der ambitionierte Radfahrer. Zwischen Kuhweiden und Maisfeldern gibt es nur wenig Begegnungsverkehr. Unten ist viel grün, der Himmel ist grau, es soll aber beständig trocken bleiben. Wenn die Tour vorbei ist, will Jürgens noch mal in den Wahlkreis – Plakate aufhängen.

Es gibt wohl keine Wahlplakate, über die zuletzt so viel geredet wurde wie die von der FDP. In jeder Ortschaft posiert Spitzenkandidat Christian Lindner in Schwarz und Weiß von den Laternenmasten. Später, als die Tour durch die holprigen Straßen Bremen-Borgfelds führt, kommt noch Lencke Steiner hinzu, die in der Hansestadt das Direktmandat für die Liberalen holen will und sich auf Plakaten gerne lächelnd durchs Haar fährt. Jung und modern wollen die Liberalen wirken, Jürgens dagegen wirkt auf seinen eher wie der FDP-Klassiker: Anzug, verbindliches Lächeln – oberflächlich betrachtet bleibt kein Zweifel: Dieser Mann ist Jurist.

Mit Inhalten glänzen, nicht mit Äußerlichkeiten

Darauf angesprochen lacht dieser auf. Das sei in Ordnung, so der 39-Jährige. Er wolle ja schließlich mit Inhalten glänzen, nicht mit Äußerlichkeiten. Sein Fokus liegt auf dem Mittelstand. Nun kommt er auch beim Reden in Fahrt, Bürokratie müsse für die Betriebe abgebaut werden. Ein Beispiel nach dem anderen kann er runterrattern – als Zwangsverwalter kennt er viele Geschichten. Er erzählt von den zeitraubenden Schwierigkeiten, die seine Klienten manchmal mit Behörden hätten. Und er selbst natürlich auch, schließlich führt er mit seiner Kanzlei selbst ein mittelständisches Unternehmen.

Auch sein Lebenslauf untermauert seine FDP-Mitgliedschaft. Geboren wurde Jürgens am 20. April 1978 in Bremen, nach seinem Grundwehrdienst in der Lent-Kaserne in Rotenburg folgte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit juristischem Schwerpunkt in Oldenburg, anschließend absolvierte er das Jura-Studium in Bremen. 2008 wurde er als Anwalt zugelassen. 2012 übernahm er den Vorsitz des Rotenburger Kreisverbands der FDP, seit Februar 2016 ist er Schriftführer im Bezirksverband Elbe-Weser und Mitglied des erweiterten Landesvorstands der FDP Niedersachsen. Zudem ist Jürgens Landesvorsitzender des Liberalen Mittelstandes in Bremen.

Vater von zwei Töchtern

Es geht über einen kleinen Deich, linker Hand gibt es vereinzelt Bauernhäuser. Ein paar hundert Meter weiter stehen die hohen Wohnblöcke Bremen-Tenevers. Es wirkt merkwürdig, ländliche Idylle hier, die Ausläufer der Großstadt in unmittelbarer Nähe. Jürgens ist das gewohnt. Er berichtet von Ausfahrten mit seiner älteren Tochter. Zwei hat er: eine sieben Monate, eine fünf Jahre alt. Sie würde im Wagen mitfahren, er in die Pedale treten. Mal hier in den Wümmewiesen, aber auch mal in der Lüneburger Heide.

Die Chancen, dass er ab der kommenden Legislaturperiode tatsächlich die Interessen des Mittelstandes in Berlin vertreten darf, sind eher mittelmäßig. Jürgens weiß das, sieht „Lars und Kathrin“ – er meint die Kandidaten Klingbeil (SPD) und Rösel (CDU) – beim Direktmandat in der Favoritenrolle. Allein schon, weil die den Wahlkampf sozusagen hauptberuflich machen könnten. Jürgens dagegen muss nebenbei noch arbeiten. Er ist mittlerweile mit allen Kontrahenten im Wahlkreis per du. Seit Wochen treffen sie sich auf unzähligen Podiumsdiskussionen immer wieder. Auch Jürgens Platz 14 auf der niedersächsischen FDP-Landesliste lässt nur wenig Hoffnung auf ein Bundestagsmandat zu. „Ich habe schon auf einen besseren Listenplatz gehofft“, sagt Jürgens. Kämpfen will er dennoch, er höre ja bestimmt nicht einfach damit auf, sich für den Mittelstand einzusetzen. Nebensächlich, ob mit, oder ohne Mandat.

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