Ralf Wiebusch und Erhard Grunhold erklären, was die Lions Rotenburg eigentlich machen

„Großartige Hilfsbereitschaft“

+
Ralf Wiebusch (l.) und Erhard Grunhold berichten, was den Lions-Club ausmacht.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Den Lions-Club gibt es in Rotenburg seit 50 Jahren – damit ist er einer der ältesten in der Umgebung. Viele, vor allem junge Menschen, wissen aber nicht, was sich dahinter verbirgt. Dabei hat der Club gerade für diese Gruppe einen mit 25000 Euro dotierten Spendenwettbewerb ins Leben gerufen. Präsident Ralf Wiebusch und Pressewart Erhard Grunhold erklären, was es mit dem Club und der Aktion auf sich hat und warum Nachhaltigkeit wichtig ist.

Warum gibt es einen „Service-Club“ wie die Lions?

Ralf Wiebusch: Der Hintergrund ist einfach zu erklären: um Menschen und Organisationen, die hilfsbedürftig sind, uneigennützig Hilfestellung zu geben. Vor diesem Hintergrund wurde der Lions-Club vor fast 100 Jahren in Amerika gegründet. Der Leitspruch heißt „We serve“, also „Wir dienen“. Und wir dienen der Allgemeinheit. Wir versuchen dort zu unterstützen, wo Unterstützung nötig ist.

Wenn junge Leute nicht genau wissen, was die Lions sind: Woran liegt das?

Wiebusch: Das liegt häufig daran, dass auch viele Ältere nicht wissen, was die Lions sind. Wir treten normalerweise nicht so sehr in Erscheinung, sondern wenn es einen besonderen Anlass wie eine Spendenübergabe oder ein Projekt gibt. Was die ethischen Grundsätze der Lions sind, wissen die wenigsten. Dass man zum Beispiel in freundschaftlicher Verbundenheit frei von allen Vorurteilen Gutes tut. Genau darum geht es. Wir schieben Projekte an, bei denen man alleine vielleicht Schwierigkeiten hat.

Ist es überhaupt Ihr Bestreben, mehr Öffentlichkeit zu erfahren – oder agieren Sie lieber „im Verborgenen“?

Wiebusch: Man sagt ja immer: Tue Gutes und rede darüber, aber wir tun Gutes und reden im Prinzip zu wenig darüber. Wir wollen es nicht unbedingt im Verborgenen machen, aber auch nicht damit prahlen. Trotzdem sind wir stolz darauf, dass wir schon an so vielen Stellen im Umfeld helfen konnten. Auch international haben wir schon vielfältige Hilfen zur Verfügung gestellt, wie zum Beispiel Stipendien für auszubildende Ärzte aus Afrika.

Erhard Grunhold: Wir sehen auch, dass wir nicht nur im Stillen arbeiten können. Wenn wir durch Aktivitäten Spenden generieren wollen, die wir dann umverteilen, müssen wir uns bemerkbar machen. Deshalb tun wir das seit einigen Jahren verstärkt durch Pressearbeit. Das haben wir früher gar nicht gemacht. Ganz neu ist unser Internetauftritt. Um mehr in der Öffentlichkeit aufzutreten, haben wir im Zusammenhang mit unserem 50-jährigen Bestehen auch den Spendenwettbewerb für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen. Wir versuchen, die Balance zu finden, dass wir auf der einen Seite still und nachhaltig arbeiten. Auf der anderen Seite geht es nicht ohne Öffentlichkeit.

Wiebusch: Mit Presseartikeln können wir auf die kommenden Aktionen aufmerksam machen. Dann fährt der Leser vielleicht nicht irgendwohin, um eine Bratwurst zu essen, sondern kommt zu den Lions und isst sie dort. Und das Geld fließt in eine sinnvolle Maßnahme. Dafür brauchen wir Öffentlichkeitsarbeit.

Warum wurde das Bild der „Löwen“ gewählt?

Wiebusch: Dieses Symbol soll Stärke symbolisieren. Unser District-Governor hat es auf der Jubiläums-Veranstaltung auf den Punkt gebracht: Zwei schaffen mehr als einer, die Gemeinschaft ist eben stärker.

Den Verein in Rotenburg gibt es seit 50 Jahren. Welche Gründe gab es in Rotenburg, sich zusammenzutun?

Wiebusch: Der Club in Rotenburg ist durch private Kontakte entstanden. Wir haben einen Patenclub in Holzminden, der uns damals gechartert, das heißt, uns in dieses Netzwerk hineingebracht hat. Damals gab es 16 Gründungsmitglieder. Einen konkreten Anlass gab es nicht, außer dass eben auch Rotenburg ein Standort der Lions werden sollte, um zu helfen.

Grunhold: Man muss sich vorstellen: Als die Diskussion begann, waren etwa acht Jahre vergangen, seit es Lions in Deutschland gab. Und in diesem Distrikt Niedersachsen-Bremen ist der erste Club 1955 gegründet worden. Das war zu einer Zeit, als die unmittelbaren Kriegserfahrungen verarbeitet waren und von Amerika und vielen anderen Seiten Unterstützung kam. Da gab es durchaus den Gedanken: „Jetzt müssen wir selbst helfen.“ Ich habe noch Care-Pakete aus den USA empfangen und weiß, welche Freude wir hatten. Weihnachten war danach nie wieder so schön. Die Lions waren eine Initiative, die dem Zeitgeist damals entsprochen hat.

Wiebusch: Heute sind wir gefühlt Lichtjahre von diesem Krieg entfernt. Es ist dennoch eine Gefahr, die weiter droht. Auch in diesem Bereich setzen wir uns ein: für Gleichberechtigung, für mehr Miteinander.

Wo und von wem wurde der Verein gegründet?

Grunhold: Melvin Jones hat den Club in Amerika gegründet, um die dort in der Bevölkerung bestehenden Zusammenschlüsse zu vereinen. Das war 1917, also im Ersten Weltkrieg. Es gab den Gedanken: „Die Welt brennt, und wir müssen helfen.“

Wie viele Mitglieder hatten Sie bislang in Rotenburg? Wie viele sind es aktuell?

Wiebusch: In den 50 Jahren hatten wir insgesamt 105 Mitglieder. Zurzeit sind wir bei 39.

Wie werde ich Mitglied bei den Lions?

Wiebusch: Indem ich in den Club berufen werde. Ich kann mich nicht um die Mitgliedschaft bewerben. Es muss jemand sehen: Derjenige – in Rotenburg sind wir ja ein reiner Herrenclub – würde gut zu uns passen. Derjenige wird dann vorgeschlagen und bekommt zwei Paten als Ansprechpartner. Wir Lions beschließen dann, ob er den Regularien entspricht und erst dann fragen wir, ob er sich uns anschließen möchte. Mit der Mitgliedschaft geht auch eine Pflicht einher, weil wir uns zum Beispiel alle 14 Tage treffen und uns bei Vorträgen fortbilden.

Wie kommt es, dass in Rotenburg nur Männer bei den Lions sind?

Wiebusch: Das liegt sicher an der früheren Tradition, dass meist die Männer für so etwas zuständig waren. Mittlerweile gibt es auch gemischte Clubs. In Rotenburg gibt es zum Beispiel auch die „Leas“.

Grunhold: Das ist ein Zweiertakt, der mit den „Leas“ entstanden ist. Die sind übrigens sehr rege – mit denen haben wir einen guten Griff gemacht. Und die Frauen wollten sich vielleicht auch nicht so viel von den Männern vorschreiben lassen und haben deshalb ihren eigenen Club gegründet, von dem wir die Paten sind. Wenn die Frauen mit bei uns wären, hätten wir auch zu viele Mitglieder. 40 ist eine gute Zahl – viel mehr ist schwierig zu handhaben.

Ihre Hilfe kostet Geld. Woher kommt das?

Wiebusch: Das Geld sammeln wir entweder aus Spenden, vorwiegend kommt es aber aus unseren Activities, zum Beispiel dem Glühweinstand. Den machen wir ja nicht, weil wir gerne Glühwein trinken, sondern weil wir über den Verkauf Spenden generieren, die wir dann Wohltätigkeitszwecken zuführen.

Grunhold: Wir vertreiben auch Lions-Wein. Das ist ein ständiger Einnahmefaktor.

Wer entscheidet, wohin das Geld fließt?

Wiebusch: Meist schlägt ein Lions-Freund etwas vor und dann beschließen wir, ob wir helfen.

Zur Feier des 50-jährigen Bestehens wollen Sie Einrichtungen fördern, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern. Wie läuft das?

Wiebusch: Wir haben einen Spendenwettbewerb ausgelobt, den wir mit 25000 Euro dotiert haben. Die Idee ist, gemeinnützige Gruppen bei nachhaltigen Projekten für die Jugendausbildung anzuschieben. Wir haben das zwar erst einmal auf 1000 Euro begrenzt. Wenn es aber eine Idee gibt, die wir sehr gut finden, könnten wir die auch mit mehr Geld unterstützen. Das hängt auch davon ab, welche Qualität die Bewerbungen haben. Wichtig ist die Gemeinnützigkeit der Antragsteller, das ist die Grundvoraussetzung.

Warum unterstützen sie bei dieser Aktion gerade Kinder und Jugendliche?

Wiebusch: Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft. Wir haben uns für unser Jubiläumsjahr diese Zielgruppe genau deshalb ausgesucht. Es sind auch viele Seniorenprojekte unterstützungswürdig, dabei ist die Nachhaltigkeit aber schwerer zu messen, als wenn wir in Streetworker investieren, die Probleme mit Kommunikation lösen.

Grunhold: Wir kümmern uns auch nicht nur um Jugendliche, sondern haben auch den Seniorenkreis in Rotenburg gegründet. In 50 Jahren ist eine Bandbreite an Dingen angestoßen worden.

Müsste sich ein „Service-Club“, der sich dem Motto „We serve“ verschrieben hat, mehr in Themen wie Flüchtlingshilfe einmischen?

Wiebusch: Ja, auch das Thema Flüchtlinge spielt bei uns eine Rolle. Wir überlegen momentan, wie wir da nachhaltig helfen können.

Die „Leas“ finanzieren unter anderem Sprachkurse.

Wiebusch: Einen ersten Aufruf nach Fahrrädern gab es bei uns auch schon. Aber über die Lösung dieser Problematik müssen wir noch konkret nachdenken, denn das ist eine große Herausforderung, die auf uns zurollt. Das können wir in Ländern wie Deutschland, wo es den meisten Menschen gut geht, sicher besser bewältigen als ärmere Länder in der Eurozone.

Es gibt ja noch weitere „Service-Clubs“, zum Beispiel die Rotarier.

Wiebusch: In Rotenburg gibt es insgesamt vier „Service-Clubs“: zwei rotarische, die „Leas“ und uns. Es gibt einen gemeinsamen Nenner: Alle tun etwas Gutes. Die Grundzüge sind die gleichen. Von daher gibt es auch keine Rivalitäten, ganz im Gegenteil.

Grunhold: Zum Teil gibt es Dinge, die wir gemeinsam veranstalten, wie Benefizkonzerte. Es ist bemerkenswert, dass es in einer kleinen Stadt wie Rotenburg vier „Service-Clubs“ gibt. Es ist großartig, dass es so viel Hilfsbereitschaft gibt.

Herr Wiebusch, Sie sind seit Juli Präsident der Lions Rotenburg. Was haben Sie schon auf den Weg gebracht? Was wollen Sie noch erreichen?

Wiebusch: Einer meiner Leitsätze war, dort zu helfen, wo Hilfe notwendig ist. Da stellt uns die Flüchtlingsfrage künftig mit Sicherheit vor spannende Fragen. Da müssen und wollen wir helfen. Unser Jubiläumsjahr, in dem ich Präsident bin, steht schon allein wegen des Spendenwettbewerbs unter dem Motto „Kinder und Jugend“. Im Oktober wollen wir dann ein neues Projekt anschieben. Und zwar wollen wir im Kantor-Helmke-Haus in Rotenburg eine Matinée mit Nachwuchs-Musikern organisieren, um auch ihnen eine Plattform zu geben und um Erlöse für neue Projekte zu generieren. Mir persönlich ist wichtig, dass das, was wir fördern, nachhaltig ist.

Sie wohnen und arbeiten in Scheeßel, sind aber Mitglied der Lions Rotenburg. Wieso?

Grunhold: Weil wir ihn brauchten!

Wiebusch: Ich komme eigentlich aus der Lüneburger Heide und habe zehn Jahre in Rotenburg gewohnt. Später bin ich mit meiner Familie nach Jeersdorf gezogen. Unter den Rotenburger Lions herrschte dann wohl die Meinung: „Der Wiebusch könnte uns gut zu Gesicht stehen.“ Man hat das aber mit den Scheeßeler Lions abgestimmt. Irgendwann haben die Rotenburger mich dann vor die Frage gestellt, ob ich mir das vorstellen könnte und da habe ich spontan zugestimmt. Für mich war es eine Ehre, von diesem alten Club gefragt zu werden. Es bauchpinselt einen – wir haben eine tolle Plattform, um gemeinsam Gutes zu tun.

Die Personen und der Wettbewerb

Ralf Wiebusch ist 48 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Jeersdorf. Als Ingenieur und Innenarchitekt ist er seit 18 Jahren in Scheeßel tätig. Im Lions-Club ist er seit Februar 2010. Seit Juli ist er für die Dauer von einem Jahr Präsident des Clubs.

Erhard Grunhold war viele Jahre Stadtdirektor in Visselhövede. Dort lebt der 78-Jährige seit 1972. Er ist verheiratet, hat fünf Kinder und elf Enkel. Seit 1990 ist er Mitglied bei den Lions. Während der Feier zum 50-jährigen Bestehen erhielt er den Melvin-Jones-Orden, die höchste Anerkennung der Lions. Er ist für die Pressearbeit zuständig.

Wer an dem Spendenwettbewerb des Clubs teilnehmen möchte, kann die Bewerbung online unter www.lionsclub-rotenburg.de abrufen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

„Lenna” im Kurpark

„Lenna” im Kurpark

Meistgelesene Artikel

Auto rutscht von nasser Straße: Schwangere schwer verletzt

Auto rutscht von nasser Straße: Schwangere schwer verletzt

Veranstalter erwartet 10.000 Besucher beim Ferdinands-Feld-Festival

Veranstalter erwartet 10.000 Besucher beim Ferdinands-Feld-Festival

22. Beeke-Festival begeistert Folklore-Fans in Scheeßel

22. Beeke-Festival begeistert Folklore-Fans in Scheeßel

Unbekannter lässt auf Grundstück einer Neu-Scheeßeler Familie Hasen frei

Unbekannter lässt auf Grundstück einer Neu-Scheeßeler Familie Hasen frei

Kommentare