Radtke kritisiert „Phantom Westumgehung“

Überlegungen aus Stellungnahme zum Wümme-Schutzgebiet „bemerkenswert ignorant“

Die Straßen in Rotenburg sind voll. Aber würde eine Westumgehung überhaupt Entlastung schaffen? Foto: Menker
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Die Straßen in Rotenburg sind voll. Aber würde eine Westumgehung überhaupt Entlastung schaffen?

Rotenburg – Rotenburgs Bürgermeister ist ein passionierter Radfahrer, von noch mehr Autoverkehr in seiner Stadt hält er nicht viel, will lieber alternative Verkehrsprojekte auf den Weg bringen. Im jüngste Planungsausschuss der Stadt hatte er untermauert, dass er „kein Freund“ einer möglichen Westumgehung zwischen den Bundesstraße 75 und 215 ist. Und dennoch: Genau dieses ist viele Jahre nach ersten heißen Diskussionen wieder auf der Agenda – weil die Verwaltung in einer Stellungnahme an den Landkreis zum geplanten Wümme-Naturschutzgebiet einen breiteren Planungskorridor für diese Trasse freihalten lassen will.

Manfred Radtke gefällt das ganz und gar nicht. Der ehemalige Ratsherr der Grünen und Kreisvorsitzende des BUND hat sich als stellvertretender Kreisvorsitzender des ökologischen Verkehrsclubs VCD zu Wort gemeldet und bezeichnet die Debatte um die Westumgehung als „Phantom“, das man wieder aus der „Mottenkiste“ hole. „Bevor die Rotenburger Stadtplanung jetzt im Zuge der Ausweisung des FFH-Gebietes Wümme zu einem Naturschutzgebiet die Westumgehung wieder aus der Mottenkiste holt, hätte sie sich besser mit den tatsächlichen Verkehrszahlen beschäftigen sollen. 

Eine Westumgehung hätte nur Bedeutung für Straßenverkehr, der aus Richtung Verden kommt und weiter Richtung Zeven oder Scheeßel geht und umgekehrt. Weder für Verkehre aus und in Richtung Visselhövede noch Soltau hätte diese Trasse eine Bedeutung. Für Verkehrsteilnehmer, die nach Rotenburg hinein wollen, oder von dort hinaus , ohnehin nicht“, argumentiert Radtke. Und er führt Zahlen an. Dabei bezieht er sich den Angaben nach auf eine Einschätzung, die die Stadtverwaltung bereits 1996 abgegeben hat. Es heiße in dieser: „Die maximal möglichen Entlastungseffekte für das innerstädtische Straßennetz durch den Bau einer Westumgehung sind mit zirka 4 200 Fahrten/Tag zu gering, um den Neubau einer Bundes- oder Stadtstraßentrasse zu rechtfertigen. Die damit verbundene Angebotsverbesserung im innerstädtischen Verkehrsnetz dürfte angesichts dieser geringen Verkehrsentlastung vom zunehmenden Binnenverkehr schnell wieder neutralisiert werden.“ Auch seien die Eingriffe in die Wümmeniederung und das Überschwemmungsgebiet zu groß – sowie die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen und Brückenbauwerke auch nicht finanzierbar.

Für Radtke ist es besonders der innerstädtische Verkehr, der Rotenburg belastet. Allein zwischen 1980 und 2001 hätten Zählungen ergeben, dass der Durchgangsverkehr im Stadtgebiet nur um 874 Fahrzeuge pro Tag, der Binnenverkehr aber um 22 641 Fahrzeuge zugenommen habe. Der Anteil des Durchgangsverkehr am Gesamtverkehrsaufkommen sei deutlich gesunken. Auf einen „neuralgischen Punkt“ wie die Ärztekreuzung hätte die Westumgehung kaum Auswirkungen, bringe keine Entlastung. Und durch die Neubaugebiete am Stadtrand steige der Binnenverkehr zusätzlich. Bei der Ausweisung des Naturschutzgebietes Wümme die Berücksichtigung dieser Trasse zu fordern, ist laut Radtke „ein bemerkenswert ignoranter Vorgang“.

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