Kritik des Landschaftswartes

Radtke kontra Verwaltung

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Manfred Radtke liebt die Natur und setzt sich für sie als Landschaftswart der Stadt ein. In seiner Funktion fühle er sich allerdings von der Verwaltung vernachlässigt. 

Rotenburg - Von Joris Ujen. Eigentlich sollte die Sitzung vom Umweltschutzausschuss am Dienstagabend im Rotenburger Rathaus schnell über die Bühne gehen. Aber der Jahresbericht des Landschaftswarts der Stadt, Manfred Radtke, hatte es in sich. Radtke sprach davon, dass sich sein Verhältnis zur Stadtverwaltung „gewaltig verändert“ habe.

Der Meinungs- und Informationsaustausch zwischen ihm und der Stadt sei weiterhin nicht gegeben, machte der Landschaftswart dabei deutlich. Ein Problem, dass ihn schon vor einem Jahr zu einem Amtsrücktritt bewogen hatte, den er aber nach einem „Friedensgespräch“ mit der Stadtverwaltung kurze Zeit später rückgängig machte. Wirklich etwas geändert habe sich seitdem scheinbar aber nicht.

„Unterstützung fängt bei Information an“, sagte Radtke und bezog sich dabei auf ein konkretes Beispiel: das bewaldete Grundstück zwischen dem Kiefernweg und der Verdener Straße. Laut einer Stellungnahme der Stadt sei das Plangebiet als allgemeines Wohngebiet überplant und es handele sich dementsprechend beim vorhandenen Gehölzbestand um keinen Wald. 

„Hier ist die Stadt scheinbar einem Irrtum unterlegen“, so Radtkes Vorwurf. „Mittlerweile ist der Wald eingeebnet worden. Und das ist die Verbesserung?“, fragte er rhetorisch und zeigte dem Gremium Fotos vor und nach der Maßnahme. Radtke: „Hier ist ein geschützter Wald plattgemacht worden. Es ist nicht ein Baum als Ersatz gepflanzt worden, und der Rat hat dem zugestimmt.“ 

Dazu komme, dass der Bauherr nicht irgendeine Privatperson ist, sondern mit der Sparkasse Rotenburg Osterholz eine öffentlich rechtliche Anstalt – Beweggründe für Ex-Stadtrat Radtke, die sein Verhältnis zur Stadtverwaltung entscheidend verändert hätten.

Die kam in Form von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und Planungsamtsleiter Clemens Bumann im Anschluss an Radtkes Beitrag zu Wort, um sich zu seinen Vorwürfen zu äußern. Weber zeigte sich überrascht über den Bericht des Landschaftswarts, hätte diesen gerne schon vorab erhalten, um sich besser auf das Gesagte vorzubereiten. In einem umfangreichen Verfahren habe sich die Verwaltung und auch der Stadtrat mit dem Plangebiet am Kiefernweg befasst. Und auch bei einer Anliegerversammlung wurde die Thematik öffentlich erörtert.

Ohne Mikroklima nicht als Wald definierbar

Dass Radtke sich nur auf diesen einen Fall bezogen hatte, sagte dem Bürgermeister nicht zu, er hätte sich eine ausgewogene Jahresberichterstattung gewünscht. Zumal es auch viele positive Entwicklungen bezüglich des Umweltschutzes im Jahr 2017 gegeben hatte, betonte Weber. 

„In den 90er-Jahren hat man festgestellt, dass das Landschaftsschutzgebiet (bezogen auf den ursprünglichen Bebauungsplan aus den 60er-Jahren, Anm. d. Red.) am Kiefernweg so nicht mehr durchsetzbar war“, ergänzte Planungsamtsleiter Bumann. Mit dem Landkreis hatte man sich dann darauf geeinigt, dort einen Geschützten Landschaftsbestandsteil zu realisieren. Per Definition handele es sich bei der Grünfläche aber nicht um Wald. 

Die Größe reiche nicht aus, dass man von einem eigenen Mikroklima sprechen könnte, so Bumann. „In diesem Baumbestand, der in der Regel aus kleinen Kiefern- und Tannengewächsen besteht, kann ich mir beim besten Willen kein Mikroklima vorstellen. Rein rechtlich gesehen war das Grundstück bezogen auf den alten Bebauungsplan immer bebaubar“, argumentierte Bumann. „Wenn man das Baurecht hat und die Bäume gefällt werden müssen, dann muss es sich auch innerstädtisch lohnen.“

Gutachten untermauert Vorhaben

Ein erstes Gutachten der Planungsgemeinschaft Nord (PGN) untermauerte dieses Vorhaben. Ein zweites Gutachten von der Firma Grewe sah hingegen die Fällung sämtlicher Bäume vor, da es die Sicherheit des Grundstücks und der Nachbarschaft aufgrund umknickender Bäume durch die starke Westwindlage gefährdet sah. „Das bezweifelten wir aber, da im westlichen Bereich ja auch noch Bäume stehen, die die anderen schützen können.“ Also beauftragte die Stadt ein drittes Gutachten, das wiederum dem ersten ähnelte und umgesetzt wurde. Bumann: „Der Baumbestand an sich war so nie haltbar.“

Dass Manfred Radtke sich als Landschaftswart für den Erhalt von Bäumen einsetzt, sei für den Bürgermeister nachvollziehbar. Er wünsche sich aber für die Zukunft, dass Radtke bei solchen Angelegenheiten auf ihn zukommt. Es sei immer eine Gratwanderung zwischen dem Naturschutz und der Wohnraumschaffung für die Stadt Rotenburg. Radtke zu Weber: „Ich kann mit Ihnen aber nicht das Gespräch suchen über Dinge, von denen ich gar nichts weiß. Nachbarn haben mich erst davon in Kenntnis gesetzt.“

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