Radtke ist auf dem Baum

BUND-Kreisvorsitzender moniert mehrere Fällaktionen

Arbeiten an den Grünstreifen entlang der B75 werfen bei Manfred Radtke Fragen auf.

Rotenburg - Von Guido Menker. Manfred Radtke ist auf der Palme. Der Kreisvorsitzende des BUND und Landschaftswart der Stadt ärgert sich massiv über das Vorgehen der Stadt Rotenburg auf einem Gelände neben der Bundesstraße 75 auf Höhe des Unternehmens Seico im Gewerbegebiet Hohenesch. Schriftlich hat er sich an den Rotenburger Planungsamtsleiter Clemens Bumann gewandt: „Sie hatten mir am 14. Januar 2018 mitgeteilt, dass weitere Rückschnitte im Bereich der Fa. Seico unterbleiben, damit wieder der im Umweltbericht des Bebauungsplanes beschriebene Zustand entstehen soll. Davon kann leider keine Rede sein!“

In den vergangenen Monaten seien zum wiederholten Male zahlreiche Bäume gefällt worden. Keine Spur auch von einem Nachwachsen des Unterholzes, das aus ökologischer Sicht besonders wertvoll ist, so Radtke im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Beschnitt, so Radtke, der einem Beschluss des Stadtrates eindeutig widerspricht, denn die damaligen Investoren hatten den angefragt – doch der Rat habe sich dagegen ausgesprochen. Radtke: „Wenn ich noch Ratsherr wäre, würde ich der Stadtverwaltung ordentlich auf die Füße treten.“

Es ärgere ihn, wenn man sich nicht an Beschlüsse hält. Zu erklären sei dies nur damit, alles tun zu wollen, was Investoren wünschten. „Der Stadtrat ist jetzt gefordert, Rückgrat zu zeigen“, findet Radtke, der viele Jahre selbst für Bündnis 90 / Die Grünen im Stadtrat saß. Er ist in Rotenburg vor allem dafür bekannt, dass er auf Missstände aufmerksam macht, wenn es um den Schutz von Natur und Umwelt geht. In diesem Fall beruft er sich auf den Bebauungsplan für den Bereich abseits der Bundesstraße. Darin heißt es: „Dagegen besitzen die Gehölzbiotope im Süden des Plangebietes, entlang der Bundesstraße B75, noch Lebensraumqualitäten für zahlreiche Tierarten, besonders Kleintiere, Vögel und Insekten.“

Radte hat in seiner E-Mail an Bumann mehrere Fotos hinzugefügt, die das Ausmaß des Holzschnitts deutlich machen. „Außerdem habe ich festgestellt, dass in diesem als wertvoll eingestuften Bereich eine erhebliche Fläche gärtnerisch gepflegt wird. Wie kann das denn angehen?“, will der politische Un-Ruheständler wissen. Insgesamt sei festzustellen, dass der Ratsbeschluss hinsichtlich des Erhalts des wertvollen Grüngürtels inzwischen komplett ausgehebelt worden sei. „Ich kann auch nicht erkennen, dass die Stadt Rotenburg ihre Zusagen hinsichtlich der Fläche einhält beziehungsweise deren Umsetzung überwacht.“

Planungsamtsleiter bezieht Stellung

Für die Stadt Rotenburg bezieht Planungsamtsleiter Clemens Bumann Stellung. Drei Bäume seien vor etwa zwei Jahren entfernt worden. Das sei nicht ganz in Ordnung gewesen, erklärt Bumann. Die Stadt habe dafür sprichtwörtlich bezahlen müssen – etwa 300 Euro an die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Denn: Die Bäumen befanden sich nicht auf städtischem Grundstück. Was den Beschnitt im Unterholz und an den Büschen betrifft, habe die Stadt aus seiner Sicht im Sinne des Bebauungsplans gehandelt. Darüber hinaus bezeichnet es Bumann als eine Maßnahme zur Wirtschaftsförderung, denn schon mehrmals seien dort – auch von den vorherigen Eigentümern – entsprechende Anfrage im Rathaus gelandet.

Manfred Radtke hat eine weitere Mail mit Fotos verschickt. Diese ging an Margit Schröder, die Chefin der Straßenmeisterei in Rotenburg. In diesem Fall geht es um den Umgang mit dem Straßenbegleitgrün – ebenfalls an der Bundesstraßem 75, gegenüber der Spedition Oetjen. Radtke: „Am 14. Februar sind an der B75 in der Gemarkung Rotenburg eine Reihe von Bäumen gefällt worden. Standort: Gewerbegebiet Hohenensch, Richtung Waffensen, kurz vor der Ampelanlage. Wie den Fotos zu entnehmen ist, wurden auch mehrere kleine Bäume sowie Heister entfernt. Mit der Verkehrssicherheit ist diese Maßnahme sicher nicht zu begründen.“ Und soll will der BUND-Chef wissen, was es mit der Abholzung auf sich hatte. Denn: Straßenbegleitgrün habe gemäß des „Merkblatt für den Straßenbetriebsdienst – Teil Grünpflege“ nicht zuletzt auch landschaftspflegerische Funktionen. Radtke spricht von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, Biotopschutz und einer Eingliederung der Straße in die Landschaft.

Personen mit Ausbildung am Werk

Radtke stellt in seinem Schreiben an Margit Schröder fest: „In jedem Winterhalbjahr werden an den von Ihnen zu betreuenden Straßen auch große und alte Bäume gefällt. Da diese Lebensräume für wild lebende Tiere enthalten können, ist gemäß Paragraf 44 BNatSchG vor dem Fällen eine entsprechende artenschutzrechliche Prüfung vorzunehmen.“ Jetzt will er wissen: Wie und von wem werden diese Prüfungen jeweils durchgeführt? Haben diese Personen eine entsprechende Ausbildung?

Sönke Zulauf von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr bestätigt: „Zur Unterhaltung der Entwässerungsanlage/ -mulde als technische Nebenanlage der Straße wurden drei Pappeln, Heister (Wurzelausläufer) sowie in die technische Anlage eingewachsene Brombeeren entnommen.“ Ziele seien die Entwässerungseinrichtung frei von Bäumen zu halten, um die Unterhaltung und einwandfreie Funktion dieser technischen Anlagen zur Entwässerung der Straße zu gewährleisten, sowie der Umbau des bestehenden Gehölzbestandes zu einem funktions- und standortgerechten Straßenbegleitgrün. „Die (...) Pappeln sind nicht als Staßenbaum geeignet, da diese mit zunehmendem Alter instabil und brüchig werden und infolge von trockenen Perioden auch zu starken Grünastabbrüchen neigen“, so Zulauf. Bei den dokumentierten Arbeiten handele es sich um Unterhaltungsmaßnahmen im Bestand des Straßennetzes im gesetzlich dafür zugelassenen Zeitraum und nicht um genehmigungspflichtige Neu- oder Ausbauten. Auch dem Artenschutz werde Rechnung getragen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Polizei sucht nach Motiv für Schüsse von Utrecht

Polizei sucht nach Motiv für Schüsse von Utrecht

App-Stadtführungen und virtuelle Zeitreisen

App-Stadtführungen und virtuelle Zeitreisen

Hauptverdächtiger nach Schüssen von Utrecht gefasst

Hauptverdächtiger nach Schüssen von Utrecht gefasst

Zahn-OP: Löw verpasst Start - Bierhoff bittet Fans um Geduld

Zahn-OP: Löw verpasst Start - Bierhoff bittet Fans um Geduld

Meistgelesene Artikel

Mit der Sonde beim Abendbrot

Mit der Sonde beim Abendbrot

250 Teilnehmer bei Demo gegen Rassismus und für Toleranz

250 Teilnehmer bei Demo gegen Rassismus und für Toleranz

Das 20. Märchenfest kommt gut an

Das 20. Märchenfest kommt gut an

Erde unter Strom

Erde unter Strom

Kommentare